8 Wildkräuter, die im Spätsommer glücklich machen

Rügens Spätsommer zeigt sich in seiner vollen Kraft und beweist, wie viel Vielfalt und Blütenpracht in ihm stecken. Reife Früchte, leuchtende Farben, heilende Wirkung: diese besonderen Spätsommerkräuter haben es in sich.

1. Das Gemeine Leinkraut

In der Nähe von menschlichen Siedlungen, an Wiesenrändern oder an Feldrainen auf trockenen Standorten ist diese Pflanze mit ihren hell-leuchtend gelben Blüten zu finden. Leinkraut ist eine mehrjährige Pflanze, die eine Höhe von 30 bis 50 cm erreichen kann. Leinkraut gehört zur Familie der Braunwurzgewächse und benötigt viel Sonne, durch die sie von Juni bis in den Oktober hinein blüht.

Das Gemeine Leinkraut in der Volksheilkunde

Der Volksmund gab Namen wie „Frauenflachs“, „gelbes Löwenmaul“, sogar als „wilder Flachs“ wurde sie bezeichnet oder als „Froschmaul“.  Die Volksheilkunde berichtet von äußerlichen Anwendungen, bei Vorliegen unterschiedlichster Hauterkrankungen. Leinkraut wurde zu Umschlägen, Auflagen und für Vollbäder genommen. Diese Anwendungen mit Leinkraut wirken hautschonend und geben der Haut Heilimpulse. Anschwellungen bei Verletzungen gehen bei Auflage mit gebrühtem Kraut zurück. Der frisch ausgepresste Pflanzensaft beseitigt kleinere Ausschläge und Flecken auf der Haut.

Eine Teemischung aus den Blüten des Leinkrautes mit Klettenblüte, Primel, Habichtskraut, Goldrute, Beinwell und Kalmus wurde bei Harnsäureleiden, Gicht, Gelbsucht und Rheuma angewandt. Der Tee wirkt entzündungshemmend für den Bereich der Nieren, der Leber und der Bauchspeicheldrüse. Die Wirkung der Pflanze ist schweißtreibend, harntreibend, abführend, entzündungshemmend und antirheumatisch. Inhaltsstoffe der Pflanze sind: Vitamin C, Pektine, Tannine.

Das Gemeine Leinkraut in der Küche

Die Pflanzenblüten lassen sich auch in der Küche verwenden. Frisch voll erblühte Blüten sind eine herrliche Dekoration. Sie passen zum Beispiel sehr gut auf den Vanillepudding. Die Blüten erinnern dem Geschmack nach an Melone. Die Blüten können auch als essbare Dekoration in den Salat, in die Fischsuppe oder auf den Teller gelegt werden.

Weitere Verwendungen des Gemeinen Leinkrauts

In der Landwirtschaft kannte man das Leinkraut als Einstreu, das unter anderem die Fliegenplage etwas reduzierte. Insekten und bestimmte Fliegen mögen das Leinkraut nicht und meiden den Geruch. Eine starke Abkochung aus der ganzen Pflanze wäre ein natürliches Anti-Fliegen-Mittel.

Leinkraut war und ist ein Berufs- oder Beschreikraut. Um festzustellen ob ein Kranker, besonders ein Kind, seine Krankheit durch einen sogenannten bösen Gedanken anderer Menschen bekommen hat, kochte man Leinkraut und Ziest und badete den Kranken in diesem Absud. Dieses Wasser stellte man nun unter das Bett des Kranken. Wurde es trübe, so glaubte man, es komme vom „Beschreien“.

Müde Wanderer legten sich etwas vom Leinkraut in die Schuhe, um wieder flotten Fußes ihren Weg fortzuführen.


2. Der Rainfarn

Im August und September blüht dieses gelbe stattliche Kraut. Rainfarn gehört zu den Korbblütengewächsen. Die Pflanze wird bis zu über einem Meter hoch und gedeiht auf gutem feuchtem Boden mit voller Sonne, aber auch noch im Halbschatten. Volksnamen sind im Norddeutschen: „Gäl Knöpp“ oder „Kroppkrut“. Auch wird Rainfarn als „Wurmkraut“, „Heilware“, „Kraftwurz“ oder „Viehwermut“ bezeichnet.

Wirkung des Rainfarns

Die Inhaltsstoffe sind vor allen Dingen ätherisches Öl mit viel Thujon, daher auch der typische Duft der schönen gelben Blüten. Außerdem besitzt Rainfarn Bitterstoffe, Gerbstoffe und Vitamine. Das ätherische Öl wirkt zum Beispiel wurmwidrig. Rainfarn wird wie früher auch heute noch gelegentlich in der Volksmedizin als sogenanntes Wurmmittel eingesetzt, besonders bei Spul- und Madenwürmern. Auch äußerliche Anwendungen sind bekannt. Den Tee als Gurgelmittel verwendete man bei schlechtem Atem. Die frischen zerdrückten Blätter oder einen starken Aufguss legte man als Umschlag bei Krampfadern, Geschwülsten und Verrenkungen auf und beeinflusste so die betroffenen Stellen positiv. Ein starker Aufguss als Kopfwäsche vertrieb Läuse. Einen Strauß des blühenden Krautes in eine Wäschetruhe gelegt oder in einen Schrank gehängt, vertrieb Fliegen oder Motten.

Auch als appetitanregendes Mittel wurde die Droge angewendet. Wegen der Giftigkeit einiger Rassen des Rainfarns, die nur schwer voneinander zu unterscheiden sind, ist unbedingt von einer Selbstbehandlung abzuraten! Vergiftungserscheinungen, wie Schwindel, Krämpfe, Leibschmerzen oder Atemnot können die Folge sein. Schwangere Frauen sollten Rainfarn meiden.

Der Rainfarn in der Küche

Auch in der Küche findet Rainfarn seine Verwendung. Nach Steffen Guido Fleischhauer (Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen Mitteleuropas) verwendet man die noch zarten Fiederblättchen von April bis Juli in sehr kleinen Mengen als Beigabe zu Salaten. Diese Blättchen sind dann vom Geschmack leicht bitter sowie zitronenaromatisch. Wissen sollte man jedoch, und das beschreibt auch Herr Fleischhauer, dass Rainfarn in größeren Mengen durch sein ätherisches Öl Übelkeit erzeugen kann und in übermäßigen Mengen gefährlich giftig wirken kann. 

Rainfarn ist aber auch anders zu nutzen. Seine gelben Blütenstände ergeben einen schöner Schmuck für Gestecke oder Richtkronen und halten sich eine recht lange Zeit. Die Blüten einmal ganz aus der Nähe betrachtet sind eine kleine botanische Schönheit. Außerdem wird Rainfarn gerne von unzähligen Schwebfliegen oder Käfern angeflogen, weshalb es sich lohnt, auf die schönen gelben, wie Knöpfe aussehenden Blüten zu achten.


3. Das Franzosenkraut

So manchem Gartenfreund ist es wohl ein Dorn im Auge, dieses eigentlich unscheinbare Kräutlein. Das Franzosenkraut, ob nun das kleinblütige oder das behaarte Franzosenkraut, ist verwandt mit einer Blume, die wir alle lieben – der großen Sonnenblume. Beide gehören zur Familie der Korbblüter. Und kommen ursprünglich aus Übersee – die Sonnenblume aus der Mitte Nordamerikas und das Franzosenkraut aus Süd- und Mittelamerika. Der Sonnenblume schenken wir volle Aufmerksamkeit, dem Franzosenkraut rücken die meisten mit der Hacke zu Leibe oder reißen sie aus. Und das zu Unrecht.

Besonderheiten des Franzosenkrauts

Das Franzosenkraut ist eine Pflanze mit dem höchsten Eisengehalt aller Wildpflanzen. Auch der enorme Kalziumgehalt macht sie zu einer wertvollen Gemüsepflanze. Nur die Brennnessel liegt beim Kalziumgehalt darüber. Wie schon erwähnt, stammt die Pflanze aus Peru und bekam ihren Namen um 1800, als sie aus dem Botanischen Garten in Paris auswilderte und sich fast gleichzeitig wie die Truppen Napoleons auf die Wanderschaft durch ganz Europa aufmachte. Die Pflanze verbreitete sich dann mit einer rasenden Geschwindigkeit und war bereits 40 Jahre später in ganz Deutschland ein „gefürchtetes“ Unkraut.

Dabei lässt sich dieses Kraftpaket, das noch dazu wunderschön kleine Blüten besitzt, für uns und unsere Gesundheit nutzen. Sie benötigt stickstoffreichen Boden, volle Sonne bis Halbschatten. Eine Pflanze kann bis zu 100 000 Samen hervorbringen und diese können sogar bis zu 10 Jahre keimfähig bleiben.

Inhaltsstoffe des Franzosenkrauts

Die Inhaltstoffe der Pflanze sind Schleimstoffe, Bitterstoffe, Vitamine, Eisen in großer Menge und dazu eben noch viel Kalzium. Durch diese Stoffe wirkt die gesamte Pflanze auf unseren Körper immunstärkend und allgemein kräftigend.

Die noch jungen zarten Blättchen und Stiele der Pflanze können frisch oder aber auch gekocht verwendet werden und sind sehr wohlschmeckend und gesund.

Übrigens stellt das Franzosenkraut keine ernstzunehmende Konkurrenz zu Erdbeeren oder anderen Pflanzen im Garten dar. Im Gegenteil – diese Pflanze bereichert den Boden um die Nutzpflanzen herum und wir können sie getrost im heimischen Garten dulden und die schönen kleinen Blüten aufs Butterbrot geben.


4. Der Acker-Gauchheil

Der Acker-Gauchheil ist ein Primelgewächs, wird nur 5 bis maximal 20 cm hoch und ist eine niederliegend kriechende, einjährige Pflanze. In milden Wintern kann sie auch überwintern. Sie benötigt lehmige Böden und besiedelt gerne als erstes offene Stellen an Wegrändern und Ackerflächen oder Aufwühlungen des Wildes. Auch auf wenig gedüngten und gespritzten Ackerflächen ist der Acker-Gauchheil noch häufig zu finden.

Der Acker-Gauchheil im Volksglauben

Die Pflanze ist in allen Teilen schwach giftig und wird heute kaum mehr in der Volksheilkunde verwendet. Früher wurde ein Tee zur schmerzstillenden Wirkung bei Zahnschmerzen eingesetzt. Bei Reizhusten, Asthma und Atemnot trank man bei in akuten Fällen 1 bis 2 Tassen leichten Tee über den Tag verteilt. Bei vorsichtiger Anwendung regte der Tee die Entgiftung von Leber und Nieren an. Bei Überdosierungen konnte es infolge seiner schwachen Giftigkeit auch zu Nierenschädigungen kommen. Dieses unscheinbare Pflänzchen ist wohl eines der ältesten Psychopharmaka, da es schon vor mehr als 2000 Jahren bei Tobsuchtsanfällen und bei Melancholie eingesetzt wurde. In der Magie und der Mystik wurde der Acker-Gauchheil gegen Gespenster und die Nachtmare eingesetzt. So hat man mit dem getrockneten Kraut zu Ostern und zu Weihnachten das Haus und den Hof regelmäßig ausgeräuchert.

 Übrigens sind die Blüten nur von 7 bis 14 Uhr geöffnet und schließen sich bei Ankündigung eines schlechten Wetters schon weit vorher. Daher haben die Bauern den Acker-Gauchheil zur Wettervorhersage benutzt. Man nannte die Pflanze auch Nebelpflanze oder Wetterkraut. Weitere Namen sind Roter Gauchheil, Weinbergstern, aber auch Faule Liesel. Acker-Gauchheil wird heute in Mecklenburg-Vorpommern in der Liste der gefährdeten Pflanzen auf der Vorwarnstufe geführt.

Der Ackergauchheil gehört zu der heimischen bunten Vielfalt auf unseren Äckern. Er ist   mit seinen kleinen, feuerroten Blüten immer ein wahrer „Hingucker“ und ein wunderbares Fotomotiv! Das Wort „Gauch“ kommt von Narr.


5. Der Echte Steinklee

Auch jenes Kräutlein ist ein typisches Sommerkraut, jedoch es ist selten geworden in heimischen Fluren. Nur sein Verwandter, der weiße Steinklee, kommt weit häufiger vor. Echter Steinklee, der Gelbe, gehört zu den Schmetterlingsblütengewächsen. Er kommt an Bahndämmen, Wegrändern oder Kiesplätzen vor und braucht trockenen Boden und volle Sonne. Steinklee blüht von Juni bis in den September hinein. Man nennt ihn auch Honigklee oder Melilotenklee.

Anwendung des Echten Steinklees

Die Pflanze wird 30 bis 120 cm hoch und duftet während der Blüte stark honigähnlich, im getrockneten Zustand jedoch waldmeisterähnlich. Das hängt mit seinen Inhaltsstoffen zusammen, die da wären: Cumarin (wie beim Waldmeister), Allantonin, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Kalzium. In der Kräuterheilkunde wird er als harntreibend, erweichend und schlaffördernd beschrieben. Für Heilzwecke wird das blühende Kraut gesammelt und sorgfältig im Schatten getrocknet. Als Tee getrunken soll er bei Bronchialkatarrh und Hämorrhoiden helfen.

Steinkleesträußchen wurden – wie auch der Waldmeister – in Schränken oder Truhen mit Kleidern gegen Kleidermotten eingesetzt. Äußerlich wird Steinklee bei schlecht heilenden und eiternden Wunden als Umschlag oder Kompresse angewandt. Umschläge mit Steinklee sind auch schmerzlindernd. Ein starker Aufguss von Steinklee, getrunken vor dem Schlafengehen, soll die Einschlafphase verkürzen und beruhigt ebenfalls nach einem anstrengenden und nervenaufreibenden Tag. Dieser Tee sorgt nicht nur für einen angenehmen Schlaf sondern wirkt sich auch positiv auf die Nierentätigkeit aus. Zudem hat sich der Tee bei leichten Kopfschmerzen bewährt und bringt rasche Linderung.

Der Echte Steinklee in der Küche

Nicht nur in der Volksheilkunde ist Steinklee einzusetzen, sondern auch in der Küche. Die getrockneten Blüten oder Blätter nehme ich zum Würzen von Süßspeisen wie Vanillepudding. Die Pflanzenteile sollten in Milch aufkochen und dann entfernt werden. Dann die aromatisierte Milch verwenden.

Auch zum Würzen von Frischkäse, Wild und Fisch lässt sich Steinklee verwenden. Zum Herstellen eines schmackhaften Kräuterlikörs lassen sich aromatische Kräuter ebenfalls mit Steinklee ergänzen. Nur hier sollte man nicht zu viel Steinklee verwenden.

Eines ist noch wichtig: Der echte gelbe Steinklee ist – wie oben erwähnt – selten geworden. Wenn Ihr ihn nutzen wollt, pflückt bitte nur wenige Teile einer Pflanze. Die Pflanze wird von Hummeln und Insekten stark besucht und Hummelpflanzen sind ohnehin schon recht selten in unserer heimischen Flora. 


6. Die Große Klette

Diesen Namen besitzt diese Pflanze wirklich zu Recht. Erreicht sie doch eine Wuchshöhe von 50 cm bis 2 m. Die Pflanze gehört zu den Korbblütlern und wächst an Wegrändern, sogenannten Ruderalgebieten, dazu gehören z. B. Schuttplätze oder Flächen in der Nähe von menschlichen Siedlungen.

Die Große Klette als Heilpflanze

Die Grundblätter sind sehr groß und herzförmig. Man könnte sie auch als Hut benutzen. Die Blüten sind rosaviolett mit den berühmten, hakigen Hüllblättern. Zum Ende des Sommers hat man früher die Wurzeln als Gemüse verwendet. Das ist heute so gut wie vergessen. Die Wurzel wird im Herbst des 1. oder im Frühjahr des 2. Jahres gegraben. Die Wurzel könnte nun verwendet werden zu gemischtem Wurzelgemüse. Noch sehr junge Pflanzentriebe könnte man wie Spargel zubereiten.

Die Inhaltsstoffe sind besonders in der Wurzel: vor allem Inulin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, ätherisches und fettes Öl, Polyine – dies wirkt gegen Bakterien und Viren. Klettenwurzel wirken harn- und schweißtreibend, stoffwechselanregend und blutreinigend. Schon Pfarrer Kneipp lobte diese Pflanze als gutes Mittel bei Magengeschwüren, Reizungen der Magenschleimhaut sowie bei schlechter Verdauung. In diesen Fällen empfahl er, sie in Form von Blättertee zu sich zu nehmen. Die Klette ist schon seit alters her ein bewährtes Mittel zur Blutreinigung des Körpers. Auch der Wurzel werden durch alle Jahrhunderte hindurch hautreinigende Wirkungen zugeschrieben. Dieser großen schönen Pflanze schreibt man auch noch heute eine Wirkung für schöne Haare zu. Noch heute gibt es Klettenwurzelöl in den Drogerien zu kaufen. Dieses Öl wirkt auch sehr gut bei Rheuma, Gelenkschmerzen und Hauterkrankungen. Also auch heute noch eine mächtige Heilpflanze und dazu so stattlich groß.

Die Pflanze bekam vom Volksmund Namen wie: „Soldatenkopf“, „Bedelknopf“, „Igelblume“, „Haarreißer oder auch „Donnerblatt“ – nach dem Donnergott Donar oder auch Thor genannt.

Besonderheiten der Großen Klette

Einmalig ist auch die Strategie der Pflanze, sich zu vermehren. Wenn die Blüten vergangen sind, erfreuen sich natürlich an den Samen unsere heimischen Singvögel, wie der Stieglitz, der die Samen gerne erntet und frißt. Aber auch an Tierfellen bleiben die Samen mit den schönen Klettehaken hängen und so wird die Pflanze weitergetragen.

Die wunderschönen Blüten sind auch immer ein rechter Tummelplatz für unzählige Insekten, wie Käfer und Schmetterlinge. Es lohnt sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen, wenn man an einer Großen Klette vorbeikommt.


7. Die Besenheide

Diese Pflanze zählt zu den Heidekrautgewächsen. Calluna vulgaris wird sie botanisch genannt. Unser Volksmund gab dieser Pflanze Namen wie „Heidekraut“, „Erika“ oder sogar den wohlklingenden Namen „Immerschönblatt“. Der Standort von der Besenheide ist kalkfreier Boden an lichten Waldrändern sowie auf Heiden. Sie liebt die volle Sonne sowie strauch- und baumfreie Standorte.

Die Besenheide in der Volksheilkunde

In der Volksheilkunde wurde diese Pflanze auch genutzt, da sie wertvolle Inhaltsstoffe besitzt. Gerbstoffe, ätherisches Öl, Kieselsäure und Schleimstoffe sind nur einige ihrer Bestandteile. Durch diese Bestandteile wurde der Tee des ganzen blühenden Krautes als harntreibendes Mittel genutzt. Auch wirkt Besenheide blutreinigend und bei Durchfallerkrankungen stopfend.

Der berühmte Pfarrer Kneipp schätze diese alte Heilpflanze sehr und verwendete sie bei Gicht- und Rheumaerkrankungen wegen ihrer entwässernden Wirkung. Ein Tee aus der Besenheide – wenn er mit Honig gesüßt wurde – soll das Einschlafen besonders fördern. Kleingeschnittene Pflanzenteile wie Blätter mit Blüten wurden auch in gutem Olivenöl angesetzt und 2-3 Wochen lang in die häusliche Wärme gestellt. Dieses Öl wurde zum Einreiben von Flechten und Ausschlägen benutzt.

Die Besenheide im Volksglauben

Auch aus dem Volksglauben gibt es etwas zu berichten. Wenn die Besenheide als Kranz um einen Spiegel gehangen wurde, war das ein Mittel gegen Beschwörungen und bösen Zauber im Haus und zum Schutze der Hausbewohner. Übrigens, dort wo die Besenheide blüht, sind auch immer zahlreiche Schmetterlinge, Schwebfliegen und andere Insekten zu bestaunen.

Die Besenheide ist auch ein Anziehungspunkt für unsere Wild- und Honigbienen, so dass diese Pflanze zu Recht auch eine wertvolle Aufgabe im Ökosystem Heide erfüllt. Hochinteressant anzuschauen ist die Besenheide im Spätsommer, wenn im September dann die vom Morgentau benetzten Spinnenweben den „Altweibersommer“ einläuten. Dann beginnt eine neue farbenprächtige Jahreszeit.


8. Der Gundermann

Der Gundermann ist ein Kräutlein, das fast unscheinbar auf feuchten Wiesen, in lichten Laub-, Misch- und Auwäldern dem Kräuterkundigen auffällt. Der Volksmund gab diesem Kräutlein ebenfalls einige schöne Namen wie: Gundelrebe oder Zaungucker. Diese Pflanze war unseren Altvorderen dem Gott Thor oder auch Donar geweiht, weshalb man Gundermann auch „Donnerrebe“ nannte.

Von dem blühenden Kraut steigt ein betörender stark balsamischer Duft in die Nase. Die blauen bis violetten Lippenblüten dieser Pflanze fallen einem sofort ins Auge. Der Gundermann gehört somit zu den Lippenblütengewächsen. Zerdrückt man die Blättchen zwischen den Fingern, entfaltet sich ebenfalls sein ungewöhnlicher Duft.

Heilkraft des Gundermanns

Was hat es auf sich mit dem Namen Gundermann? Man vermutet, dass der Name mit dem alten Wort „gunt“ für Eiter zu tun hat. In früheren Zeiten war es schwer, schlecht heilenden Wunden aus kriegerischen Auseinandersetzungen zum Heilen zu bringen. Da der Gundermann Gerbstoffe besitzt, die die Eigenschaft haben, eine Wunde besser zu schließen, legte man die geriebenen Blättchen auf solche Wunden. Gundermann ist außerdem ein hochgradiger Eisenträger und damit blutbildend. Nicht nur Gerbstoffe sind ihm eigen. Er besitzt auch Bitterstoffe, ätherische Öle und ein wenig Vitamin C.

Gundermann regt als Tee genommen den gesamten Stoffwechsel an, fördert die Nierentätigkeit und die Reinigung der Blase. Er ist ein echter Schlankmachertee.

Der Gundermann in der Küche

Die Blättchen des blühenden Krautes an Salate oder Suppen gereicht, wirken sich auf den ganzen Körper positiv aus. Dieses Kräutlein ist ein echtes Würzkraut und gibt besonders der südlichen Küche seinen würzigen Charakter. Gundermann sollte man in heiße Milch geben, ziehen lassen und bei Erkältungskrankheiten trinken. Diese Milch wirkt schleimlösend.

Das Pflänzchen wird etwa 15 bis 50 cm hoch und kriecht am Boden, denn nur die blühenden Stängel mit vierkantigem Stiel treiben dem Sonnenlicht entgegen. Auch lässt Gundermann sich gut Trocknen und in Kombination mit anderen Kräutern und grobem Meersalz zu einem wohlschmeckenden Kräutersalz herstellen.

Nach einer alten Überlieferung heißt es: wer die ersten drei Gundermann Blättchen im Frühjahr an Ort und Stelle mit Andacht und bewusst verspeist, bleibt das ganze Jahr gesund. Wenn das kein Grund sein sollte, dieses Kräutlein zu suchen, zu bewundern und zu nutzen.

Die nächsten Führungen in Rügens Kräuterwelt

An diesen folgenden Terminen könnt Ihr zusammen mit René Geyer einen Streifzug durch Rügens Natur machen.

Mehr über Rügens Kräuter erfahren

Erkundet bei Kräuterführungen im Biosphärenreservat Südost Rügen mehr von dieser einzigartigen Pflanzenwelt. Der bekannte Natur- und Erlebnisführer zeigt Euch die schönsten Exemplare in freier Natur. Entdeckt mehr über gesunde Winterkräuter, Frühlingskräuter und Herbstkräuter.

Naturführer René Geyer
E-Mail: info@naturgeyer.de
Telefon: 0173 9898031
Website

Gastautor

René Geyer

René Geyer kennt die Inselnatur ganz genau. Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanzen sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Führungen findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und unter www.naturgeyer.de

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.