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Bauwerke für die Ewigkeit

Blogger 19. Januar 2018 Kein Kommentar

Was: Kirchensanierungen
Wann:
derzeit
Wo:
inselweit

46 Kirchen gibt es auf Rügen. Die ältesten stammen aus dem 12. Jahrhundert, die jüngsten wurden im 20. Jahrhundert erbaut, um den steigenden Bedarf durch den Bädertourismus abdecken zu können. An über 20 Kirchenbauten wird derzeit auf Rügen gearbeitet. Die Zirkower Kirche ist eine von etlichen Baustellen. Eigentlich sollte an dieser nur das Turmdach nach Sturmschäden repariert werden, aber das Gotteshaus hatte mehr Sanierungsbedarf als ursprünglich angedacht. Nun wird auch der marode Dachstuhl erneuert. Solch eine Überraschung ist bei Sanierungsarbeiten kein Einzelfall. Auch die Arbeiten an der Dorfkirche in Samtens wurden ein wenig unterschätzt. Nachdem die über 600 Jahre alte Kirche ein neues Dach bekam und der Giebel an der Westseite ausgebessert wurde, ist nun das Fachwerk fällig. Als Sicherungsmaßnahme wurde ihr vorübergehend ein Korsett aus Holz angelegt. Nur wenige Kilometer weiter wird parallel dazu am Hauptportal der Dorfkirche Gustow gearbeitet.

Für eine positive Überraschung hingegen sorgten die Arbeiten an der Dauerbaustelle der St. Andreaskirche in Lancken-Granitz. Nach Turm- und Fenstersanierung stießen die Restauratoren bei Arbeiten am Gewölbe auf bisher unbekannte Wandmalereien und Innenschriften, die aus der Entstehungszeit des Gotteshauses aus dem Jahre 1455 verweisen.

Auch auf Mönchgut gibt es Sanierungsbedarf: etwa in Göhren oder an der St. Katharinen Kirche in Middelhagen, deren Innenraum seit 2012 komplett saniert wird.

Die Restaurierungsmaßnahmen der Wandmalereien in der Marienkirche Bergen, der größten Inselkirche, gehen in den letzten Abschnitt über. Mehr zu tun ist dagegen noch an der St. Jacobi Kirche in Gingst. Am zweitgrößten Gotteshaus der Insel wird derzeit Dach, Turm und Mauerwerk ausgebessert.

Auch im Störtebeker-Ort Ralswiek fallen einige Arbeiten an. Die hiesige Holzkapelle feierte im Oktober 2017 ihren 110. Geburtstag. Für dieses Jubiläum wurde sie mit einem neuen Dach und stabilen Seitenstreben frisch herausgeputzt. In der kommenden zweiten Sanierungsphase gilt es nun, die sieben stark beschädigten Fenster zu renovieren. Bald kann sie Wind und Wetter wieder vollkommen trotzen. Diese Kirche hat ein außergewöhnlich Äußeres mit bewegendender Geschichte, die auf den reichen Kaliminen-Besitzer Hugo Sholto Graf Douglas (1837 – 1912) zurückzuführen ist. Der geadelte Magnat aus Aschersleben kaufte Ende des 19.Jahrhunderts die knapp 3000 Hektar umfassenden Besitzungen um Ralswiek auf und wurde damit zum drittgrößten Grundbesitzer Rügens. Als erstes ließ er ein Schloss über Ralswiek bauen, erweiterte den Park, ersetzte die zum Teil abgerissene Propstei durch eine Kopie und ließ für die Gutsangestellten neue Häuser errichten. Dann kam die Kirche ins Dorf – und zwar wortwörtlich. Graf Douglas veranlasste die Anlieferung einer schwedischen Holzkapelle, die er bei einer Ausstellung in Stockholm gesehen hatte. Am 31. Oktober 1907 wurde diese baupolizeilich genehmigt und einen Tag später geweiht.

Auch wenn derzeit einige religiöse Bauwerke verhüllt sind, so lohnt sich dennoch deren Anblick. Die Inselkirchen sind Zeitzeugen aus verschiedenen Jahrhunderten, die Rügens Kulturlandschaft prägen.