9 Kräuter, die nach Sommer duften

Endlich Sommer auf der schönen Insel Rügen. Die Tage haben ihre längste Zeit. Überall blüht und grünt es in voller Farbenpracht. Diese Pflanzen lieben den Frühsommer so sehr wie wir. Hier erfahrt Ihr mehr über Rügens sommerliche Natur!

1. Die Gewöhnliche Ochsenzunge

„Was für eine hübsch anzusehende Pflanze ist das denn?“ Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt, wenn am Wegesrand auf Mönchgut im Südosten der Insel Rügen die Urlauber oder auch Einheimischen mich bei meinen Wanderungen begleiten. Nach Beantwortung der Frage, um was es sich hier handelt, gehen wir dann in die Knie und berühren die länglich schmalen Blätter. Nun weiß jeder warum der Volksmund dieser Pflanze diesen Namen gab.

Aussehen der Gewöhnlichen Ochsenzunge

Die Blätter sind rau behaart und fühlen sich an, wie die Zunge eines Ochsens. Die Ochsenzunge gehört zu der Familie der Raublattgewächse. Die Pflanze kann eine Wuchshöhe von 80 cm erreichen. Sie kommt auf trockenen Böden bis in die Breiten der Mittelgebirge noch häufig vor. Gebietsweise ist diese Pflanze in Deutschland aber unter Schutz gestellt worden. Der Volksmund gab Namen wie „Blutwurz“ oder „Liebäugelein“. Die Farbenpalette der Blüten reicht von reinweiß über helles blau bis hin zum dunkelsten violett. In manchen Jahren, wenn die Wiesen im Juni länger ohne Schnitt oder Beweidung stehen, kommt sie massenweise vor, um dann mit ihrer Farbenpracht die Wiesen in einem ganz besonderen vorhochsommerlichen Licht erstrahlen zu lassen. Die Pflanze blüht schon von Ende April bis in den September hinein.

Die Gewöhnliche Ochsenzunge in der Volksheilkunde

Die Volksheilkunde verwendete die Ochsenzunge früher häufig. Tees aus den Blüten und jungen Blättern galten als mildes Abführmittel, sowie als sanfter Stimmungsaufheller bei Depressionen und Melancholie. Der Tee gilt als sehr gutes Mittel gegen Husten, Bronchitis und Erkältungskrankheiten. Inhaltsstoffe der Pflanze sind außer Flavonoide, Schleimstoffe, sowie Gerbstoffe und Alantoin.  Ochsenzunge wirkt herzstärkend, erweichend, schleimlösend und harntreibend.

Verwendung der Gewöhnlichen Ochsenzunge

Die jungen Triebe und Blätter eignen sich vor der Blüte zur Verwendung an Gemüsegerichten oder in den Salat. Die Blüten hingegen lassen sich als essbare Dekoration für Suppen und Süßspeisen verwenden. Man könnte sogar die sorgfältig getrockneten Blätter von Mai bis in den September zu Rauchtabak verwenden. Die Wurzel hingegen ließe sich ab September bis in die Wintermonate als aromatisierende Einlage in Wein ansetzen.

Die Blüten im Juni sind für unsere heimische Insektenwelt ein besonderer Anziehungspunkt. Unzählige Tagfalter, Bienen, Wildbienen und Käfer nutzen den schönen Blütentraum. Wer einmal still und leise stehen bleibt, dem wird sich vor seinen Augen oder der Kamera eine Welt eröffnen, die heute doch schon selten geworden ist und die uns deshalb immer wieder in den Bann zieht. Es ist Sommer geworden auf der Insel Rügen und wir können den Zauber an allen Stellen genießen und bestaunen.


2. Der Lindenbaum

Die Linde ist ein stattlicher Baum – ob Sommer – oder Winterlinde. Auf Rügen gibt es prächtige Lindenbäume, wie die Linde im Park bei Nesebanz im Südwesten der Insel Rügen. Auch im Park von Putbus gibt es weitere stattliche Exemplare. Die Sommerlinde unterscheidet man von der Winterlinde zum Beispiel dadurch, dass die Blätter der Sommerlinde größer sind, aber weniger Blüten an den Blütenständen wachsen. Linden blühen ab Juni bis in den Juli hinein. Wer unter einem blühenden Lindenbaum wandelt, wird das Summen der zahlreichen fleißigen Bienen vernehmen.

Verwendung der Lindenbaumblüten

Wir sollten uns nun beeilen die Blüten zu ernten. Dabei werden die Blüten und die Deckblätter geerntet. Es sollte zudem eine trockene und sonnige Witterung herrschen. Man hat etwa 1 bis 3 Tage Zeit für die Ernte, denn der Blütentraum ist schnell vergangen. Zumal die Bienen ebenfalls ihre Pollenernte halten. Die angenehm duftenden Blüten werden für Tee gesammelt. Dieser wirkt Wunder bei Erkältungen, ist schlaffördernd und beruhigend. Lindenblütentee wirkt ebenso schweißtreibend wie Holunderblütentee. Luftdichte Lagerung des Tees, bewahrt das Aroma. Die Inhaltsstoffe der Blüten sind: Schleim, Gerbstoffe, Flavonoide, ätherisches Öl und Wachs.

Geschichten um den Lindenbaum

Wie oft ist doch dieser Baum besungen oder in Gedichten beschrieben worden. In der Mythologie nimmt der Lindenbaum einen ganz besonderen Platz ein. War er doch Baum unter dem Gericht gesprochen wurde. Die Linde war und ist ein heiliger Baum mit dem Wohnsitz der Göttin Freya als Schutzherrin der weiblichen Gerechtigkeit. Unter dem Lindenbaum trafen sich frisch verliebte Paare, um sich dort schon lange vor der eigentlichen Trauung das Ja-Wort zu geben.

In vielen Teilen Deutschlands werden auch heute noch unter alten und großen Lindenbäumen Feste gefeiert. Eine Linde am Haus soll vor bösen Geistern und vor Hexen und Hexerei schützen. Der Lindenbaum ist dem Menschen ein zugeneigter Baum mit einem Wesen, der wie kein anderer den Begriff der Familie oder der Heimat verbinden kann. Heute werden viel zu wenige Lindenbäume im Siedlungsbereich oder in die Hausgärten gepflanzt. Es wird leider in der schnelllebigen Zeit oft als Last empfunden, die wunderschön gelben Blätter im Herbst zusammenzufegen.

So ein Lindenbaum kann über Generationen seinen Schatten im Hochsommer spenden und das Gefühl von Heimat und Geborgenheit versinnbildlichen.

3. Die Schwanenblume

Eine ganz besondere Pflanze blüht um diese Jahreszeit an Rügens Ufern von Gräben und Teichen. Die Schwanenblume gehört zur Familie der Wasserlieschgewächse bzw. Schwanenblumengewächse. Ihr wissenschaftlicher Name ist “Butomus umbellatus“. Die Blume wird auch „Wasserliesch“, „Blumenbinse“, „Wasserviole“ oder auch „Doldige Schwanenblume“ genannt.

Aussehen der Schwanenblume

Die Schwanenblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze und wird 50 cm bis stattliche 150 cm hoch. Sie fällt einfach auf, wenn sie ihre wunderschönen Blüten im Juni an den Rändern von Gewässern zeigt. Die Blüten sitzen auf einem langen, runden Stängel in einem endständig doldigen Blütenstand. Die Blüte besitzt bis zu 30 Einzelblüten. Diese Blüten entfalten nach und nach ihre schön anzusehenden Blütenblätter und duften darüber hinaus sehr angenehm nach Honig. Durch diesen Duft werden in diesem Lebensraum vor allen Dingen Schwebfliegen, Bienen und Hummeln angelockt. Die gesamte Pflanze steht in größerer Wassertiefe, aber auch im Randbereich von Gewässern. Die Blätter sind grasartig linealisch und rinnig, fast dreikantig und sie können bis zu 1 cm breit werden.

Verwendung der Schwanenblume

Die Schwanenblume wurde früher auch in der Küche verwendet. Die Wurzel, das Rhizom, kann bis zu 60 % Stärke enthalten und ist essbar. In Europa wurden deshalb in Notzeiten die Wurzelstöcke gegessen. Auch in der Volksheilkunde bzw. in der Pflanzenkunde wurde die Schwanenblume mit all ihren Teilen genutzt. So wurden der Wurzelstock und die Samen beispielsweise als Heilmittel bei Wassersucht angewandt. Im Mitteleuropa ist die Schwanenblume bereits sehr selten geworden und in einigen Teilen Deutschlands steht sie bereits auf der Liste der gefährdeten Pflanzen.

Deshalb wurde die wunderschöne Schwanenblume von der „Loki Schmidt Stiftung“ zur Blume des Jahres 2014 ernannt. Damit wird auch immer auf einen bedrohten Lebensraum aufmerksam gemacht. Auf Rügen gibt es an vielen Stellen noch die Schwanenblume. Wir alle sollten dazu beitragen, dass Kleingewässer, Gräben und Teiche Lebensräume bleiben, in denen die Schwanenblume auch weiterhin unser Auge erfreut.


4. Die Rapunzel-Glockenblume

Auf Wiesen, die an ihren Rändern Gehölzgruppen oder auch Hecken besitzen, können wir um diese Jahreszeit eine wunderschön blühende Glockenblumenart sehen. Man nennt diese Pflanze Rapunzel-Glockenblume. Von Juni bis in den August hinein blüht sie mit ihren trichterförmigen, hell blau-lila Blüten. Von Europa über Sibirien bis Nordafrika ist sie zuhause. In einigen Ländern Mitteleuropas steht sie unter Naturschutz. Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern steht sie auf der Liste der gefährdeten Pflanzen, der sogenannten Roten Liste. Dort wird sie unter ihrem wissenschaftlichen Namen Campanula rapunculus als gefährdet geführt.

Verwendung der Rapunzel-Glockenblume

Die Rapunzel wurde bis ins 17. Jahrhundert in fast jedem Bauerngarten angepflanzt. Sie besitzt eine etwa daumendicke, 6 bis 10 cm lange und fleischige weiße Wurzel. Die Wurzel wurde vom Herbst bis in das Frühjahr hinein geerntet und wie Rüben gekocht. Ihr Geschmack ist süßlich angenehm und erinnert an Walnüsse. Etwas kleinere Wurzeln ließen sich mit Essig, Zitronensaft, Salz und Pfeffer verfeinert auch roh als Wintersalat verzehren. Der Volksmund gab dieser wunderschönen Glockenblumenart Namen wie „Ackerrapunzel“, „Regenblume“ oder „Fürwitzlein“. Die Inhaltsstoffe der Wurzel sind Gerbstoffe, Inulin, Vitamin C und Bitterstoffe.

Rapunzel-Glockenblume im Volksglauben

Das Märchen von Rapunzel bezieht sich übrigens auf diese Glockenblumenart. In der Sage wie im Märchen verkörpert diese Blume, wie alle blau blühenden Blüten, das Reich der Elfen und Pflanzengeister. Man brachte diese Glockenblume im Volksglauben auch immer mit dem Gewitter in Verbindung. So durfte sie nicht abgebrochen und mit nach Hause genommen werden, da sonst der Blitz ins Haus einschlüge. Auch das Glück bleibt demjenigen fern, der sie bricht und er zieht sich den Regen herbei. Diese Überlieferungen haben damit zu tun, dass die Blütenglocken immer schon als sicherer Unterschlupf für Elfen und Erdgeister bekannt waren. Man sollte diesem munteren Volke auf keinen Fall seinen Unterschlupf nehmen.

Übrigens ist es ein erhebendes Naturschauspiel, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und Insekten bei ihrem Besuch auf diesen Blüten zuschaut. Es scheint, als ob die Pflanze ganz bewusst ihre Blütenpracht dem Sonnenlicht entgegenstreckt, um damit die nicht nur die Naturgeister, sondern auch uns Menschen anzulocken.


5. Das Echte Labkraut

Alle Farben des Sommers sind zu sehen und oft leuchtet es goldgelb an einer Stelle heraus. Es ist das echte gelbe Labkraut, einem Rötegewächs, dessen starker Duft nach Honig uns beim näheren Betrachten in die Nase steigt.

Aussehen des Echtes Labkrauts

Diese Pflanze wird 15 bis 80 cm hoch, hat einen rundlichen, rauhaarigen und verästelten Stängel. Die Blätter erinnern an den Waldmeister, die Blüten – kleine gelbe Sternchen – stehen an einer sehr dichten endständigen Rispe. Immer auf trockenen Wiesen, an Wegrändern oder auch auf Lichtungen im oder am Waldrand blüht dieses Kraut von Juni bis September. Auch hier gab der Volksmund mehrere Namen wie „Ameisenkraut“, „Bettstroh“, „Bienenwertel“, „Blutstill“, „Liebfrauenstroh“, „Liegkraut“ oder „Magerkraut“ sowie „Sternkraut“.

Inhaltsstoffe des Echtes Labkrauts

Die Inhaltsstoffe sind Labferment, Kieselsäure, Gerbstoff, ätherisches Öl, Aucubin. Das Labferment (in 100 g Blatt / 1 mg Ferment) bringt Milch zum Gerinnen. Dies wurde früher gern für die Käseherstellung genutzt. Labkraut wirkt krampflösend, wasser- und harntreibend, drüsenanregend, wundheilend, blutreinigend, schleimlösend sowie nervenberuhigend. Gesammelt wird das blühende Kraut und sorgfältig getrocknet.

Das Echte Labkraut in der Kräuterheilkunde

In der Kräuterheilkunde wird es als Tee empfohlen, um Gift und Abfallstoffe über den Urin aus dem Körper zu entfernen. Man kann auch Labkraut mit Goldrutenkraut und gelber Taubnessel zu gleichen Teilen mischen und bei Nierenleiden schluckweise trinken. Labkraut kommt zur äußerlichen Anwendung bei schlecht heilenden Wunden oder Ausschlägen. Das gequetschte, frische Kraut wird im Ganzen auf Wunden gelegt und hat eine blutstillende und wundheilende Wirkung.

Als Tee getrunken hilft es bei hoher nervlicher Belastung und sorgt für eine bessere Ausgeglichenheit. Labkraut, besonders die Wurzel, wird heute noch als Färberpflanze benutzt, da es einen roten Farbstoff erzeugt. Die Blüten ergeben hingegen einen gelben Farbstoff, den man nicht nur zum Färben von Stoffen, sondern auch zum Malen nutzen kann.

Das gelbe echte Labkraut galt aber bei unseren Altvorderen auch als heiliges Kraut und war der germanischen Göttin Freya geweiht, der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit. Man legte gebärenden Frauen Labkraut ins Bett, um sie vor Schaden zu bewahren. Auch glaubte man früher, dass das Labkraut nur dort stehen solle, wo besondere Plätze in der Natur sind. Die Natur ist etwas ganz Besonderes. Daher sollten wir sie auch wieder achten und schätzen lernen und auch zulassen, dass solche Kräuter wieder vermehrt auf wunderschönen Wiesen zu finden sind.


6. Der Klatschmohn

Der Klatschmohn ist von der Loki-Schmidt-Stiftung zur „Blume des Jahres 2017“ ernannt worden. Diese wunderschöne Pflanze gehört zu den Mohngewächsen und blüht von Mai bis in den Juli hinein. Der Klatschmohn ist eine ein- bis zweijährige, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 30 bis 80 cm erreichen kann.

Aussehen des Klatschmohns

Die Pflanze bringt diese wunderschön anzusehenden Blüten hervor, die sich nur etwa 2 bis 3 Tage halten. Es lohnt sich daher auch auf keinen Fall diese Pflanze zu pflücken, denn man hat so gut wie gar nicht von dem kurz anhaltenden Blütentraum. Bei relativ wenig Wind ist diese scharlachrote Blüte aber ein sehr, sehr schönes Fotomotiv. Besonders wenn an unseren Ackerrändern sich im Frühsommer zu dem Rot des Klatschmohns auch noch die blauen Blüten der Kornblume gesellen.

Der Samen vom Klatschmohn keimt auf offenem Boden. Sein Zuhause ist das Brachland oder auch mal eine Wiese nach einem leichten Umbrechen. Klatschmohn verträgt keinen dichten Grasbewuchs. Wie ein glutroter Feuerstreifen kann Klatschmohn Getreidefelder durchziehen, die nicht totgespritzt werden und auf die auch kein Mineraldünger aufgebracht wird. Ein gutes Beispiel für sogenannte Artenvielfalt zeigen noch heute die letzten Ackerstreifen im Naturschutzgebiet Zicker Höft auf Mönchgut.

Verwendung des Klatschmohns

Wenig Verwendung fand der Klatschmohn in der Volksheilkunde und der Küche. Die Blütenblätter kann man in geringer Menge an einen Wildkräutersalat geben. Der Genuss der Samen ist ungefährlich, da er nur sehr gering die narkotisierende Wirkung der Mohnsubstanzen enthält. Die getrockneten Samen aus den Kapseln aufs Butterbrot oder an den Fruchtsalat schmecken angenehm nussartig. In den typischen Kapselfrüchten des Klatschmohnes sind bis zu 2000 recht kleine dunkle Mohnkörner enthalten die ein rasselndes Geräusch erzeugen, wenn die Kapsel trocken und reif ist. Übrigens der Botaniker Raoul Heinrich Frances ließ sich 1919 von jener Mohnkapsel inspirieren und erfand schließlich den Salzstreuer, wie wir ihn heute noch benutzen.


7. Die Wegwarte

Wie oft bleibe ich stehen, wenn ich dieses Wildkraut im Sommer schon in den ersten Vormittagsstunden mit seinen himmelblauen Blüten am Wegesrand oder auf Wiesen sehe. Dann „warte“ auch ich ein Weilchen und weiß, das wird ein sonniger Tag beim Betrachten dieser „Pflanzenschönheit“. Der Volksmund gab Namen wie „Sonnenwedel“, „Hansel am Weg“, „Zigeunerblume“, „Zichorie“, „Rattenwurz“ oder „Wegeleuchte“. Sie wächst an Weg- und Straßenrändern, auf Weiden und Schuttplätzen.

Aussehen der Wegwarte

Die Wegwarte gehört zu den Korbblütengewächsen wird 30 bis 100 cm hoch und ist sparrig verzweigt. Aus einer starken, spindelförmigen Wurzel, die im Boden tief verankert ist, entwickelt sich ein kantig hohler, rauhaariger Stängel an dem im unteren Bereich schrotsägeförmige Blätter wachsen. Aus der ganzen Pflanze, wird sie einmal verletzt, bricht ein weißlicher, milchartiger, bitterer Saft aus.

Die Wegwarte in der Heilkunde

Die Wegwarte besitzt wertvolle Inhaltsstoffe, die da wären: Inulin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Zucker, Mineralstoffe – vor allem Kalium, sowie Vitamine. Diese Inhaltsstoffe verleihen ihr folgende Eigenschaften: sie wirkt verdauungsfördernd, appetitanregend, harntreibend, abführend und blutstillend. Gesammelt werden im Frühjahr die noch jungen Blätter am Boden, wenn die Pflanze noch sehr klein ist. Diese Blätter können – ähnlich wie Löwenzahnblätter – an den ersten Kräutersalat gegeben werden. Durch die Bitter- sowie Gerbstoffe reinigen wir unser Blut und helfen auch den Körper zu entschlacken. Bei Verdauungsschwäche schafft ein Tee Abhilfe, der kalt angesetzt und wallend aufgekocht wird. Volksheilkundlich erwähnt man Anwendungen des Frischsaftes der Wegwarte bei der Senkung des Blutzuckerspiegels.

Die Wegwarte in der Küche

Aber nicht nur in der Heilkunde findet diese wunderschöne Pflanze Anwendung, sondern auch in der Küche. Die Wurzel wurde geröstet und als Kaffeeersatz genommen. Die Wurzel kann auch als Gemüse genutzt werden. Dazu wird sie erst gründlich gewässert, um den bitteren Geschmack zu mildern und dann ähnlich wie anderes Wurzelgemüse verwendet.

Übrigens: die blaue Wegwarte ist eine alte germanische Zauberpflanze, von der man sagt, dass man leichter erreicht, was man sich wünscht, wenn man sich mit dem Saft des Krautes einreibt.

Für mich zählt die Wegwarte zu den heimischen Wildkräutern, die wunderschön anzusehen sind, und das mich auch an die Kinderzeit erinnert. Seinerzeit habe ich sie gern mit nach Hause genommen. Zuhause musste ich aber traurig feststellen, dass die Blüten allesamt schnell geschlossen waren. Erfreuen wir uns also an diesem wunderschönen Wildkraut an seinem Standort und lassen wir es dort stehen, so dass auch der Wanderer nach uns sich an seiner Pracht erfreuen kann.


8. Das Echte Johanniskraut

Der Standort des Johanniskrautes sind Wiesen, Wegränder, Heiden, Waldlichtungen sowie Kahlschläge. Johanniskraut bevorzugt besonders saubere und nicht gedüngte Standorte, was natürlich ein besonderes Augenmerk auf dieses Kraut lenken sollte.

Aussehen des Echten Johanniskrauts

Die Pflanze wird etwa 30 bis 80 cm hoch und besitzt einen harten, runden, zweikantigen bzw. zweiflügeligen Stängel, der sich nach oben verzweigt. Die Blättchen sind fast glattrandig, länglich bis eiförmig und sitzen gegenständig am Stängel. Auffallend bei den Blättern: sie wirken wie punktiert. Haltet Ihr ein solches Blatt in die Sonne, wirkt es wie mit kleinen Nadeln durchstochen. Dort sitzen die kleinen Öldrüsen. Johanniskraut hat gelbe Blüten mit fünf gelben Blättchen. Beim Zerreiben der Blüten und Blütenknospen sollten sich die Finger rot färben. Dieser Saft wird durch das harzartige Hypericin gefärbt. Johanniskraut besitzt keinen besonderen Geruch und der Geschmack ist etwas herb und bitter.

Das Echte Johanniskraut in der Naturheilkunde

Als Inhaltsstoffe sind ihm Gerbstoffe, ätherisches Öl, Bitterstoffe sowie Flavone eigen. Diese Stoffe machen dieses Kräutlein besonders wertvoll. Johanniskraut ist als wertvolles Nervenkraut zu betrachten, als Wundmittel ist es jedoch ebenfalls nicht zu unterschätzen. Johanniskraut, auch „Hartheu“, „Sonnwendkraut“, „Tüpfelhartheu“, „Blutkraut“ genannt, bringt Licht und Sonne ins Herz und in die Seele. Johanniskraut blüht von Juni bis in den August hinein und dann wird es auch geerntet.

Im Schatten getrocknet und als Tee getrunken, wirkt es gegen depressive Verstimmungen und ist deshalb in der langen Winterzeit besonders wertvoll. Der Tee wirkt beruhigend aufs Gemüt und entspannt die Nerven, ohne zu ermüden. Der Tee kann auch als Waschung bei schlecht heilenden Wunden oder Verletzungen sowie Verbrennungen äußerlich genutzt werden. Blüten und Blütenknospen werden sorgfältig gesammelt und ohne zu waschen frisch in gutes Olivenöl gegeben (1/4 Blätter + 3/4 Blüten). Diesen Ansatz lässt man 4 bis 6 Wochen an einem warmen Ort stehen, schüttelt ihn zwischendurch öfter durch, filtert ihn dann ab und stellt die rotgewordene Flüssigkeit kühl.

Dieses „Rot-Öl“ kann bei leichtem Sonnenbrand, Nervenschmerzen, Verstauchungen, Blutergüssen sowie Quetschungen eingerieben werden. Außerdem ist Johanniskraut-Öl ein hervorragendes Hautpflegemittel. Das Johanniskraut ist ein wertvolles Kleinod der Natur, das wir unbedingt nutzen sollten.


9. Die Knoblauchsrauke

Schon im zeitigen Frühjahr sind die zarten nierenförmigen Blätter der Knoblauchsrauke im Unterholz an Hecken und Waldrändern zu finden. Sie gedeiht auf nährstoffreichen, frischen Böden meist im Halbschatten und das in Gesellschaft von anderen wertvollen Wildkräutern. Zerreibt oder zerschneidet man nun ein solches Blatt, duftet es stark nach Knoblauch.

Verwendung der Knoblauchsrauke

Die Wirkung ist ähnlich von Bärlauch und Knoblauch nur sehr viel schwächer. Die Blätter sammelt man vor der Blüte in den Frühjahrsmonaten ab März, kann sie aber bis in den Herbst der nachwachsenden Pflanzen ernten. Während der Blüte – etwa ab Mai – schmecken die Blätter etwas bitter. Die Blättchen der noch jungen Pflanze pflückt man möglichst vormittags, da sie dann am saftigsten sind. Die Blüten sind weiß wie an einer Traube angeordnet, mit vier kleinen Blütenblättchen, die bei Berührung leicht abfallen. Die Pflanze gehört zu der Familie der Kreuzblütengewächse.

Sie lässt sich vorzüglich verwenden in Kräuterbutter, Quark und Salaten – auch in Kombination mit anderen Wildkräutern im Frühjahr. Die Heilanwendung gleicht dem Bärlauch, nur viel schwächer. Getrocknet, in Kombination mit anderen Würzkräutern, lässt sich ein vorzüglich schmeckendes Wildkräutersalz herstellen.

Die Blätter haben eine antiseptische und wundheilende Wirkung bei leichten Verletzungen der Haut. Die Pflanze besitzt ätherische Öle sowie Senfölglycoside, die auch leicht harntreibend wirken und somit gern bei Kuren sowie bei rheumatischen Beschwerden und Gicht Anwendung findet. Der Volksmund gab diesem Kräutlein auch Namen wie „Lauchkraut“ oder „Lauchhederich“.


Mehr über Rügens Kräuter erfahren

Erkundet bei Kräuterführungen im Biosphärenreservat Südost Rügen mehr von dieser einzigartigen Pflanzenwelt. Der bekannte Natur- und Erlebnisführer zeigt Euch die schönsten Exemplare in freier Natur. Neben den Ausflügen in die Flora entführt Geyer zu Sagenwanderungen und archäologischen Touren. Entdeckt auch mehr über gesunde Winterkräuter, Frühlingskräuter und Herbstkräuter.

René Geyer
E-Mail: info@naturgeyer.de
Telefon: 0173 9898031
Website

Gastautor

René Geyer

René Geyer kennt die Inselnatur ganz genau. Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanzen sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Führungen findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und unter www.naturgeyer.de

Share on facebook
Share on twitter
Share on pinterest
Share on whatsapp
Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.