9 Herbstboten, die Euch Kraft schenken

Herbst ist es geworden, die Tage werden merklich kühler und kürzer. Bevor der Winter einkehrt, zieht es uns nun besonders häufig in die frische Inselnatur, in der es noch so viel Buntes zu entdecken gibt. Wir waren auf der Suche nach Wildkräutern, die Euch fit für die kalte Jahreszeit machen.


1. Der Weißdorn

Herbstboten Rene Geyer Weissdorn inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Noch im Frühjahr, so Ende Mai / Anfang Juni blühte dieser zu den Rosengewächsen gehörende Strauch mit zart weißen Blüten, die fast einen animalischen Geruch verströmten. Jetzt um diese Jahreszeit trägt dieser kleine Strauch, der auch mal ein kleines Bäumchen werden kann, seine roten Früchte. Mutter Natur gibt noch einmal in Form von Farben und Früchten alles in Hülle und Fülle.

Der Weißdorn in der Volksheilkunde

Die Früchte vom Weißdorn werden im Volksmund Mehlbeeren genannt. Der ganze Strauch dagegen Hagedorn, Heckendorn oder auch Zaundorn. Seit uralter Zeit galt Weißdorn als eine magische Pflanze, die das Haus vor bösen Geistern, Dämonen und bösem Zauber schützen sollte. Die Gehöfte wurden, als es noch keine Zäune wie heute gab, mit Weißdornhecken umfriedet und schützten so das Haus vor Wild und ungebetenen Gästen. Gäste in den Hecken waren hingegen unsere heimischen Vögel, die im Schutze des bedornten Gezweiges ihre Nester bauen und ihre Jungen aufziehen konnten. In der Volksheilkunde nimmt der Weißdorn eine besondere Rolle in der Anwendung bei Herzproblemen ein. Tee aus den Blüten und den Blättern wirkt herzstärkend, nervenstärkend, durchblutungsfördernd, kreislaufstärkend und blutdruckausgleichend sowohl bei hohem wie auch bei niedrigem Blutdruck. Ein Sprüchlein besagt „Der Weißdorn mit seinen Blüten und Beeren, kann Deinem Herzen viel Kraft bescheren“, oder auch „Der Weißdorn, das weiß jedes Kind, stärkt Herz und Nerven ganz geschwind“.

Inhaltsstoffe und Verwendung

Inhaltstoffe sind unter anderem Flavonoide, Kalium, Kalzium, Phosphor, ätherisches Öl, und Bitterstoffe. Auch in der Küche lässt sich der Weißdorn verwenden. Einen frischen Kräutersalat aus den ersten zarten Frühjahrs-Wildkräutern kann man mit den ersten, noch vor der Blüte des Weißdornes austreibenden Blättern verfeinern. Junge Weißdornblätter haben einen leicht nussigen Geschmack. Die zarten Blütenknospen vom Weißdorn kann man dann im Salat genießen, indem man sie einfach drüberstreut. Auch passen sie zum Kartoffelsalat in einer leichten Essig-Oil-Soße und darüber viel wilder Schnittlauch. Ein wahrer Fitmacher im Frühjahr.

Rezept Weißdornschnaps

Jetzt im Herbst können die Früchte in klarem Schnaps ansetzet werden. Dazu wird ein Gefäß – egal wie groß – etwa zu einem Drittel mit den Weißdornfrüchten gefüllt, dazu etwas getrocknete Melisse oder Pfefferminze (ca. 2 Teelöffel). Das Gefäß wird mit klarem Schnaps (ca. 38 bis 40 %iger Korn) aufgefüllt. Nun kommt – je nachdem wie süß man es mag – brauner Kandiszucker dazu. Diese Mischung lässt man dann in einer dunklen Flasche ein paar Wochen stehen. Anschließend wird abgegossen, die Früchte und die Kräuter abgesiebt und die Flüssigkeit in dunkle Falschen gefüllt. Dieser „Likör“ passt dann sehr gut in die Vorweihnachtszeit hinein.


2. Die Brennnessel

Herbstboten Rene Geyer Brennnessel inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Nahezu das Beste unter den „Unkräutern“. Sie wächst eigentlich überall, da heißt es nicht lange suchen. Schon im zeitigen Frühjahr können wir sie sammeln. Von März bis Mai sollte man die jungen immer wieder nachwachsenden Triebe bei trockenem Wetter – und dann vormittags – sammeln. Es darf ruhig etwas brennen an den Händen! Sollte sich dann die Haut etwas röten, kann man mit kleingeriebenem Spitzwegerich Linderung verschaffen, indem man die Hautstelle damit einreibt. Heimisch ist bei uns die große und kleine Brennnessel.

Die Brennnessel als Küchenkraut

Brennnessel sollte man als Tee nutzen, um den Körper zu entschlacken. Man kann sie trocknen oder noch besser frisch verwenden. Setzt man sie zusammen mit anderen Kräutern kleingehackt einer Fleischbrühe oder der Kräuterbutter zu, nehmen wir zahlreiche Mineralien und Spurenelemente auf. Die Brennnessel hat eine beachtliche Zahl an Inhaltstoffen wie: Kieselsäure, Gerbstoffe, Histamin, Magnesium, Eisen, Kalium und vor allen Dingen viel Vitamin B, um nur einige der Inhaltsstoffe zu nennen. Sie hilft bei Durchfall, Blähungen, ist blutzuckersenkend und entschlackt.

Erntezeit der Brennnessel

Wie der Name schon sagt, gehört sie zu den Nesselgewächsen. Und grundsätzlich könnte man diese Pflanze das ganze Jahr ernten. Die immer frisch abgezwickten jungen Triebe lassen sich bis in den Spätherbst verwenden. Man erkennt schon an der Wuchsfreudigkeit dieser Pflanze, was sie doch für ein außerordentliches Kraftpaket ist. Kostenlos am Wegesrand oder am Haus! Jetzt im Herbst sollte man die Früchte ernten, die die Pflanze bildet. Brennnessel bildet ausschließlich männliche oder weibliche Pflanzen. Erkennbar oder besser gesagt unterscheidbar sind die Früchte der weiblichen Pflanze gegenüber der männliche auf folgende Weise: die männlichen sagen wir mal Früchte sind hellgrün und haben eine kugelige Form, dagegen sehen die weiblichen Früchte aus wie kleine Taler oder Linsen. Beide kann man ab etwa Mitte September bis in den Oktober hinein ernten. Die weiblichen Früchte – ob getrocknet oder frisch – sollte man auf das Butterbrot, den Quark oder auf das Müsli streuen. Auch in diesen kleinen unscheinbaren Früchten steckt eine unwahrscheinliche Kraft.

Bei unseren Vorfahren war die Brennnessel dem Donar geweiht, dem Gott der Fruchtbarkeit und der Bauern. Sie begleitet den Menschen auch in seinen Siedlungen und kann dem Nutzer Kraft und Stärke verleihen. Machen wir es ruhig wie unsere Vorfahren und nutzen auch mal dieses unausrottbare „Kraut“.


3. Die Nachtkerze

Herbstboten Rene Geyer Nachtkerze inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Die meisten Blumen und Pflanzen des Sommers sind verblüht und farbenfrohe Blüten sind nur noch selten zu finden. Eine Pflanze aber, die schon im Juni blühte, treibt in milden und sonnigen Oktobertagen ihre wunderhübschen Blüten erneut aus: die Nachtkerze. Die Nachtkerze – wissenschaftlich Oenothera biennis – stammt aus der „neuen Welt“. Ihre Heimat ist das östliche Waldland Nordamerikas bis hinunter nach Mexiko. Erst im Jahre 1612 wurde sie im Botanischen Garten zu Padua erstmals im alten Europa angepflanzt. Schon damals mussten sowohl Botaniker als auch Pflanzenliebhaber diese Pflanze bewundert haben, öffnet sie doch etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang ihre duftenden großen Blüten. Diese Blüten haben einen vanilleartigen Geruch und in wenigen Minuten entfalten sich aus einer Knospe die großen gelben Blütenblätter. Es dauert auch nicht lange, dann fliegen vom Duft angelockt Nachtfalter auf diese Blüten und umschwirren sie – was für eine abendliche Theatervorstellung der Natur!

Aussehen und Vorkommen der Nachtkerze

Die Nachtkerze gehört zur Familie der Nachtkerzengewächse und wird im Volksmund Gelbe Rapunzel, Schinkenwurzel aber auch neuerdings Eisenbahnerlaterne genannt. Sie wächst auf Lehmboden und benötigt Sonne bis Halbschatten. Die Hauptblütezeit beginnt im Juni und geht bis in den August. Jedoch kann man sie auch im Herbst an sonnigen Plätzen blühen sehen. Die Pflanze ist zweijährig, d.h. in dem ersten Jahr kommen nur die Blätter als Blattrosette hervor und im darauffolgenden Jahr blüht sie mit ihren großen Blüten.

Die Inhaltsstoffe der Pflanze sind Eiweiß, ungesättigte Fettsäuren, Linolsäure und Ölsäure. Die Nachtkerze wurzelt sehr tief in Tiefen von bis zu 1 Meter. Die Wurzeln kann man als gutes Gemüse im ersten Jahr verwenden. Sie läuft beim Kochen rötlich an. Im Herbst gegraben hat man sie in den ländlichen Gegenden Deutschlands gern gegessen.

Wirkung der Heilpflanze

Man sagte der Nachtkerzenwurzel nach, sie solle die Kraft von „zwei Zentnern Ochsenfleisch“ besitzen. Der medizinisch wirksamste Teil der Pflanze ist aber der Samen. Das aus ihm gewonnene Öl hilft sehr gut bei Neurodermitis. Nachtkerzenöl gibt es in der Apotheke, denn selber könnte man dieses Öl nicht herstellen. Die jungen Blätter im Frühjahr lassen sich sehr gut zu einem schmackhaften Salat mit anderen Wildkräutern kombinieren. Die Blüten können wir einfach so essen oder damit Salate, Suppen oder süße Speisen dekorieren. Ihr werdet erstaunt sein über das herrliche Aroma der lieblich duftenden Blüten.


4. Die Öl-Rauke

Herbstboten Rene Geyer WegeRauke inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Im Herbst auf der Insel Rügen verschenkt Mutter Natur noch mal mit ganzer Kraft ihre Farbenvielfalt. Sind wir mit offenen Augen und offenem Herzen in der Natur unterwegs, können wir auch noch Blüten sehen. Unter Bäumen, am Wegesrand und auf Gartenböden ist im Halbschatten die sogenannte Öl-Rauke zu finden. Diese Pflanze gehört zu den Kreuzblütengewächsen, ist einjährig und wird bis zu 50 cm hoch. Jetzt im Herbst können wir sie im Siedlungsbereich der Dörfer, aber auch auf den Rändern der abgeernteten Felder finden. Sie blüht noch fleißig mit zart-gelben, kleinen Blüten – manchmal sogar bis Ende Oktober/Anfang November.

Vorkommen und Inhaltsstoffe der Öl-Rauke

Diese Raukenart ist verbreitet vom Mittelmeerraum bis nach Afghanistan. Menschliche Tätigkeiten und Saatguttransporte brachten Sie zu uns. Wir können diese Pflanze vom Frühling bis in den Herbst hinein nutzen. Es werden fast nur ihre Blätter verwendet. Sie sind geschmackvoll und passen zu jedem Kräutersalat, aber auch zu Quark und Soßen. Sie verleihen diesen dann eine leicht senfartige Note. Die Blätter besitzen nämlich reichlich Senfölglykoside, daneben auch die Vitamine C und A.

Eigenschaften der Öl-Rauke

Durch diese Inhaltsstoffe wirkt die Pflanze antirheumatisch, durchblutungsfördernd aber auch stoffwechsel- und verdauungsanregend. Diese Eigenschaften machen die Öl-Rauke zu einem tollen Küchenkraut. Der Geschmack erinnert an Kresse. Etwas Besonderes sind Nudeln mit Öl-Raukenblätter oder Eierspeisen verfeinert mit den kleingehackten Blättern. Die Blätter haben eine blutreinigende Wirkung und sind obendrein auch ein stimulierendes Mittel! Die Blätter mit anderen Kräutern kleingehackt in Öl werden als Pesto jedem Grillabend eine besondere Note geben.

Übrigens, die Blüten könnten wir natürlich auch essen, aber Ihr müsst schon reichlich sammeln, damit sie auch auf den Suppentellern gut zu sehen sind. Denn diese Blüten sind unscheinbar und klein. Gerade in dem Unscheinbaren liegt aber viel Kraft und Stärke. Gehen wir also raus in die Natur und lassen das Einfache weder auf unsere Seelen wirken in dieser lauten, hektischen, reizüberfluteten Zeit und kommen im Herbst zu unserer inneren Ruhe.


5. Die echte Goldrute

Herbstboten Rene Geyer Goldrute inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Wenn in den letzten warmen Spätsommertagen in den noch lauen Winden Schmetterlinge wie der Admiral oder das Pfaunauge über die Wiesen flattern, lassen sie sich meistens auf der Goldrute nieder. Sie ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kräuterzeit nun dem Ende zugeht. Eigentlich ist sie mit fast jedem sonnigen Standort zufrieden, wie zum Beispiel brachliegende Waldlichtungen, Waldränder oder Wiesen. Die echte Goldrute gehört zu den Korbblütlern, ist mehrjährig und erreicht eine Höhe von 40 bis 100 cm. Sie besitzt einen aufrechten Stängel, die Blätter sind ellipsenförmig. Goldrute blüht von August bis in den Oktober mit an den Spitzen der Pflanze sitzenden, gelben, rispenartigen Blüten. Der Volksmund gab ihr Namen wie Himmelbrand, Goldene Jungfrau, Wundkraut oder St. Peterskraut.

Medizinische Anwendung der Goldrute

Gesammelt wird das obere blühende Kraut – und wie bei allen Kräutern, bei möglichst sonnig trockenem Wetter. Die Pflanzenteile müssen sorgfältig kleingeschnitten und anschließend gut und schnell im Schatten getrocknet werden. Die Goldrute wirkt dank ihrer Inhaltsstoffe wassertreibend, schleimlösend, wundheilend, anregend, aber auch stopfend und entzündungshemmend. Inhaltsstoffe sind Gerbsäure, Bitterstoffe, ätherisches Öl, Saponine und Natrium. Goldrutentee eignet sich hervorragend als reiner Blasen- und Nierentee und wird heute noch erfolgreich verwendet. Ebenso eignet er sich auch besonders zur Blutreinigung und zum Ausschwemmen von Giftstoffen aus den Harnwegen. So hilft Goldrutentee während einer Fastenzeit, die angesammelten Giftstoffe möglichst schnell aus dem Körper abzutransportieren. Ein Aufguss der Goldrute zum Gurgeln, so beschreibt schon Hildegard von Bingen, ist sehr hilfreich bei Entzündungen des Rachenraumes. Wer eiternde oder schlecht heilende Wunden hat, erfuhr durch das Auflegen mit frischer Goldrute eine rasche Linderung.

Goldrute als natürliche Haarspülung

Frauen mit goldenem Haar sollten eine Haarspülung machen. Nach dem eigentlichen Haarewaschen und -spülen wird eine Handvoll frische Goldrutenblüten mit ½ Liter kochendem Wasser überbrüht. Dann 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und das Haar damit tränken. Der Aufguss soll nicht ausgewaschen werden, sondern im Haar verbleiben. Diese Spülung verleiht dem goldenen Haar strahlenden Glanz und vertieft die Farbe. Auch im Sommerblumenstrauß macht sich Goldrute gut. Da sich die schönen gelben Blüten auch getrocknet erhalten, eignet sie sich ebenfalls für Trockensträuße in der dunklen Jahreszeit. Halten wir also Ausschau nach dem letzten Sommerkräutlein.


6. Das Schöllkraut

Herbstboten Rene Geyer Schoellkraut inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Gerade an Wegesrändern, an Mauern der Siedlungen und am Haus blüht im schattigen Bereich noch leuchtend gelb in der Oktoberzeit, das zu den Mohngewächsen gehörende Schöllkraut. Schellkraut, Goldwurz, Warzenkraut aber auch Augenwurz und Schmikwurz wurde es im Volksmund genannt. Die Hauptblütezeit dieses Kräutleins ist von Mai bis Ende September, aber zuweilen auch noch bis in den späten Herbst hinein. Anhand der Volksnamen kann man erkennen, wofür oder auch wo gegen dieses Kraut genutzt wurde.

Aussehen und Verwendung des Schöllkrauts

Schöllkraut hat, wenn man die Blätter oder den Stängel bricht, einen extrem gallebitteren, gelben bis fast orangefarbenen Saft. Die Pflanze wird 30-70 cm hoch und besitzt einen hohlen, verästelten Stängel, der – wie die Blätter – leicht behaart ist. Frisch zerdrückte Blätter riechen unangenehm scharf. Im getrockneten Zustand sind die Blätter fast geruchlos, aber im Geschmack bitter und sehr scharf. Inhaltsstoffe sind etwa 20 Alkaloide, Coptisin, Berberin und Bitterstoffe. Schöllkraut wirkt harntreibend, abführend, schmerzstillend, reizend sowie augenstärkend. Es sollte aber unbedingt beachtet werden: Die Pflanze wirkt in größeren Mengen giftig und das besonders in der Wurzel, die einen wesentlich größeren Alkaloidgehalt hat. Der frische Milchsaft der Pflanze kann bei empfindlichen Personen Allergien und Entzündungen hervorrufen. Ansonsten wird das ganze Kraut frisch oder getrocknet verwendet.

Schöllkraut für Körper und Seele

Ein Tee oder Aufguss vom getrockneten Kraut hilft bei Leber- und Galleleiden, Koliken und Krämpfen aller Unterleibsorganen. Auch ein Tee vom frischen Kraut. Nehmt dazu etwa 1 Tasse des kleingeschnittenen Krautes auf 2 Liter heißes Wasser, lasst diese Mischung 3 Minuten ziehen und seiht sie ab. Dieser Sud eignet sich gut bei hartnäckiger Schuppenflechte, bei Kopfgrind, Ekzemen und anderen Hauterkrankungen. Die wohl bekannteste Anwendung vom Schöllkraut ist das regelmäßige Aufbringen des gelben Saftes der Pflanze aus den Stängeln oder Wurzeln auf Warzen. Mehrmals täglich sollte die Warze mit dem Saft betupft werden, woraufhin die Warze dann eintrocknet. Das funktioniert immer.

Früher wurde Schöllkraut auch in der Küche verwendet. Der Schöllkrautsaft färbte nämlich Speisen orange und dafür wurden kleine Blättchen der Pflanze früher in Eierspeisen eingebacken, um eine wunderschöne gelbe Farbe zu erzielen. Kleine, ganz zarte Blättchen kann man ohne weiteres roh essen. Gerade in der Herbstzeit sollten wir immer noch viel in der Natur draußen sein und uns mal umschauen an den Wegen und alten Hauswänden, ob wir nicht dieses tolle Kraut wiederentdecken können.


7. Die Wilde Möhre

Herbstboten Rene Geyer Wilde Moehre inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Dieses, zu den Doldengewächsen zählende Kraut, ist die Wildform unserer Karotte. Es ist ja bekanntlich nicht immer so leicht, die Doldengewächse zu unterscheiden, sehen sie sich doch auf den ersten Blick sehr ähnlich. Doch bei der wilden Möhre gibt es in Bezug auf die Blüten ein besonderes Merkmal: In der Blütendoldenmitte sitzt ein einziger schwarzer Punkt, wie ein Insekt.

Blüte- und Erntezeit der Wilden Möhren

Die Blütezeit der Pflanze ist der Juli, aber sie blüht auch bis in den September hinein. Später, wenn die Dolde verblüht ist, ähnelt die Dolde einem Vogelnest, das – wie manche finden – aus Hunderten kleinen Krabbelkäfern gebildet wird. Reibt man nun an den Blättern im unteren Bereich der Pflanze, an der Blüte oder an den Früchten, die das vogelartige Nest bilden, wird man die wilde Möhre an dem möhrenartigen Geruch erkennen. Die wilde Möhre ist bei uns häufig auf Wiesen anzutreffen, dort wo Wiesen noch Wiesen sein dürfen. Aber auch an Böschungen und Wegrändern findet man diese wunderschöne Pflanze. Im Frühling sollten wir auf den Wiesen nach den noch jungen, zarten Blattwedeln Ausschau halten, die, wenn wir sie zwischen den Fingern reiben, auf alle Fälle nach Möhre schnuppern sollten. Diese Blättchen geben Suppen, Salaten und Soßen einen guten Geschmack. Selbst getrocknet kann man sie als Würze verwenden. Später im Jahr, im Oktober, können wir die Wurzel graben, das ist bei der zweijährigen Pflanze schon im Mai möglich. Die Wurzel könnten wir genauso verwenden wie die Gemüsekarotte. Sie schmeckt jedoch etwas herb und lässt sich schwerer verarbeiten. Die Samen werden im Oktober im Halbschatten getrocknet und dunkel und trocken gelagert. Früher wurden die getrocknete Wurzel und die Samen als Tee bereitet, um über die vitaminarme Zeit hinwegzuhelfen. Inhaltsstoffe der wilden Möhre sind Zucker, viel Vitamine B, C und A, ätherisches Öl und Mineralstoffe. Dieses Kraut wirkt außerdem stoffwechselanregend, harntreibend sowie entzündungshemmend, aber auch appetitanregend. 

Die wilde Möhre in der Volksheilkunde

Selbst äußerliche Anwendungen werden aus der Volksheilkunde berichtet. So soll das zerriebene frische Kraut mit Honig vermischt zur Wundbehandlung und bei leichtem Sonnenbrand Anwendung finden. Auch die zerriebene frische Wurzel wird auf entzündete Hautstellen, leichtem Sonnenbrand oder anderen Verbrennungen aufgetragen. Da die Wurzel aber nicht immer schön sauber zu bekommen ist, sollte zwischen Haut und Wurzelbrei immer ein dünnes Mulltuch gelegt werden. Wurzelbrei und der zu Saft gepresste Krautteil wurden auch bei offenen Beinen angewendet. Wenn im Sommer die weißen Doldenblüten der wilden Möhre sich im lauen Wind hin und her bewegen, dann sollten wir uns erfreuen an der Blütenpracht einer Wiese, die noch Wiese sein darf. Ein Erlebnis, das in unserer Zeit leider doch so selten geworden ist.


8. Meerrettich

Herbstboten Rene Geyer Meerrettich inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Gerade im Herbst erntet man die bekannte, sehr scharfe Wurzel dieses Krautes, das zu den Kreuzblütlern gehört. Meerrettich ist ein „Kulturflüchtling“, der eigentlich aus Südosteuropa und aus Südrussland zu uns eingewandert ist. Diese Pflanze benötigt nährstoffreichen Boden und viel Sonne. Volksmundliche Namen sind Kren, Bauernsenf, Rachenputzer oder Scharfwurz.

Vorkommen der Wildpflanze

Meerrettich wächst manchmal wild an unseren Wegrändern oder auch auf Schuttplätzen. Zudem war er immer in den Bauerngärten anzutreffen. Diese Pflanze ist mit dem Radieschen verwandt. Die Blütezeit dieser stattlichen Pflanze mit den hellgrünen, lanzettförmigen Blättern ist von Juni bis in den August hinein. Herrlich weiße Blüten sitzen in einer schönen Blütentraube zusammen. Die Blüten kann man als wohlschmeckende Dekoration auf Suppen und auf dem Butterbrot verteilen. Und schon sind wir bei der eigentlichen Anwendung dieser Kulturpflanze, die auch zur Wildpflanze werden kann. Beim Meerrettich wird hauptsächlich die Wurzel verwendet, die im Herbst oder sogar im Spätherbst gegraben wird. Wer eine Wurzel gräbt und diese dann anbricht und daran riecht, dem wird gleich der brennend scharfe Geruch auffallen, die innen weiß ist.

Inhaltsstoffe des Krautes

Meerrettich besitzt außerordentlich vieles scharfes, ätherisches Öl, Senföle, sehr viel Vitamin C und Aminosäuren. Diesen Inhaltsstoffen hat es der Meerrettich zu verdanken, dass er verdauungsfördernd, schleimlösend, stoffwechselanregend, blähungswidrig und durchblutungsfördernd wirkt. Meerrettich senkt übrigens sehr gut einen zu hohen Cholesterinspiegel im Blut. An Suppen, Fleisch- und Fischgerichten, Quark oder Butter passt immer die fein geriebene Wurzel des Meerrettichs. Was die wenigsten aber wissen ist, dass man im Frühling die noch zarten jungen hellgrünen Blättchen des Meerrettichs kleingeschnitten ebenfalls an Fleischgerichte oder an die Kräuterbutter geben kann. Dadurch können wir schon im Frühjahr etwas für unsere Gesundheit tun und reinigen unseren Darm und das Blut am Anfang des Jahres. Später werden die großen Sommerblätter zu hart und unbekömmlich. Die Wurzel, die am meisten genutzt wird, kann man nachdem sie gegraben wurde, dunkel mit Sand bedeckt im frostfreien Keller lagern.

Gerade in der dunkleren Jahreszeit um die Vorweihnachtszeit passt Meerrettich besonders gut zu fettem Essen und macht es etwas bekömmlicher.


9. Der Dost

Herbstboten Rene Geyer Gemeiner Dost inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Der Dost betört den Kräutersammler immer wieder durch seinen angenehmen Duft. Alle Pflanzenteile haben als Inhaltsstoffe ätherisches Öl. Dost wird auch „wilder Majoran“ genannt. Er gehört zu den Lippenblütengewächsen. An Wegreinen, an Waldrändern und auf trockenen Wiesen ist er zu Hause, dann kommt er in größeren Mengen vor. Dost hat von Juli bis September seine Blütezeit. Die zart rosaroten Lippenblüten an einer rispigen Trugdolde, sehen nicht nur für den Betrachter schön aus, sie sind auch immer von Insekten – insbesondere zahlreichen bunten Schmetterlingen wie der Kleine Feuerfalter auf dem Foto– umschwärmt. Geerntet wird der Dost straußweise mit langen Stängeln, an denen die Blüten und Blätter Verwendung als Gewürz aber auch als Hustentee finden.

Eigenschaften und Anwendung der alten Heilpflanze

Die heilenden Eigenschaften beruhen auf dem stimulierenden Einfluss auf das Nervensystem und seinen schmerzstillenden Substanzen. Dost wirkt schweiß- und harntreibend, magenwirksam und krampflösend. Der Tee von Dost wirkt appetitanregend, fördert die Verdauung und lindert Heiserkeit. In der Küche wird der Dost als Würzkraut genutzt. Er passt hervorragend getrocknet oder frisch zu Fleisch-, Tomaten-, Nudelgerichte, Pizzen und Aufläufe. Empfehlenswert wäre auch die Verwendung in Suppen und Kräuterquarks. Grundsätzlich wird der Dost mit der Schere geschnitten, da man sonst beim Handpflücken die Wurzel mit herausreißen würde. Die so geernteten Pflanzen werden über Kopf getrocknet und nach dem Trocknen die Blätter und Blüten von den Stängeln abgerebelt und gesondert gelagert. Die Stängel der Dostpflanzen sind besonders in der Grillzeit ein Geheimtipp. Man kann nun auf die kahlen, harten Stängel kleine Fleischstückchen aufspießen. Auf dem Grill oder in der Pfanne geben die Ständel ihr Aroma an das Fleisch ab! Die ätherischen Öle in der Pflanze eignen sich hervorragend in der Hausmedizin. Dost als Teeaufguss ist besonders bei Appetitmangel sowie krampfhaften Magen- und Darmstörungen zu empfehlen. Auch bei Reizhusten oder Entzündungen der oberen Atmungsorgane wurde Dost in früheren Zeiten angewandt.

Ihr interessiert Euch auch für gesunde Winterkräuter? Dann schaut mal hier rein.

Naturfuehrer Rene Geyer inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit René Geyer.

Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaub à la Rügen – Magazin eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanze sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Termine findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender und unter www.naturgeyer.de.