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Was man von Prora wissen sollte

Es gibt ihn tatsächlich, den legendären über 4,5 Kilometer langen, fünfstöckigen Gebäudekomplex entlang der Ostsee. Von diesem Bauwerk über Dritte zu erfahren oder ihn live zu erleben, ist noch mal eine andere Hausnummer.

Prora, der Koloss von Rügen

Zwischen Neu Mukran und dem Ostseebad Binz gelegen, erfindet sich das monströse Gebäude gerade wieder neu. Aus dem einst unvollendeten Nazi-Seebad, das später zu einem der größten NVA-Standorte der DDR wurde, entstanden luxuriöse Anlagen mit Eigentumswohnungen und Ferienappartements. Die Jugendherberge Prora und Hotels ergänzen die Übernachtungsmöglichkeiten. Auch die ersten Bewohner sind eingezogen, mit einem der schönsten Badestrände Rügens direkt vor der Haustür.

Proras Geschichte hat ihren besonderen Reiz

Wer mehr zur wechselvollen Geschichte Proras erfahren will, der wird in den Ausstellungen des PRORA-ZENTRUMs, und des Dokumentationszentrums fündig. Geführte Geländerundgänge, Filmvorführungen und wechselnde Sonderausstellungen runden das Angebot ab. Bis heute ist Prora eines der monumentalsten Zeugnisse unserer Zeit. Auf knapp 4,5 km Länge ballen sich über acht Jahrzehnte abwechslungsreicher Bau- und Nutzungsgeschichte, zwei politische Systeme haben hier ihre Spuren hinterlassen.

So fing es mal an

In der NS-Zeit soll Prora ein großes Seebad für 20.000 Urlauber werden. Damals heißt die Anlage „Kraft-durch-Freude-Seebad Rügen“, der Name „Prora“ hat sich erst später etabliert, als aus den unfertigen KdF-Bauten einer der größten Militärstandorte der DDR wird. Der 5 km lange Komplex soll dem deutschen Arbeiter zu günstigen Preisen die „wahre Erholung“ verschaffen und ihn „nervenstark“ für den kommenden Krieg machen. Der Startschuss fällt am 02. Mai 1936 mit der Grundsteinlegung, der Grundstein ist allerdings bis heute verschollen. Nach den Feierlichkeiten wird die Baustelle eingerichtet, auch die Bahnstrecke Lietzow-Binz mit Haltestellen in Prora stammt aus dieser Zeit. Ab 1938 nehmen die Bauten dann nach und nach Gestalt an, das Seebad wird zu einer der Großbaustellen im Dritten Reich. Die Propaganda läuft auf Hochtouren. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges tritt auch auf Rügen zügig der Baustopp ein. Mensch und Material werden für den Krieg gebraucht. Doch der Kriegsverlauf ändert auch die Pläne für Prora. Mit Kriegsende gehört Rügen zur Sowjetischen Besatzungszone, die Rohbauten werden zu begehrten Baustoffquellen, auch für die Bevölkerung. Der ursprünglich südlichste Block, in direkter Nachbarschaft zu Binz, verschwindet in dieser Zeit vollständig.

Vom geplanten Urlaubsparadies zum Militärstandort

Durch den beginnenden Kalten Krieg und der Wiederaufrüstung in Ost und West wird Prora schließlich für das Militär interessant. Ab 1952 beginnt der Ausbau, fünf Rohbauten werden fertiggestellt, einer davon, der heutige Block 1 (die Zählung verläuft von Süd nach Nord) wird Ferienheim für Armeeangehörige.

Die letzten beiden nördlichen Gebäude bleiben unvollendet und sind später Truppenübungsplatz. Der Strand sowie das Areal der heutigen Naturerbefläche werden militärisches Sperrgebiet. Mit Gründung der NVA ist Prora ab 1956 Standort für Landstreitkräfte. Über 10.000 Soldaten sind hier zu Spitzenzeiten stationiert. Eine erste Lehreinrichtung für Unteroffiziere etabliert sich in den 1960er Jahren, 1981 folgt die DDR-weit erste Offiziershochschule für ausländische Kader. Militärangehörige aus Mosambik, Nicaragua, Kuba und anderen Staaten werden hier ausgebildet.

Im nördlichen Block 5 sind bis in die frühen 1980er Fallschirmjäger stationiert, mit den Ruinen nebenan als Übungsgelände. 1982 wird Prora zum größten Bausoldatenstandort in der DDR. Sie müssen beim Bau des Fährhafens in Mukran mitarbeiten, um eine direkte Seeverbindung zwischen der DDR und der Sowjetunion zu schaffen. Mit dem Mauerfall 1989 werden die letzten Bausoldaten doch noch im zivilen Bereich eingesetzt, nach der Wiedervereinigung gibt es keinen Bausoldatendienst mehr.

Ein neues Kapitel beginnt

Die Geschichte hat zuweilen ihren ganz eigenen Humor. 1990 übernimmt die Bundeswehr den Standort, 1992 erfolgt die Auflösung und Übergabe des Areals an das Bundesvermögensamt. Kurz darauf wird die Anlage unter Denkmalschutz gestellt und bleibt in der Folgezeit überwiegend ungenutzt. Einige Jahre später folgt der Entschluss, die einzelnen Blöcke zu veräußern. Alle Blöcke der Anlage gehören heute privaten Investoren und wurden zu modernen Wohn- und Ferienanlagen saniert.