Erfrischende Frühlingssagen von Rügen

Gastbeitrag René Geyer

Die Tage werden länger, die Sonne stärker: Alles ist auf der Insel auf Frühling ausgelegt. Diese Zeit ist im Volksglauben sagenumwoben. Wie von geheimer Hand gelenkt, fängt die Vegetation wieder an zu treiben. Was sich jetzt Mystisches auf der Insel ereignet, erfahrt Ihr in folgendem Beitrag.


Nachtgespenster

© René Geyer

Diese Art von Nachtgespenst, die Mahrt, kommt zur nächtlichen Zeit durch das Schlüsselloch oder durch irgendeine Ritze ins Zimmer, um den Schlafenden heimzusuchen. Sie verkörpert nach der Meinung des Volkes nichts weiter als die Gedanken eines anderen Menschen. Die Mahrt leg sich nachts auf den schlafenden Menschen und „reitet“ ihn. Die nun folgende Sage berichtet, wie man mit so einer Erscheinung umzugehen hatte.

Einen Kutscher bei Putbus ritt alle Nacht die Mahrt, so dass er ganz elendig und hinfällig dabei wurde. Da gab ihm nun einer an, seine Hände mit grüner Seife zu bestreichen, dann werde er die Mahrt halten können, die ihm doch so zusetzte. Das tat er. Als die Mahrt wiederkam, griff er beherzt zu. Es war ein junges Mädchen. Die bat ihn nun inständig, sie doch freizulassen.

Er weigerte sich und sagte, er wolle keiner lebenden Kreatur die Qualen gönnen, die sie ihm bis dahin angetan hatte. Wenn er sie nun freilassen würde, würde sie sich anderen Menschen zuwenden. Er wolle sie auf ein gefühlloses Wesen aufweisen, das könne sie reiten in alle Ewigkeit. Da flehte aber das Mädchen, er möge sie aufweisen wohin er nur wolle, nur nicht auf Stein und nicht auf Wasser! Da ließ er sich erbitten und wies sie auf einen Eichbaum, der stand bei Neuendorf. Der Eichbaum ist seit der Zeit verkümmert und schließlich eingegangen.


Der Schatz im Silvitzer Steingrab

© René Geyer

Dieses Grabmal aus der Jungsteinzeit liegt an einem ehemaligem Wegerest, auf einem Höhenzug zwischen Silvitz und Karow.

Einer mündlichen Überlieferung zufolge ist das Grabmal bereits im 18. Jahrhundert geöffnet und sein Inhalt geraubt worden. Dabei sollen jedoch die einzelnen Steinblöcke nur wenig oder sogar überhaupt nicht aus ihrer ursprünglichen Lage gerückt worden sein. Unter diesem Grabhügel aus Stein und Erde liegt der Sage nach ein Schatz vergraben. Bis zum heutigen Tage soll es jedoch noch niemandem gelungen sein, diesen Schatz zu heben, geschweige ihn zu Gesicht bekommen zu haben.

Vor mehr als 100 Jahren versuchten zwei Bauern aus dem benachbarten Karow, diesen Schatz zu heben. Da bei solchen Hebungen eines Schatzes Stillschweigen gehalten werden muss, machten sie sich wortlos ans Werk und gruben bis sie auf einen silbernen Sarg stießen. Nun war dieser Sarg so schwer, dass sie ihn mit der Kraft ihrer Arme nicht aus der Grube heben konnten. Die Bauern verständigten sich durch Zeichen und Gesten, dass sie Hebel und Stricke anwenden wollten. Als diese Dinge herangeschafft waren, schienen ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt zu sein. Als sie zogen und der silberne Sarg mehr und mehr an die Erdoberfläche kam, rief einer der Bauern seinem Nachbar zu: „Korl, holl fast! Nu kümmt de“ (Karl, halt fest! Nun kommt er). Im selben Augenblick aber, als die Worte gesprochen waren, versank der schwere silberne Sarg wieder in der Tiefe. So konnte auch dieses Mal der Schatz nicht gehoben werden und liegt wohl bis zum heutigen Tage in der Tiefe des Grabes.

Das Grabmal als kulturhistorischer Schatz

Die Grabkammer steht – wie alle sogenannten „Bodendenkmäler“ – unter besonderen Schutz. Dort oben von der Höhe bietet sich dem Besucher des Grabes ein schöner Blick nach Bergen sowie in Richtung Kleiner Jasmunder Bodden. Unsere Vorfahren haben wohl ganz bewusst diesen Ort gewählt, als sie dieses Grab schufen.


Der Hexensabbat bei Trent

Im Sagenkreis über sogenannte Hexen und über die Zauberei berichtet die Rügensche Sage um die besondere Zeit des Frühlingsanfanges, insbesondere der Walpurgisnacht.

Darüber berichtet diese Sage in Trent: Ein Mann ging in der Walpurgisnacht durch einen Wald. Er hatte sich aber verirrt und war an einer lichten Stelle im Walde angelangt. An dieser Stelle jedoch sah er nun ein grausames Getümmel. Etliche Katzen, Ziegenböcke und auch große Hunde balgten lautstark miteinander.

Als diese Meute nun den Mann erblickte, riefen alle aus Leibeskräften: „Du sollst uns zu unserem Tanze blasen!“ Er musste es sich gefallen lassen. Man reichte ihm ein Blashorn und er musste tüchtig blasen bis ihm schwindelig wurde. Um ein Uhr waren plötzlich alle verschwunden. Als sich der Wanderer nun sein Blashorn besah, da war es eine tote Katze, welcher er die Gedärme aus dem Leibe gesogen hatte.


Hexenplatz in Putbus

Eine weitere Sage um die Walpurgisnacht wird bei Putbus erzählt: Im fürstlichen Park zu Putbus gibt es eine Stelle, welche vom Volk als Hexenplatz bezeichnet wurde. Sie liegt an dem Verbindungsweg zwischen dem fürstlichen Schauspielhaus und der Kirche. Dort erblickt man einen großen Haufen sogenannter „Wendenmühlen“, also vorgeschichtliche Mühlsteine, welche nach Meinung des Volkes alte Opfersteine sein sollen.

Auf diesem Hexenplatz sollen nun die Hexen in der Walpurgisnacht ihre Versammlung abhalten. Desgleichen erzählen sich die Leute, dass dort ein schauerlicher Spuk zur Nachtzeit umgeht mit schauerlichem und jämmerlichem Geschrei. Wer dort in dieser Nacht vorbeigeht, dem werde der größte Schrecken seines Lebens widerfahren. 


Die verzauberte Prinzessin von Seedorf

Der Volksmund nennt ihn „den weißen Berg“. Er befindet sich in der Nähe von Seedorf, dort vor der Lankener Bek. Nun, seit vielen hundert Jahren wohnt dort eine verzauberte Prinzessin, deren Namen man jedoch nicht mehr weiß.

In jeder Johannisnacht, so zwischen 12 und 1 Uhr, öffnet sich der Berg und die Prinzessin kommt mit einem Wagen und ihrem ganzen Gefolge aus dem Berg in das nahegelegene Dorf. Von dort kehrt sie stets kurz vor 1 Uhr zurück. Die Prinzessin und ihr Gefolge können erlöst werden, wenn jemand den Mut aufbringt, den Pferden beim feierlichen Umzug in die Zügel zu fallen.


Der heilige Georg von Wittow

Sagenhaft ist auch die Halbinsel Wittow, denn es gibt dort keine Maulwürfe. Und das kam so:  In der Kirche zu Wiek auf Wittow befindet sich ein wohlerhaltenes Holzbild des heiligen Georg, der auf dem Pferd darstellt wurde. Vor vielen Jahren soll eine mächtige Maulwurfplage geherrscht haben. Ganz Wittow wurde verwüstet und die Bewohner der Halbinsel hatten arg darunter zu leiden. Der heilige Georg befreite Wittow von den Plagegeistern. Sein Bannspruch ist derartig wirksam, dass es bis auf den heutigen Tag keine Maulwürfe auf Wittow gibt.


Spuk ums Herzogsgrab

Im Walde zwischen Baabe und Middelhagen, nicht unweit von der Duchtenkoppel, liegt das steinzeitliche Grab, welches im Volksmunde „das Herzogsgrab“ genannt wird. In der Umgebung dieses Herzogsgrabs soll es nicht ganz geheuer sein. Wer in einer Neumondnacht zur Geisterstunde dorthin geht, der sieht ein bläulich weißes Licht flimmern und gleißen, das aus der Steinkiste erscheint. Wer dieses Licht sieht, so erzählt man sich, sollte wortlos und, ohne sich umzudrehen, an dem Grabe vorübergehen. Ansonsten, so wird vermutet, kann einem sehr Schreckliches und Fürchterliches geschehen. Andere, die dort vorübergegangen sind, berichteten, sie hätten Gespenster in langwallenden Gewändern, aber auch spukhafte Tiere am Herzogsgrabe erblickt.


Mutige Herrscher am Königsstuhl

Der Königsstuhl, eines der Wahrzeichen der Insel Rügen, gehört natürlich auch zu den sagenhaftesten Orten der Insel. Von ihm wird erzählt, dass in alter Zeit den Königen der Insel auf dem Königsstuhl gehuldigt worden sei. Dazu sollen die Könige auf einem hohen, aus Erde bestehenden Stuhl gesessen haben. Als die Rüganer ihren König selbst wählten, sollte der Tapferste und Kühnste König werden. Darauf beruht die alte, aber noch von vielen geglaubte Überlieferung, dass künftig derjenige König wird, der den Mut hat, den Königsstuhl von der Seeseite her zu besteigen. 


Mystik am Mönchsgraben

© René Geyer

Nördlich von Baabe befindet sich der etwa 1,5 km von Ost nach West verlaufende Mönchsgraben, ein Befestigungswerk aus Wall und Graben. Dieser Graben ist eng verbunden mit der Entstehungsgeschichte des Mönchgutes. Das Mönchgut ist ein wunderschöner Teil Rügens und öffnet seinen Reiz jedem, der sich für Kultur- und Naturlandschaft interessiert. An diesem Graben sind gleich mehrere Sagen lokalisiert.

Es soll sich am Mönchsgraben und an der den Mönchsgraben kreuzenden Landstraße ein gespenstischer Reiter mit einem Hund aufhalten. Der Reiter, so sagen die Leute, trägt eine Uniform und soll wie ein Major oder Wachtmeister aussehen. Sein Pferd, ein stolzer Schimmel, ist ganz mit Schaum bedeckt. Sein Riemenzeug glitzert und glänzt, wie mit Silber beschlagen, aber die Steigbügel scheinen ganz aus Gold zu sein. Von seiner Kandare trieft in weißen Flocken der Schaum herab. Zuletzt soll der Reiter einem Fischer begegnet sein und zwar im Jahre 1868. Die Begegnung war ihm unheimlich. Die Haare standen ihm zu Berge und er wusste nicht, ob er weitergehen oder zurückkehren sollte. Er ging weiter und als der Fischer am Mönchsgraben angelangt war, verschwand, wie auf wundersame Weise, der Reiter bei den Hünengräbern. Der Fischer berichtete den Fischern im Dorf von seiner morgendliche Begegnung. Die meinten nur, er hätte geschwind ein Tuch nehmen müssen und den Schaum vom Pferde abwischen sollen. „Du hättest einen Haufen Gold- und Silbermünzen dafür erhalten!“


Der kopflose Reiter bei Baabe

Beim sogenannten Spuckbusch, einem kleinen Gehölz hinter dem Baaber Bahnhof, soll zuweilen ein kopfloser Reiter auf einem Schimmel erscheinen. Wer ihn antrifft, solle sich nicht weiter wundern. Der Reiter begleitet den Wanderer und hält immer mit ihm Schritt. Beim Mönchsgraben angelangt verschwindet der Reiter so plötzlich wie er erschienen war.


Schlangenplage am Mönchsgraben

Dereinst herrschte eine Schlangenplage auf Mönchgut. Ein Flötenbläser am Mönchsgraben soll auf wundersame Weise alle Schlangen der Halbinsel Mönchgut angelockt und in ein großes Loch am Mönchsgraben gebannt haben. Zuallerletzt kam jedoch eine große Schlange mit einer goldenen Krone auf dem Haupt. Die soll ihn umschlugen und mit in die Grube gezogen haben.


Die Prinzessin Svanvithe

Prinzessin Svanvithe, die schöne Tochter des zu Bergen wohnenden Königs von Rügen, wird von einem ihrer Freier verleumdet und danach von dem eigenen Vater ins Gefängnis geworfen. Um ihre Unschuld zu beweisen, beschließt sie, den herrlichen Königsschatz in dem Garzer Wallberg zu bergen, der nur von einer Prinzessin gehoben werden kann, die von jenen alten Königen herstammt und noch eine reine Jungfrau ist.

In der Johannesnacht steigt sie mit einer Wünschelrute in ihrer Hand auf den Wall und gelangt in den mit Schätzen gefüllten unterirdischen Saal. Als sie dann aber, mit Schätzen schwer beladen, auf die Oberwelt zurückkehren will, blickt sie sich um und sieht einen großen schwarzen Hund mit schaurig feurigem Rachen und funkelnden Augen auf sich losspringen. Da ruft sie: „Oh Herrje!“ und in demselben Augenblick schlägt die schwere Tür zu und die Prinzessin muss nun in dem unterirdischen Gemach bleiben.

Diese Prinzessin kann erlöst werden, wenn einer zu ihr hinabsteigt und sie stillschweigend an der Hand wegzuführt. Die Erlösung wurde schon öfter versucht, zuletzt vor 20 Jahren von einem Schuhmachergesellen, der Joachim Fritz hieß. Bisher ist es jedoch niemandem gelungen.


Das Schloss am Schwarzen See

© René Geyer

In einer anderen Ecke Rügens berichtet die Volkssage von einem Schloss. Es befindet sich im schwarzen See in der Granitz. Dort wo heute der Schwarze See liegt, soll einst ein prächtiges Schloss gestanden haben. Aber auf wundersame Weise ist dieses Schloss mitsamt seinen Bewohnern in dem See versunken. Eines Morgens soll der Schlossherr zur Jagd geritten sein. Als er am Abend wieder nach Hause geritten kam, fand er anstelle des Schlosses nur noch den in stiller Ruh liegenden See vor. Am Ufer des Sees sah er noch einen Stuhl, auf dem seine Jagdhandschuhe lagen, die er beim Aufbruch zur Jagd vergessen hatte. Jetzt erinnerte er sich dessen und griff unwillkürlich zu den beiden Handschuhen. Kaum hatte er sie aber ergriffen, sank auch der Stuhl in die Tiefe des Sees.

Hätte er statt der Handschuhe den Stuhl ergriffen, so wäre das ganze Schloss mit all seinen Bewohnern wieder an die Oberfläche gekommen und wäre erlöst gewesen.

Das Schloss kann auch jetzt noch erlöst werden: Wenn sich der Tag jährt an dem das Schloss einst versunken ist, so kommt es an die Oberfläche des Wassers heraus. Wenn jemand den Mut aufbringt, über das Wasser hinzuschreiten und in das Schloss einzutreten, so ist es erlöst.

Derjenige braucht auch keine Angst zu haben, dass er versinkt. Denn das Wasser hat an diesem Tag die Kraft, dass es den Erlöser des Schlosses trägt und an der Oberfläche hält. Man weiß aber bis heute nicht, wann dieser Tag im Jahre sich jährt und deshalb ist es bis heute keinem gelungen, das Schloss zu erlösen und dazu noch selbst Schlossherr zu werden.

In der Neujahrsnacht kann man den Jubel der Schlossbewohner aus der Tiefe des Wassers heraufschallen hören, denn sie sind dann zuweilen so laut, dass der ganze Wald davon widerhallt.


Vom Findling „Buskam“ bei Göhren

© René Geyer

Auf Mönchgut wird über den größten Stein von Rügen, „den Buskam“ folgendes berichtet:

Einige hundert Meter vor dem Nordstrand von Göhren liegt er im Meer, der gewaltige Felsblock „Buskam“ oder auch Gottesstein. Früher sind die Mönchguter – und manche tun es auch heute noch – am Hochzeitstag mit ihren Gästen zum Buskam hinausgefahren, um auf ihm dann ausgelassen zu tanzen. Um die Sommersonnenwende hingegen erscheinen um die Mittagsstunde vor der Küste Mönchguts seltsame Wesen: Es sind Seejungfern. Ihr Oberkörper gleicht einer Menschengestalt, während ihr Unterleib in einem sehr langen Fischschwanz ausläuft. Sie haben Schüsseln mit den köstlichsten Speisen in ihren Händen und sitzen auf dem Rande des Buskam, wo sie ein Festmahl halten. Nach dem Essen tanzen und singen sie in ausgelassener Runde. Diese Wesen können aber nur wenige Menschen sehen und zwar nur solche, die zur Sommersonnenwende zu dieser Stunde geboren wurden. Aber zum Glück sind das nur sehr wenige. Denn, wenn sie von den Seejungfern einmal bemerkt werden, sind sie ihnen verfallen und werden von ihnen in zauberhafter Gewalt in die Tiefe der Ostsee gezogen.


Von den „Ziegensteinen“ bei Stresow

Die Leute, die in der Nähe von Burtevitz und Stresow wohnen, berichten über einen Spuk des nachts zwischen 12 und 1 Uhr bei den Ziegensteinen. Man berichtet von lautem Schwertgeklirr und Schlachtrufen. Es seien Geister, die einst im Kampf bei den Ziegensteinen gefallen sind und die allnächtlich ihren Kampf erneuern. Auch soll bei den Ziegensteinen ein sehr mächtiger Riese mit einem auffallend großen Kopf umherwanken. Er geht dann jedem Wanderer, der sich zu dem Zeitpunkt dort aufhält, entgegen, begleitet diesen eine Strecke weit. Bei den Ziegensteinen taucht er gewöhnlich auf und hier verschwindet er nachher auch wieder.


Der Riese am Sund

Auf der Insel Rügen sind fast überall in der Landschaft mächtige steinzeitliche und bronzezeitliche Grabanlagen zu entdecken. Sie sind so manches Mal landschaftsprägend und fallen sofort ins Auge. Viele der Anlagen sind mit Riesensagen verknüpft, weil man sich deren Herstellung als das Werk mächtiger Riesen erklärte.

Folgende Sagen berichten von solchen Grabanlagen: Die Neun Berge bei Rambin: Im Südwesten der Insel, nicht weit vom Kirchdorf Rambin liegen auf flachem, leicht erhöhtem Feld neun Hügelgräber, welche gewöhnlich die „Neun Berge“ genannt werden. Diese Hügel sollen durch die Kühnheit eines Riesen entstanden sein. Dieser lebte auf Rügen und trug den Namen Balderich. Diesen verdross es, dass das Land eine Insel war und dass er immer durch das Meer waten musste, wenn er zum Pommerschen Festland wollte. Daraufhin ließ er sich eine ungeheuer große Schürze anfertigen, band sie sich um seine Hüften und füllte sie mit einer riesigen Menge Erde und Steinen. Dann wollte er sich einen Erddamm auffüllen: von der Insel Rügen bis zum Festland.

Aber als er nun mit seiner Tracht bis über Rotenkirchen gekommen war, riss plötzlich ein Loch in die Schürze. Aus der herausfallenden Erde entstanden die Neun Berge. Er stopfte das Loch zu und ging sogleich weiter, aber als er bei Gustow angekommen war, riss wieder ein Loch in die Schürze und es fielen dreizehn kleine Berge heraus. Mit der übriggebliebenen Erde in der Schürze ging er dann an das Meer und goss sie hinein. So entstand der Proßnitzer Haken und die niedliche Halbinsel Drigge. Aber leider blieb ein noch schmaler Zwischenraum zwischen Rügen und Pommern, und darüber ärgerte sich nun der Riese so dermaßen, dass er plötzlich von einem Schlagfluss hinstürzte und dann verstarb.


Riesengrab bei Mukran

© René Geyer

In der Nähe von Mukran, an einem Weg, welcher nach Dwasieden und Crampas führt, befindet sich ein Steinsatz. Dieser wurde im Volksmund „das Riesengrab“ genannt. Das Grabmal liegt genau in ost-westlicher Richtung und besteht aus vielen großen Steinen. Eine Riesin soll hier ihre beiden Riesenkinder begraben haben, die durch ihre Sorglosigkeit in der nahen See ertrunken waren. Deshalb stehen auch an dem Westende des Grabes zwei große Ecksteine, von denen der eine vor langer Zeit in der Erde versunken ist. Der andere aber, der auf der Kante steht, misst vier Ellen in der Höhe.

Weitere Rügen-Sagen erleben

Der bekannte Erlebnis- und Naturführer René Geyer kennt alle magischen Wesen der Insel Rügen. Bei seinen abwechslungsreichen Touren durch die Sagenwelt Rügens berichtet er von Zwergen, Nixen und Riesen. Entdeckt mehr Sagen im Sommer, Herbst und Winter.

René Geyer
E-Mail: info@naturgeyer.de
Telefon: 0173 9898031
Website

Gastautor

René Geyer

René Geyer kennt die Inselnatur ganz genau. Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanzen sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Führungen findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und unter www.naturgeyer.de

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.