9 Frühlingsboten, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern

Überall regt sich neues Leben. Der Frühling auf Rügen mit seiner verzaubernden Blütenpracht ist eingezogen. Diese Frühblüher fühlen sich jetzt besonders wohl und machen Lust auf Frühling. Nichts wie raus in die Natur! Sie tut unendlich gut!

1. Gefleckter Aronstab

Heute gibt es die Pflanze nur noch selten in freier Natur zu bewundern, außer in Parkanlagen oder in Gärten. Da die Pflanze so selten geworden ist, steht sie bereits in manchen Teilen Deutschlands auf der Liste der unter Naturschutz stehenden Gewächse.

Aussehen des Gefleckten Aronstabs

Der Gefleckte Aronstab gehört zu den Aronstabgewächsen, ist mehrjährig und wird bis zu 40 cm hoch. Die Wurzel besitzt eine rundlich-eiförmige Form, von der mehrere dünne, fleischige Nebenwurzeln ausgehen. Die Blätter zeigen sich vor der Blüte als pfeilförmige, langgestielte, gefleckte Laubblätter. Das Herausragendste an der Pflanze ist aber der lange Blütenstand, der von einer blattartigen Hülle, wie einer „Tute“ umgeben ist. Die Blüten des Aronstabes sind eingeschlechtig.

Besonderheiten des Gefleckten Aronstabs

Während der kurzen Blütezeit vom Aronstab, mit seiner gelblich-grünen Blüte, riecht diese Blüte urin- bis kotähnlich. Die Pflanze lockt damit Insekten an, die dann in die Kesselfalle stürzen und dort von einem Haarkranz am Herausfliegen gehindert werden. Die Narben im Inneren scheiden ein Sekret ab, das zur Verpflegung der Insekten dient, indes wird die Pflanze von den mitgelieferten Pollen der Insekten bestäubt. Erst am nächsten Tag stirbt der Haarkranz im Inneren ab und die Insekten, die die Pflanze besuchten, gelangen über die männlichen Blüten zurück in die Freiheit. Die Temperatur der Blüte, die auf einem gesteigerten Stoffwechsel beruht, beträgt manchmal bis zu 16 Grad Celsius über der Außentemperatur.

Der Gefleckte Aronstab in der Volksheilkunde

Seit jeher faszinieren die Blüten des Aronstabes den Menschen. Im Volksmund heißt die Pflanze: „Trommelschlägel“, „Teigkraut“, „Eselsohr“, „Zehrwurz“ oder im Niederdeutschen „Papenpint“. Alle Pflanzenteile, auch die später roten Beeren, sind roh sehr giftig. In der Volksheilkunde wird sie kaum noch verwendet. Hildegard von Bingen kochte sie in Wein und gab sie dann bei „Vergichtung“, bei schleimigem Fieber sowie bei Schwermut. In der sogenannte „Sympathiemedizin“ hängte man Kindern mit Bindehautentzündungen ein Stückchen getrockneter Wurzel in einem Leinensäckchen um den Hals.

Nach Steffen Guido Fleischhauer „Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen“ werden die Stängel von März bis April als Gemüse gekocht. Bei längerem Kochen, Backen und Trocknen der Pflanzenteile gehen die Schärfe und die Giftstoffe praktisch vollständig verloren. Weiter sagt er: alle frisch eingenommenen Pflanzenteile, einschließlich der Beeren, können sonst gefährlich giftig wirken.

Der Aronstab ist eine Pflanze, die uns zeigt, wie weise Mutter Natur ist und was für ausgeklügelte Strategien doch Pflanzen entwickeln können.


2. Das Leberblümchen

Eines der ersten zart blauvioletten Blüten, das dem noch von Brauntönen überzogenen Waldboden die ersten Farbtupfer gibt, ist das Leberblümchen – Hepatica nobilis. Dieses Leberblümchen wurde von der „LOKI SCHMIDT STIFTUNG“ zur Blume des Jahres 2013 ernannt.

Das Leberblümchen als gefährdete Pflanze

Das Leberblümchen steht in vielen Bundesländern bereits auf der Liste der gefährdeten Arten. Diese Arten repräsentieren auch immer einen bedrohten Lebensraum. Im Falle des Leberblümchens, sind es alte Buchen- und Laubmischwälder mit kalk- und humusreichen Böden, in welchen das Leberblümchen zu Hause ist. Das Leberblümchen unterliegt nach der Bundesartenschutzverordnung einem besonderen Schutz. In Mecklenburg-Vorpommern steht das Leberblümchen bei der Kategorie Gefährdung auf der Vorwarnliste bzw. ist zurückgehend im Gesamtbestand. Ursache sind Zerstörungen auch von älteren kleinräumigen Buchen- und Mischwäldern auch auf Rügen, die heute leider unverständlicherweise der Holzwirtschaft zum Opfer fallen. 

Aussehen und Vorkommen des Leberblümchens

Das Leberblümchen gehört zu den Hahnenfußgewächsen und ist eine mehrjährige Pflanze. Zuerst zeigen sich zwischen den grünbraunen Vorjahresblättern nur die gestielten Blütenstängel mit ihren herrlich blauvioletten Blüten. Nach der Blüte erst entfalten sich neue behaarte dreilappige Blätter, die ledig grün glänzen. Die Hauptblütezeit ist der März, aber man kann das Leberblümchen bis in den April hinein blühen sehen. Das Leberblümchen bildet in alten Wäldern ausgedehnte oft auch großflächige Bestände.

Verwendung des Leberblümchens

Norddeutsche Volksnamen sind unter anderem: „Blag Läwerblaum“, „Läwerkrut“. Man nennt sie auch volkstümlich „Blaue Schlüsselblume“, „Leberkraut“ oder auch „Märzenblümchen“. In der Schulmedizin wird das Leberblümchen nicht verwendet, obgleich es nicht unwirksam ist. In der Homöopathie wird es nur ganz selten noch bei Leberstauungen und bei chronischer Bronchitis genutzt. In der Volksmedizin jedoch kam das schöne Leberblümchen zur Anwendung. Seine leberartigen Blätter haben dazu beigetragen, dass nach der mittelalterlichen Signaturlehre (das Äußere einer Pflanze oder die Farbe schließt auf die Heilanwendung) bei Leberleiden dieses Pflänzchen einsetzbar ist.

In der getrockneten Pflanze fehlen zwar die scharfen und giftigen Reizstoffe, die den Hahnenfußgewächsen sonst eigen sind, aber es befinden sich noch Anemonin, Anthocyane, Flavonoide, Glykoside sowie Gerbstoffe.

Wenn Ihr mich bei meinen Kräuterführungen in die Zicker Berge begleiten wollt, werdet Ihr im April mit mir dieses wunderschöne Pflänzchen in der Natur bestaunen können und den Frühling mit anderen Augen sehen.


3. Die Bachbunge

Im Lebensraum Bach und in seinem Randbereich blüht ab Ende April bis in den Juli hinein die „Bachbunge“. Diese Pflanze gehört zu der Familie der Rachenblütler. Die Bachbunge wird im Volksmund auch Bachehrenpreis oder Pferdekresse genannt. Ihr wissenschaftlicher Name ist „Veronica beccabunga“.

Aussehen der Bachbunge

Die Pflanze wird 20 bis 60 cm hoch und besitzt eiförmig gesägte gegenständige Blätter, die recht fleischig wirken. Der Stängel ist aufrecht oder aufsteigend. Das Schönste an dieser Pflanze sind die hellblauen fast symmetrischen Blüten, die in einer lockeren, blattachselständigen Traube sitzen.

Verwendung der Bachbunge

Die Blätter und noch jungen Triebe vor und während der Blütezeit lassen sich zu Salaten und Kräutermischungen verwenden. Hierzu eignen sich in Kombination mit Bachbunge der Sauerampfer, Brunnenkresse und natürlich der noch junge Löwenzahn. Die Pflanze besitzt Bitterstoffe, wenig Aucubin und ist dadurch stoffwechselanregend und etwas entwässernd. Bachbunge ist ein wertvolles Frühlingskraut, um gesund in das Jahr zu starten. Der Geschmack der Blätter und Triebe ist etwas scharf und wenig bitter.

Gesunde Wirkstoffe der Bachbunge

Eigentlich können die jungen Blätter während der gesamten Vegetationszeit geerntet werden und können so unseren Speiseplan auf gesunde Weise unterstützen. Auch Hildegard von Bingen spricht über die Bachbunge in lobender Weise. Sie sagt: „Bachbunge hat eine warme Natur und wer daraus ein Mus kocht, unter Beigabe von Fett und Öl und isst sie so, der erleichtert seinen Bauch durch Abführen. Gegessen unterdrückt sie die Gicht“. Die Blätter und auch die Blüten wurden in der Volksheilkunde auch als guter Hustentee verwendet, aber auch um den Cholesterinspiegel zu senken.

Vorkommen der Bachbunge

Die Bachbunge gehört zu der Gattung der Ehrenpreispflanzen und eignet sich hervorragend für eine Bepflanzung von Bächen und kleinen Teichen.  Unseren Vorfahren galten Bäche, Quellen und kleine, wassergefüllte Teiche als magische Orte der Kraft und der Heilung und sie waren umschlungen und umgeben von heilbringenden Pflanzen und Naturgeistern. Auch die Bachbunge wurde als solche Pflanze mit ihren schönen blauen Blüten als etwas Reinigendes und Erhabenes angesehen. Wir sollten draußen in der Natur im Frühling Ausschau nach dieser Pflanze halten und uns erfreuen an noch intakten Bächen und Kleingewässern mit ihrer artenreichen Vegetation.


4. Dorniger Hauhechel

Auf besonders warmen und trockenen Stellen mit wenig Vegetation, aber auch auf sandigen Abgrabungsstellen können wir jetzt um den Mai herum eine unscheinbare Pflanze entdecken. Diese Pflanze, die Hauhechel genannt wird, gehört zu den Schmetterlingsblütengewächsen. Sie blüht bis in den September wunderschön und reichlich in einer zartrosa bis roten Färbung. Der Volksmund gab dieser Pflanze Namen wie „Dorniger Hauhechel“, „Harnkraut“, „Hechelkrieg“ aber auch „Weiberkrieg“ und „Ochsenbrech“.

Wirkung des Dornigen Hauhechels

Die Pflanze kann bis zu 60 cm hoch werden und besitzt eine kräftige tief reichende Pfahlwurzel und unter ihren Blättern Dornen. Reibt man an der Pflanze, so riecht sie nicht unangenehm. Die Pflanze besitzt Flavonoide, fettes Öl, ätherisches Öl, Zucker, Harz, Eiweiß und Zitronensäure. Da der Hauhechel reichlich ätherisches Öl besitzt, ist er seit dem Altertum als ein mildes harntreibendes Mittel bekannt.

Verwendung des Dornigen Hauhechels

Verwendet werden der Wurzelstock und das noch junge Kraut. Tee aus der Wurzel oder dem Kraut ist ein gutes Mittel bei allerlei Halsleiden. Das Gurgeln mit dem Tee bringt rasch Linderung. Ein Wurzelaufguss ist ein sehr gutes Mittel bei blutendem Zahnfleisch. Weiterhin wirkt der Tee blutreinigend sowie steinlösend. Wenn man die Wurzel mal anbricht und daran riecht erinnert der Geruch angenehm an Süßwurzel.

Die Bezeichnungen „Ochsenbrech“ oder „Kuhschweiß“ zeigen in die Vergangenheit. Da die Pflanze eine kräftige Pfahlwurzel besitzt, hat sie den Bauern früher das Eggen und Pflügen erschwert. Das Schönste an der Pflanze sind die meist hellrosa gefärbten Blüten. Für die Raupen des Hauhechelbläulings ist die Pflanze die Nahrungsgrundlage. Auch für Hummeln und Wildbienen ist an den Blüten des dornigen Hauhechels der „Tisch“ reichlich gedeckt. Übrigens sind die Blüten auch etwas eine wunderschöne Dekoration für Süßspeisen wie Eis oder Pudding aber auch für Salate mit Wildkräutern.

Der Dornige Hauhechel im Volksglauben

In manchen Gegenden Deutschlands wurde die Wurzel früher als Amulett getragen und sollte den Träger so vor Dieben und Räubern schützen. Man versprach sich zudem auch Hilfe gegen Hieb- und Stichwunden. Auch sollte das Tragen der Wurzel als Amulett daran erinnern, dass sich so manches Hindernis in den Weg stellt und überwunden werden muss. Die Wurzel galt hierfür als Kraftspender. Kraft sollte uns aber auch das neue Frühjahr geben und beim Betrachten der wunderhübschen Blüten des dornigen Hauhechels die Freude an der Natur erhalten bleiben.


5. Die Wiesenschlüsselblume

Die Wiesenschlüsselblume wurde für das Jahr 2016 von der Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres ernannt. Damit wird auch immer auf einen bedrohten Lebensraum aufmerksam gemacht. Die Schlüsselblumen gehören zu den Primelgewächsen und gerade die Bezeichnung „primula veris“ ist passend für ihren Charakter (aus dem Lateinischen übersetzt: Primus = der Erste, veris = der Frühling).

Sie ist eine Blume, die nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch für unsere Gesundheit einiges zu bieten hat. Schlüsselblumen stehen bei uns unter Naturschutz. Die Pflanze bietet heimischen Insekten die erste Nahrungsgrundlage.

Merkmale der Wiesenschlüsselblume

Man unterscheidet die echte, duftende Wiesenschlüsselblume und die hohe Schlüsselblume. Nur die echte, duftende Wiesenschlüsselblume hat einen starken süßlichen Geruch. Die Wiesenschlüsselblume kommt auf gut durchfeuchtetem Boden sowie im Halbschatten vor. Gesammelt werden vor allem die Blüten, wenn sie noch ganz frisch aufgegangen sind. Auch die jungen Blätter können wir nutzen. Sie haben einen leicht bitteren Geschmack und enthalten Vitamin C und Mineralsalze.

Verwendung der Wiesenschlüsselblume

Sie passen gut zu einem Kräutersalat. Die Blüten verwenden wir für Heiltees. Der Tee wirkt beruhigend auf Gemüt und Nerven. Dieser Tee sollte bei durch Verspannungen verursachten Kopfschmerzen angewandt werden. Auch bei einer Erkältung mit Schnupfen und Husten ist dieser Tee sehr hilfreich, denn er sorgt dafür, dass wir besser abhusten können und ist schweißtreibend. Außerdem ist der Tee blutreinigend, was insbesondere bei Gicht und Rheuma besonders hilfreich ist. Tee aus den Blüten fördert auch den Schlaf.

Die Wiesenschlüsselblume im Volksglauben

Im Volksmund hat die Schlüsselblume einen noch immer großen Platz eingenommen. Nennt man sie doch in vielen Gegenden „Apothekerblume“, „Arzneiprimel“, „Himmelsschlüssel“, „Frauenschlüssel“, „Eierkraut“ oder „Gichtblume“. In Bezug auf die Frauen ist die Schlüsselblume mit unserer altgermanischen Göttin Freya, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, in Verbindung gesetzt worden. In einigen Gegenden Deutschlands erzählt man sich, dass, wenn ein junges Mädchen schon in der Karwoche eine erblühte Schlüsselblume erblickte, es noch im selben Jahr heiraten würde.

Nutzt die ersten lauen Frühlingstage auf Rügen und lasst Euch von den gelben Blüten der Schlüsselblume verzaubern. Wenn die Schlüsselblumen wieder blühen, dann erstrahlt auch die Insel Rügen in den kräftigsten Frühlingsfarben.


6. Der Löwenzahn

Nach dieser wunderschönen „Blume“ braucht man überhaupt nicht lange zu suchen. Überall dort, wo der Mensch siedelt, finden wir diese Pflanze. Die Pflanze scheint selbst die Nähe des Menschen zu suchen.

Löwenzahn in der Küche

Die ersten frischen Löwenzahnblätter sollten immer Bestandteil unseres Speiseplanes im Frühjahr sein. In den ersten selbstgesammelten Wildkräutersalat geschnitten mit einem Spritzer Öl – einfach lecker und gesund. Die Blätter enthalten viele Vitamine sowie Gerb- und Bitterstoffe. Außerdem besitzt Löwenzahn Kieselsäure sowie Spurenelemente wie Magnesium, viel Kalzium und Eisen. Es sind aber die Bitterstoffe die galleflussfördernd, nierenanregend und leberstärkend wirken. Der gesamte Stoffwechsel wird ebenfalls angeregt und die Pflanze hat zudem eine antirheumatische Wirkung.

Eigenschaften des Löwenzahns

Der Löwenzahn gehört zu der Familie der Korbblütler. Er wird wissenschaftlich „Taraxacum officinalis“ genannt. Es soll aber alleine in Deutschland über 800 verschiedene Löwenzahnarten geben. Diese werden auch noch in Obergruppen aufgeteilt, wie zum Beispiel: Flecken-Löwenzähne, Sumpf-Löwenzähne oder Schwielen-Löwenzähne, um nur einige zu nennen. Im Volksmund hat der Löwenzahn so viele unterschiedliche Namen. Das erlebe ich jedes Mal wenn ich bei meinen Kräuterführungen unterwegs bin. So sagen wir in Norddeutschland „Butterblume“ oder „Pusteblume“ zum Löwenzahn aber auch „Kuhblume“ wird sie hier im Norden genannt. In anderen Regionen nennt man die Pflanze „Saublume“, „Ankeblume“, „Augenblume“, „Pfaffenölrein“ oder auch „Eierblume“ und „Laternenblume“.

Löwenzahn als vermeintliches Unkraut

Für manchen Zeitgenossen ist der Löwenzahn in seinem Garten aber ein „Unkraut“. Ein Begriff, den Ihr bei meinen Führungen nie hören werdet. Wenn aber der Gartenfreund mit seinem “Kübelgartenverständnis“ wüsste, was dort für eine mächtige Pflanze mit so tollen Eigenschaften in seinem Garten gedeiht, würde er sie stehen lassen und nutzen. Für Kinder gehört blühender Löwenzahn zu den ersten Pflanzen, die sie bewundern. Von dem sprachlich so hoch begabten Humoristen Heinz Erhardt stammt ein kleiner Spruch: „Löwenzahn ist schon seit jeher als höchst kriegerisch verschrien, denn er lässt bei gutem Winde Fallschirmtruppen feindwärts ziehn. Und ich sitz auf der Veranda und verzehre meine Suppe und entdecke in derselben zwei Versprengte dieser Truppe“.


7. Der Giersch

Im Juni bis Juli blüht der Giersch mit kleinen weißen Blüten in flacher zusammengesetzter Dolde. Giersch ist ein wunderschönes Doldengewächs und sucht immer die Nähe zu uns Menschen. Uns sollten im Frühjahr, etwa ab März, die kleinen Blättchen interessieren.

Eigenschaften des Gierschs

Diese noch zarten, nicht voll entfaltenden Blättchen riechen und schmecken beim Zerreiben zwischen den Fingern scharf würzig und aromatisch und erinnern an Petersilie. Giersch enthält ätherisches Öl sowie Bitterstoffe, Vitamin C und viel Eiweiß. Diese Inhaltsstoffe wirken appetitanregend, schwach blutreinigend, harntreibend und verdauungsfördernd. Giersch ist somit auch ein wertvolles Kräutlein für einen gesunden Start ins neue Jahr. Die für uns so wertvollen jungen Blätter können wir während des ganzen Jahres überall dort ernten, wo regelmäßig abgemäht wird. Giersch treibt nämlich immer wieder bis in den Herbst hinein aus.

Verwendung des Gierschs

Wie alle Wildgemüse, und das ist Giersch im wahrsten Sinne des Wortes, ist er am Morgen geerntet am Frischesten. Auch lässt er sich ein bis zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren. Auch bei Giersch ist der Kochkunst keine Grenzen gesetzt. Als Beilage an Kräuterbutter, Kräuterquark oder an Suppen verleiht Giersch sein herrliches Aroma. Auch kann er Verwendung zu Fleisch und Gemüsegereichten finden. In der Volksheilkunde wird Giersch bei Gicht, Rheuma und Ischias Beschwerden äußerlich angewandt. Die frischen Blätter werden zerstampft oder zerquetscht, erwärmt und mit einem Tuch auf die betroffene Stelle gelegt. Diese Anwendungen und die Verwendungen in der Küche sollten einem doch dieses meist als „unnützes Unkraut“ betrachtete Pflänzchen in einem neuen Licht erscheinen lassen.


8. Der Fieberklee

Was für eine herrlich aussehende Pflanze ist doch dieser sogenannte Fieberklee. Im Volksmund wird er auch „Bitterklee“, „Magenklee“ oder auch „Wasserklee“ genannt. Botanisch gehört der Fieberklee zu den Fieberkleegewächsen und heiß wissenschaftlich „Menyanthes trifoliata“.

Geschützte Pflanze Fieberklee

In Deutschland ist diese Pflanze gesetzlich streng geschützt und in Mecklenburg-Vorpommern steht die Pflanze auf der Liste der gefährdeten Pflanzen. Sie kommt auf Moorböden vor und an Uferzonen von stillen Moorgewässern, die auch sehr selten geworden und auch bei uns auf Rügen gesetzlich geschützte Biotope sind. Die Pflanze fällt jedem Naturfreund sofort mit ihren schneeweiß gefransten Blüten auf, die noch einen Hauch von rosa besitzen. Die Blätter hingegen sehen aus wie überdimensionale Kleeblätter, daher auch der Volksname. Die Blütezeit reicht von Ende April bis höchstens Anfang Juni. Diese wunderbaren Blüten ziehen auch magisch immer viele Insekten an.

Wirkung des Fieberklees

Nach neuen Untersuchungen wirken die Inhaltsstoffe des Fieberklees leider nicht fiebersenkend. Aber durch Bitterstoffe, Gerbstoffe, Eisen, Kalium und Vitamin C fördert die Pflanze die Verdauung, wirkt zugleich appetitanregend, schweiß- sowie harntreibend. Als der Fieberklee noch häufiger vorkam, sammelte man nur die Blätter nach der Blüte im Sommer. Die Stängel der Blätter sind hohl und dienen der Pflanze zum Durchlüften. Ein Gehalt von fast 7 Prozent an Gerbstoffen sorgt dafür, dass diese Pflanze, die immer im Wasser steht, nicht faulen kann. Auch nicht beim Trocknen.

Fieberklee in der Volksheilkunde

In der Volksheilkunde wendete man den Fieberklee in Form von Teeaufgüssen an bei Gicht, Harnsäureleiden, Erkältungen und Leberleiden. In skandinavischen Ländern wurde auch die Wurzel verwendet. Die getrocknete Wurzel wurde gemahlen und dem Mehl zusetzt, das zu Brot verarbeitet wurde. Fieberkleewurzel war auch häufig ein Bestandteil von Bitterschnäpsen und Likören.

Für mich ist diese wundersame Pflanze eine Wonne beim Betrachten in der Natur und ein tolles Fotomotiv. Sie zeigt noch gut intakte Feuchtökosysteme an, die unbedingt erhalten werden müssen.


9. Die Schafgarbe

Seit jeher ist die Schafgarbe eine bekannte und geschätzte Heilpflanze. Seit dem Mittelalter wird sie als die „Augenbraue der Venus“ bezeichnet, was auf ihre Wirkung und Heilung bei Frauenleiden zurückzuführen ist.

Wirkung der Schafgarbe

Die Schafgarbe gehört zur Familie der Korbblütengewächse. Zu finden ist diese Pflanze überall dort, wo die Wiesen noch Wiesen sein dürfen und die Böden nicht überdüngt sind. Gerade das macht dieses Wildkraut zu einer besonderen Pflanze in der Naturheilkunde. Die Scharfgarbe besitzt eine Kombination aus ätherischen Ölen, Bitter- und Gerbstoffen. Schon im Frühling fallen die zarten Blattwedel auf Trockenwiesen und selbst an Wegrändern auf. Die zarten Blättchen der noch jungen Pflanze sollte man als Würzkraut alleine oder mit anderen Wildkräutern dieser Jahreszeit, in Kräuterbutter, Quark sowie Suppen und Salaten verwenden.

Küchentipp Schafgarbe

Mein besonderer Tipp wäre Rührei mit Schafgarbe, die vorher etwas zum Kochen gebracht wird. Die zarten Blättchen kann man aber auch roh und frisch auf dem Butterbrot verzehren. Die jungen Blättchen lassen sich das ganze Jahr auf regelmäßig gemähtem Rasen finden.

Eigenschaften der Schafgarbe

Schafgarbe blüht weiß bis zart rosa und zieht bis in den Spätsommer unzählige Insekten an, besonders den farbenprächtigen Kleinen Feuerfalter. Das blühende Kraut sollte man mit einer Schere schneiden, ansonsten würde man die Wurzel mit herausreißen! Gebundene kleine Sträuße werden schattig getrocknet. Nach dem Trocknen werden die Blätter und Blüten abgestreift und als Tee verwendet. Die Schafgarbe hat eine stoffwechselanregende, entzündungshemmende und krampflösende Wirkung. Sie ist Bestandteil in Frauentees, vor allem bei Unterleibsbeschwerden. Wer viele Medikamente zu sich nehmen muss, sollte diesen Tee trinken. Er wirkt sich positiv auf Magen und Darm aus. Äußerlich wird die Schafgarbe als Umschlag bei Wunden angewendet. Unseren Vorfahren war die Schargabe der nordischen Göttin Freya geweiht, die Göttin der Liebe, des Glücks und der Gesundheit. Nutzen wir auch heute noch dieses herrlich weiß und rosa blühende Pflänzchen unsere Heimat.


Kräuterwanderungen auf Rügen mit René Geyer

Erkundet bei Kräuterführungen im Biosphärenreservat Südost Rügen mehr von dieser einzigartigen Pflanzenwelt. Der bekannte Natur- und Erlebnisführer zeigt Euch die schönsten Exemplare in freier Natur. Neben den Ausflügen in die Flora entführt Geyer zu Sagenwanderungen und archäologischen Touren. Entdeckt auch mehr über gesunde Winterkräuter, Sommerkräuter und Herbstkräuter.

René Geyer
E-Mail: info@naturgeyer.de
Telefon: 0173 9898031
Website

Gastautor

René Geyer

René Geyer kennt die Inselnatur ganz genau. Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanzen sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Führungen findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und unter www.naturgeyer.de

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.