Im Greifswalder Bodden bei Neuendorf wächst neues Leben heran: Der Blasentang, eine der wichtigsten Algen der Ostsee, kehrt zurück. Jahrzehntelang fehlte ihm der feste Halt am Meeresboden, nun bekommt er endlich wieder eine Grundlage zum Wachsen.
Der Blasentang ist viel mehr als nur eine Pflanze unter Wasser. Er produziert Sauerstoff, bindet Kohlenstoff und bietet unzähligen Tieren ein Zuhause – von Garnelen und Borstenwürmern bis hin zu Fischen und Seevögeln. Doch im 19. Jahrhundert wurden seine Lebensräume zerstört: Damals holten sogenannte Steinfischer die eiszeitlichen Findlinge aus dem Bodden, um sie als Baumaterial für Häuser und Molen zu nutzen. Mit den Steinen verschwand auch der harte Untergrund, den der Blasentang zum Anwachsen braucht. Im Jahr 1906 wurde die Steinfischerei schließlich verboten, doch der Schaden war längst angerichtet.
Jetzt erhält das Ökosystem eine zweite Chance. Das Biosphärenreservat Südost-Rügen hat rund 640 Tonnen Natursteine auf einer Fläche von 1.400 Quadratmetern im Greifswalder Bodden ausgebracht.

Die Steine stammen aus regionaler Kooperation – Landwirte stellten sie von ihren Flächen zur Verfügung, ein Fachunternehmen brachte sie ins Meer und verteilte sie so, dass etwa die Hälfte des Bodens bedeckt ist.
So entsteht ein künstliches Riff, das dem Blasentang wieder Halt gibt – und mit ihm ein artenreiches Unterwasserleben.
„Das Biosphärenreservat Südost-Rügen beweist einmal mehr, dass es eine Modellregion für Naturschutz ist“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus. „Es handelt sich um die erste Rekonstruktion eines Riffs in Mecklenburg-Vorpommern, das durch Steinfischerei verloren ging. Damit sammeln wir wichtige Erfahrungen für zukünftige Projekte entlang der gesamten Ostseeküste.“


Finanziert wird das Projekt mit rund 120.000 Euro durch die Europäische Union im Rahmen des Interreg-Projekts „Supported by Nature“, das mehrere Ostsee-Biosphärenreservate verbindet. Ziel ist es, zerstörte Rifflebensräume wiederherzustellen, Klein- und Fließgewässer zu renaturieren und die Natur als Lernort erlebbar zu machen – auch in Dänemark und Schweden.
Schon jetzt zeigen sich erste Erfolge: Seepocken haben sich angesiedelt, und im kommenden Jahr sollen Flohkrebse, Garnelen und Borstenwürmer folgen – Nahrung für Fische, Aale und Seevögel. Vielleicht lassen sich bald sogar Heringe, Seenadeln oder Schlangennadeln mit Aquascopen entdecken. Die Grundschule Boddenwind wird das neue Riff wissenschaftlich begleiten und die Entwicklung neugierig beobachten.
Ein Erfolg für Natur, Bildung – und für alle, die Rügens Unterwasserwelt lieben.
Gastautor
Frida Buchholz
(Praktikantin)

Frida lebt schon immer auf Rügen, kennt es gar nicht anders. Sie kommt aus Putbus und kennt sich deshalb gut vor Ort aus. Während ihres 4-tägigen Schülerpraktikums in der Redaktion von ars publica Marketing hat Frida ihr Wissen über Neuendorf und ihre Perspektive als Teenagerin für ihre redaktionelle Zuarbeit für das Online-Magazin inselzeitung.de gut nutzen können.
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