Dunkle Rügen-Sagen für laue Sommertage

Ob Zwerge, Nymphen oder Riesen: Überall auf Rügen sollen sich magische Wesen sehen lassen. Was es für eine Bewandtnis mit ihnen hat, das kann keiner so genau berichten. Mit sagenhaften Geschichten hat man versucht sich den Spuk zu erklären – von Generation zu Generation. Diese erzählt man sich noch heute.  

Das Sparei

© René Geyer

Wenn ein Hahn sieben Jahre alt geworden ist, legt er selbst ein Ei, welches so groß wie ein Taubenei ist und im Volksmunde Sparei genannt wird. Wenn man sich nun solch ein Sparei in seine Achselhöhle legt und es dort eine Zeit aufbewahrt, ohne dass man inzwischen auch nur ein Sterbenswörtchen spricht oder auch nur ein bisschen lacht, so wird aus diesem Ei ein Puk ausgebrütet. Dieser Puk ist ein Hausgeist, der nach dem Schlüpfen alle Hausarbeiten verrichtet und dafür sorgt, dass es dem Besitzer des Puks immer gut ergehe. Ein Mann aus dem Dorf Sehlen hat nun einmal den Versuch unternommen, sich auf diese Weise einen Puk zu verschaffen. Mit den nötigen Lebensmitteln versehen, begab er sich zu einer sehr einsamen Stelle, einer Sandgrube und fing hier an, das von seinem Hahn gelegte Sparei in der angegebenen Weise auszubrüten. Der Bauer wurde jedoch entdeckt und gestört, bevor er damit fertig geworden war. 


Die Zwerge beim Erntefest

Im Dorfe Posewald wurde gerade Erntedankfest gehalten. Der Gutsherr hatte tüchtig anrichten lassen und die besten Braten, Reis und Pflaumen und dazu schäumendes Bier auftischen lassen. Aber eines war merkwürdig: So oft und so viel Speisen auch aufgetragen wurden, immer waren sie nach kurzer Zeit verschwunden. Keiner so recht satt. Da kam ein Mann mit einem „dreikantigen“ Hut herein, der fragte den Gutsherren, ob er einmal sehen möge, wo doch alle die Speisen bleiben. Als der Gutsherr das bejahte, hielt ihm der andere ein Glas vor seine Augen und da sah der Gutsherr, dass der ganze Raum von kleinen Leuten angefüllt war. Zwischen den Leuten sah er die vielen kleinen Leute, die ihrerseits sich wacker an den Speisen und Getränken labten. So war es auch kein Wunder, dass im Handumdrehen die Speisen verschwunden waren. Als sich dann aber die Unterirdischen entdeckt sahen, verschwanden sie ungesehen und ungehört unter der Erde. Ihre Wohnungen hatten sie in den zahlreichen Hünengräbern in und bei Posewald. 


Der Riese namens „Balderich“

© René Geyer

Vor unendlich langer Zeit soll auf Rügen ein gewaltiger Riese namens Balderich gelebt haben. Von diesem Balderich wird ein besonderes Kraftstück erzählt. Balderich stand eines Tages auf dem Tannenberg bei Putbus und schaute zu, wie die Menschen in Vilmnitz, eine gute halbe Meile von Putbus entfernt, ihre Kirche bauten. Da sprach er bei sich: „Lass die kleinen Würmer ihren Ameisenhaufen nur aufbauen, den werfe ich wieder nieder, wenn er fertig ist!“ Als nun eines Tages die Kirche erbaut war und der Turm aufgeführt war, nahm der Riese einen mächtigen Stein und schleuderte diesen nun vom Tannenberg mit so ungeheurer Kraft hinab, dass er wohl eine Viertelmeile über die Kirche hinwegflog und bei Nadelitz niederfiel. Dort liegt er heute noch an dem Wege nach Posewald und wird Riesenstein genannt.

Ein anderes Mal verdross es den Riesen Balderich gar sehr, dass das Land in dem er wohnte, eine Insel war. Er musste somit immer durch die See waten, wenn er auf das Festland wollte. So band sich Balderich eines Tages eine sehr große Schürze um die Hüften und füllte sie mit Erde und Steinen. Damit wollte er einen Damm von der Insel Rügen bis zur Küste errichten. Als er nun mit seiner schweren Last bis zum Dorf Rambin kam, riss plötzlich ein Loch in die Schürze und aus der Erde die daraus fiel, wurden die Hügelgräber „Die neun Berge“ auf der Feldmark. Balderich stopfte das Loch wieder zu und schritt weiter.

Doch bei dem Ort Gustow angekommen, riss wieder ein Loch in die Schürze und es fielen dreizehn kleine Berge heraus. Mit der restlichen Erde kam er schließlich bis an die Küste und schüttete sie hinein. Daraus entstand der Prosnitzer Haken sowie die kleine Halbinsel Drigge. Dennoch blieb ein Zwischenraum bis zum Festland. Als Balderich das sah, ärgerte er sich so sehr, dass er plötzlich vom Schlag getroffen wurde und tot hinstürzte. So kam es, dass dieser Damm nie fertig wurde und Rügen lange Zeit eine Insel ohne Anschluss an das Festland blieb.



Mädchen in Hasengestalt

© René Geyer

Tiere spielen auch in den Rüganer Sagen eine besondere Rolle. Über den Feldhasen wird folgendes um die Gegend bei Trent, im Nordwesten der Insel Rügen berichtet. Das Mädchen in Hasengestalt: In Trent lebte früher ein Mädchen, welches von seiner Großmutter einen sogenannten Hexenriemen erhalten hatte. Sobald es denselben umgeschnallt hatte, konnte sie sich in einen Hasen verwandeln. In dieser Gestalt hatte sie nun des Öfteren einen in der Nähe wohnenden Förster geäfft.

Alle Schüsse des Jägers auf diesen vermeintlichen Hasen sind vom Fell abgeprallt und waren immer ohne Wirkung. Bald bemerkte er, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Und so lud er sich einen Sargnagel in die Flinte. Als er das nächste Mal den Hasen erblickte, traf er ihn an einem seiner Hinterläufe. In demselben Augenblick aber verschwand der Hase und an seiner Stelle stand das Mädchen vor ihm. Sie bat unter Tränen um Hilfe, da ihr Fuß schwer verletzt war. Um das Mitleid des Försters zu erregen, gestand sie ihr Unwesen ein und versprach auch in Zukunft keinen Gebrauch mehr davon zu machen.

Eine ganze Zeit hielt sie ihr Versprechen, kaum aber war der Fuß besser geworden, so fiel sie in ihr altes Laster zurück. Auf dem nahe gelegenen Gut Zubzow diente nämlich ihr Bräutigam als Futterknecht. Und um diesen oft und ungestört zu besuchen, nahm sie ihren Riemen fleißig zur Hand. Der Bräutigam hatte nicht die leiseste Ahnung davon. Eines Tages erschien ihm seine Braut als Hase, da sie noch nicht die Zeit gehabt hatte, wieder ihre menschliche Gestalt anzunehmen. Da schlug er mit einer Wassertrage nach ihr. Sie vergoss infolgedessen sehr viel Blut und gestand ihrem Bräutigam unter vielen Tränen, wie es um sie stünde. Da löste dieser das Verhältnis zu ihr. Das Mädchen jedoch blieb lahm bis an ihr Lebensende. Der Hexenriemen aber soll später auf dem Grabhügel ihrer Großmutter eingegraben worden sein. 


Über Wassergeister und Nixen

Bislang hat sie auch noch nie jemand gesehen, weil der weiße Nebel das Kleid der Seejungfrauen verhüllt. Dass dies so ist, ist aber ein wahres Glück, denn – so erzählt man auf Rügen – wer einmal eine Seejungfrau aus der Nähe gesehen hat, der sei ihr unwiderruflich verfallen und wird alsbald in die Tiefe des Sees oder in die Ostsee gezogen. Im Schwarzen See in der Granitz wohnen die Nixen und zu gewissen Zeiten kommen sie an die Oberfläche. Wenn die Nixen dann einen einzelnen Mann, zumal einen Jüngling, am Ufer des Sees erblicken, so locken sie ihn mit besonderer Vorliebe zu sich in die Tiefe hinein. Daher ist es besonders an schönen Sommertagen gefährlich, allein am Ufer des Sees zu verweilen.

Wassergeister auf Mönchgut

Zu den Wassergeistern werden die auf Mönchgut beheimateten „Witten Wiwer“, die weißen Frauen, gezählt. Über sie gibt es folgendes zu berichten: Auf Mönchgut gibt es einen Ufervorsprung, ein Höft, welches Swantegard genannt wird. Dort, so heißt es, haben die „Witten Wiwer“ dereinst gewohnt. Sie sollen ganz weiß ausgesehen, und kurze Röcke angehabt haben. Außerdem, so sagt man, seien sie ganz „lütt west“, also sehr klein. Vor dem Ufer sollen, wie an einer Schnur, Steine im Wasser liegen.

Diese nennt man die Waschsteine, auf denen die „Witten Wiwer“ ihre Wäsche wuschen. Ihre Wohnungen, die oberhalb des Ufers lagen, sollen immer sauber und schmuck ausgesehen haben. Beim Swantegard gibt es noch ein Loch, welches man das Nonnenloch nennt. Dort sollen sie auch ihre Wohnungen gehabt haben. So sei es auch vorgekommen, dass man sie auf dem Göhrener Buskam sitzen sah. Auf der Plattform des Steines aßen sie aus zinnernen Tellern ihre süße Grütze. Zuweilen konnte man aber mit viel Glück die „Witten Wiwer“ bei ihren Tänzen oder Reigen sehen. Irgendwann sollen die „Witten Wiwer“ über den Mönchsgraben ausgewandert sein. Dort stand ein mächtiger Eichbaum und die „Witten Wiwer“ haben verkündet: „Nun wird die Eich vertrocknen. Wenn sie aber wieder ausschlägt, dann kommen wir wieder.“

Als die Weiber fort waren, ist die Eiche tatsächlich vertrocknet und hat seit jeher nicht wieder ausgeschlagen. Viele Jahre haben die Mönchguter die Eiche stehen lassen in der Hoffnung, sie schlüge wieder aus. „Un dat is noch nich lang her, dat se se afhaugt hebben.“ So hört man es noch heut von den alten Leuten. 


Der Schatz im Poltenbusch

Rügen ist ja reich an Naturschätzen wie Seen, Wälder, unberührte Küsten, gewaltige Bäume oder den am Strand gefundenen Bernsteinen. In früheren Zeiten glaubten aber unsere Vorfahren auch an Schätze an verborgenen Orten oder in Gegenden mit einer sehr weit zurückliegenden Vergangenheit. So auch an einen Schatz im sogenannten „Poltenbusch“ östlich der Chaussee Garz – Zudar. Der Poltenbusch ist ein hochgewölbtes, kegelförmiges Hügelgrab. Die Leute sagen, beim Poltenbusch spukt es und andere fügen hinzu, dass unter dem Poltenbusch große Schätze verborgen sind.

Einst sah eine Frau, die vom Kirchdorf Zudar nach Garz ging, beim Poltenbusch ein helles Licht brennen und als sie näher hinzukam, sah sie, dass dort jemand saß und Geld zählte. Die Frau war nicht faul, kniete sich nieder und füllte ihre ganze Schürze mit Geld. In Garz nahm sie sich ein Fuhrwerk und kehrte zum Poltenbusch zurück, in der Hoffnung, noch mehr Geld zu holen. Sie lud nun mit einem Fuhrmann so viel Geld auf den Wagen, wie dieser nur fassen konnte. Als sie aber mit dem Schatz fortfahren wollten, da wollte plötzlich das Pferd nicht vorwärts gehen. So gut sie ihm auch zuredeten, es ging keinen Schritt vorwärts. Ihnen blieb also nichts anderes übrig als Hilfe zu holen. Nach zwei Stunden kehrten sie mit Hilfe zu dem Wagen zurück. Doch der Wagen war leer und von dem Schatz keine Spur mehr vorhanden. So sind sie wegen der Gier nach dem Geld um ihre Arbeit betrogen worden.


Der Schatz im Hünengrab

Ähnlich erging es auch zwei Bauern, die aus einem Hünengrab einen Schatz heben wollten. Auf dem Karower Feld, nach Kaiseritz zu, liegt ein Feldstück, welches „de Kratt“ genannt wird. Auf diesem befindet sich ein Hünengrab, das Bauern vor langer, langer Zeit aufgegraben haben. Sie fanden einen mit Geld gefüllten Sarg. Sie wussten, dass man solche Schätze nur unter der Bedingung heben kann, dass man bei dieser Unternehmung absolutes Schweigen bewahrt. Gerade als sie den Sarg aus der Grube herausheben wollten, brach einer der Bauern das Stillschweigen, dass sie bei der ganzen Ausgrabung bewahren sollten. Sogleich war der ganze Schatz wieder in der Erde verschwunden.


Der Wechselbalg

Als die Unterirdischen noch im Land waren, haben sie häufig den Wöchnerinnen die Kinder aus der Wiege genommen und dafür ihre eigenen hineingelegt. So ging es auch einer Bauersfrau. Ohne dass sie den Tausch merkte, nährte und pflegte das untergeschobene Kind, so als wäre es ihr eigenes, leibliches Kind.

Doch kam es ihr mit der Zeit wunderlich vor, dass jenes weder an Wachstum zunahm, noch auch sprechen lernen wollte. In dieser Not wandte sie sich an eine weise Frau. Diese erkannte, dass es ein Wechselbalg sei und gab ihr an die Hand, wie sie es anstellen müsse, um Gewissheit zu erlangen. Als das Weib also nach Hause kam, stellte es Eierschalen auf den Herd und tat Wasser hinein. Das Kind aber war dabei zugegen und schaute diesem Treiben der Frau zu und mit einem Mal tat es den Mund zum Sprechen auf und fragte: „Moder, wat wisst du dormit?“ Das Weib antwortete: „Backen un brujen!“ Da rief das Kind verwundert aus: „Nu bin ik doch so olt, as Bemer wahnt, äwer so’n Backen und Brujen heff ick noch min Leder nich sehn!“  Die Frau erkannte nun, dass es ein Wechselbalg sei und sprach: „Bist Du so alt als Bemer wohnt, so bist du auch nicht mein Kind!“ und stieß es damit ins Feuer. Daraus ist es aber sogleich verschwunden und die Unterirdischen habe es sich wiedergeholt.


Der Kielkropp

Einer Bauersfrau im Kirchspiel Lancken ward ein Kind geboren, das hatte seine gesunden Gliedmaßen und war schmuck anzusehen. In kurzer Zeit aber wandelt sich das Kind, kriegt einen dicken Kopf und will nicht gedeihen. Als es nun getauft werden soll, wollen die Hebamme und die drei Paten mit ihm zur Kirche nach Lancken fahren. So kommen sie bis an die Brosser Brücke zwischen Sellin und Garftitz, da ruft es unter der Brücke hervor: „Wohin Kielkropp!“ Und das Kind antwortet: „Ick will hen nach Sankt Marien un laten mi’n bäten wijen (weihen), dat ick ock ward gedijen (gedeihen).“ Als die Hebamme das hört, wirft sie den Kielkropp vom Wagen, da kommt das rechte Kind angeflogen.


Über die Rügenschen Zwerge

© René Geyer

Zwerge haben die Größe eines 3- bis 4-jährigen Jungen und werden auch „de lütten Lüd“ oder „Unterirdische“ genannt. Das Besondere bei den Zwergen auf Rügen stellen aber die vier verschiedenen Arten dar. Da wären die grauen, schwarzen, grünen und weißen Zwerge. Jede Art von ihnen wohnte auf verschiedenen Inselteilen und sie waren auch von unterschiedlichem Charakter.

Die grauen Zwerge waren den Menschen am gefährlichsten, aber auch von den schwarzen Zwergen drohte Gefahr. Beide sollen den Mädchen nachgestellt haben, die Säuglinge aus den Wiegen geholt und danach einen dickköpfigen Wechselbalg hineingelegt oder so manch argen Schabernack getrieben haben. Das Zuhause der schwarzen Zwerge befand sich im Wallberge bei Garz. Die grauen Zwerge wohnten hingegen bei Berglase, in der Gegend von Rothenkirchen in den neun Bergen. Die weißen Zwerge waren guttätig und fromm. Sie wohnten in der Umgebung von Patzig. Die Grünen waren dem Menschen recht gut gestimmt, konnten aber auch manch Schabernack nicht lassen. Sie lebten ausschließlich in der Granitz.


Der reich belohnte Bauer

Einst, so berichtet man, pflügte ein Bauer eine Feldmark bei Rothenkirchen. Als er in die Nähe der neun Berge kam, hörte er ein leises Flüstern, was recht eigentümlich an sein Ohr klang.  Er aber konnte nichts sehen. Wie er nun gerade wieder an einem der Hügel umwenden wollte, bemerkter er am Abhang desselben eine lütte Uhr. Er steckte sie ein und ging weiter. Die Uhr jedoch gehörte einem Zwerg, der sie dort verloren hatte. Den Verlust musste der Zwerg dem Obersten der Zwerge melden, der ihn dafür mit 3 Jahren Gefängnis für seine Fahrlässigkeit bestrafte.

Als der Zwerg jedoch hörte, dass ein Bauer die Uhr gefunden haben soll, bat er für eine Stunde auf die Oberwelt gehen zu dürfen. Als ihm das erlaubt wurde, ging der Zwerg geradewegs zu dem Bauern und bat diesen, er möge ihm seine Uhr wiedergeben. Anfänglich weigerte sich der Bauer, aber der Zwerg gab keine Ruhe und ließ nicht ab zu bitten. Er versprach dem Bauern sogar eine reiche Belohnung. Daraufhin lenkte der gutmütige Bauer ein und gab dem Zwerg seine Uhr zurück.

Am nächsten Morgen in aller Früh ging der Bauer auf das Feld, um zu pflügen. Wie erstaunt schaute der Bauer, als der Pflug die Erde aufwarf und dabei blanke Dukaten in die Furche hineinfielen. Der gutmütige Bauer wurde so von dem Zwerg belohnt.     

Nicht immer geht so eine Sage zu Ende. Sehr oft werden Menschen in der Sage getäuscht und betrogen. Bei meinen Führungen hört Ihr mehr von den Zwergen und ihren Streichen.


Der Zwergenkönig

Einem Bauern bei Rambin raubten die Zwerge eines Tages die Schwester. Wegen dieser Tat lauerte er den kleinen Leuten des Abends auf. Mehrere Male versuchte er dies vergeblich, doch eines Abends gelang es ihm schließlich eines der kleinen Leute habhaft zu werden und entriss diesem die Zwergenmütze.

Bei dem Beraubten handelte es sich zufällig um den König der Zwerge. Und als dieser seinen erheblichen Verlust bemerkte, ging er zu dem Bauern und bat und flehte um die Rückgabe seiner Mütze. Der Bauer aber blieb unerbittlich. Da bot der Zwergenkönig dem Bauern unermessliche Schätze an, mehr noch als alle Könige der Erde besäßen. Auch das schlug der Bauer ab. Er sagte, er würde die Mütze nur unter einer einzigen Bedingung zurückgeben: Wenn man ihm seine Schwester wiedergäbe. Das konnte aber der Zwergenkönig nicht alleine entscheiden, sondern musste dies mit den anderen kleinen Leuten besprechen.

Der Zwergenkönig wusste jedoch den Bauern zu überreden, dass er mit ihm in das Reich der Zwerge hinabstieg. Als nun der Bauer dort unten ankam, erhielt er goldene Kleider und durfte seine Schwester begrüßen, die die Zwerge inzwischen zur Königin gemacht hatten. Der König der Zwerge und seine Untertanen zogen sich zur Versammlung zurück, um die Sache zu beraten. Man kam überein, dass der Bauer nach Rückgabe der Mütze seine geliebte Schwester wieder mit auf die Oberwelt nehmen durfte. Keiner war nun froher darüber als der Bauer und sogleich kehrte er mit seiner Schwester in die Heimat zurück.

Oben angekommen hätten sie aber fast dieselbe nicht wiedererkannt. Dort waren lauter fremde Menschen, die ihnen entgegenkamen. Selbst die Häuser, Ställe und Scheunen sahen zum großen Teil ganz anders aus, als sie sie verlassen hatten. Aber bald sollten sie beide die Lösung des Rätsels erfahren. Der Bauer glaubte, er sei nur eine einzige Nacht im Reich der Zwerge gewesen, so schnell verging ihm dort die Zeit. In Wirklichkeit aber war er, wie sich nun herausstellte, hundert Jahre abwesend gewesen und in dieser Zeit hatte sich natürlich viel auf der Erde verändert.


Über Hellseher

Noch heute berichtet man über Leute, mit der besonderen Gabe Dinge vorauszusehen.

Ein Mann von Wittow, der aus der Stubnitz Holz geholt hatte, hielt im Dorf Hagen am Hause eines Bauern an. In dem Augenblick sah er – niemand weiter aber hat es sehen können – wie ein Kind eilends aus dem Hause gerannt kam und auf dem Weg nach Sagard verschwand.

Der Fremde erschrak sichtlich und erkundigte sich, ob jemand im Dorf krank geworden sei. „Nein“, lautet immer die Antwort. „Und doch, wird heut hier noch jemand sterben!“, setzt er hinzu. Und an diesem Tage ward nun das Kind des Bauern an der Bräune krank und ward auch vor dem Abendrot eine Leiche. Dieser Mann hat die Gabe gehabt vorauszusehen.


Weitere Rügen-Sagen erleben

Der bekannte Erlebnis- und Naturführer René Geyer kennt alle magischen Wesen der Insel Rügen. Bei seinen abwechslungsreichen Touren durch die Sagenwelt Rügens berichtet er von Zwergen, Nixen und Riesen. Entdeckt mehr Sagen im Frühling, Herbst und Winter.

René Geyer
E-Mail: info@naturgeyer.de
Telefon: 0173 9898031
Website

Die nächsten geführten Wanderungen mit René Geyer

Gastautor

René Geyer

René Geyer kennt die Inselnatur ganz genau. Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanzen sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Führungen findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und unter www.naturgeyer.de

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.