10 mystische Funde von Rügen, die Euch in die Vergangenheit entführen

Imposante Burgwälle, rätselhafte Schälchen- und Opfersteine sowie Grabnekropolen. Quer über die Insel Rügen verteilt findet man mystische Relikte aus der Vergangenheit, die die Landschaft der Insel prägen. Erfahrt mehr dazu!

1. Quoltitzer Opferstein

Bei dem Quoltitzer Opferstein handelt es sich um einen der größten Findlinge Rügens. Er befindet sich zwischen Gummanz und Nardevitz in der Nähe der alten Kreidebrüche. Auf der Oberfläche des Steins sind etliche kreisrunde Eintiefungen (Schälchen), eine deutliche Rinne von Sprengversuchen und Spuren zur Entnahme von Rundsteinen, die vermutlich zu Rundmühlen verarbeitet wurden, zu entdecken. Der Granitstein mit einem Gewicht von 73 Tonnen hat an seiner Basis einen Umfang von 13,5 m. Neben Caspar David Friedrich stellten auch andere bedeutende Maler der Romantik diesen besonderen Stein dar. Wozu die Schälchen auf dem Findling dienten, ist bis heute nicht geklärt. Kultische Praktiken werden gewöhnlich vermutet, können aber nicht belegt werden. Funde von kreisrunden Feuersteinen neben einem weiteren Näpfchenstein bei Lubkow nahe Prora können Hinweise auf die Entstehung der Schälchen geben. Die vernarbten Feuersteinkugeln passen genau in die Schälchen des Steins, so dass diese durch Rotationsdrehungen der Flintkugel entstanden sein mögen. Nahe des Steins wurden ein Flintsichelfragment, eine Blattspitze, Bernsteinperlen sowie menschliche Knochenreste gefunden, die zahlreiche Spekulationen zum „Opferstein“ ermöglichen.


2. Opfersteine bei Sassnitz

Südlich des ehemaligen Forsthauses im Forst Werder bei Sassnitz befinden sich zwei große Findlinge. Auf der Oberfläche des einen von Moos überwachsenen rosafarbenen Granites sind mindestens 23 Schälchen, wozu auch Doppelschälchen zählen, auszumachen. Circa fünf Meter vom Schälchenstein entfernt, ist ein weiterer Granit in grauer Farbe mit mindestens zwei Schälchen zu entdecken. Ein abgesprengtes Fragment von diesem Findling liegt in drei Metern Entfernung. Zwischen den Findlingen kreuzen alte, zugewachsene Wege. Beide Schälchensteine werden gern als „Opfersteine“ bezeichnet.


3. Der Schwanenstein bei Lohme

Der berühmte Schwanenstein befindet sich nur ca. 20 m vom Strand entfernt, etwas 100 m östlich von Lohme. Dieser 162 t schwere, 7 m lange und 5 m breite Findling aus rötlichem Hammergranit wurde wahrscheinlich von Bornholm aus über Gletschermassen der letzten Eiszeit bis nach Lohme transportiert. Laut einer Sage zum Findling werden die Babys im Winter vom Schwan und im Sommer vom Adebar gebracht. In der Zwischenzeit sind die Kinder im Stein verborgen. In der Nähe des Steins ist eine Gedenktafel errichtet, die an das Schicksal von drei auf dem Schwanenstein verunglückten Jungen im Winter 1956 erinnert. Sie haben auf dem Stein vor dem brechenden Eis Schutz gesucht. Doch ist ihnen der Findling zum Verhängnis geworden, da sie dort vom tosenden Meer eingeschlossen wurden und auf dem Sagenstein erfroren. Die außergewöhnliche Rettungsaktion musste wegen zu hoher Schneewehen, starkem Sturm und heftiger Brandung abgebrochen werden.


4. Das Megalithgrab bei Lohme

Lohme war in der Stein- und Bronzezeit von einer großen Anzahl an Hünen- und Hügelgräbern umgeben. Insbesondere die jungsteinzeitlichen Großsteingräber wurden von den sogenannten Steinschlägerkolonnen aufgesucht und zur Steingewinnung u. a. für den Straßenbau, die Errichtung von Hausfundamenten oder für besondere Denkmale, wie den Bismarckstein in Putbus genutzt. Ein selten gut erhaltenes Megalithgrab befindet sich ca. 1,5 km südlich von Lohme am Magelowberg. Vor der Notgrabung von 1983 als bronzezeitliches Hügelgrab gedeutet, entlarvte sich der ca. 15 m hohe Hügel als eine Rügener Besonderheit unter den Großsteingräbern: ein Ost-West ausgerichtetes Ganggrab mit vier Decksteinen, d. h. ein Grab mit angefügtem Gang an der Längsseite, hier der Nordseite. Die zwei entdeckten slawischen Körpergräber im Hügel belegen die wiederholte Nutzung des Grabes ca. 4500 Jahre später.


5. Der Findling Buskam

Der sagenumwobene „Buhskam“ oder auch „Buskamen“ bei Göhren ist mit seinen gewaltigen ca. 1600 Tonnen der größte bisher entdeckte Findling in ganz Norddeutschland. Der Steingigant ragt je nach Wasserstand ungefähr 1,50 m aus dem ca. 7 m tiefen Wasser heraus. Auf der Oberfläche des Hammergranites sind unzählige Schälchen bzw. Näpfchen angebracht, deren Sinn und Zweck, aber auch deren Datierung, bis heute nicht geklärt sind.

6. Die älteste Burganlage Rügens

Die vermutlich älteste Burganlage Rügens wird als der „Hengst“ bezeichnet. Dieser Burgwall liegt direkt am Steilufer der Kreideküste nur ca. 1 km von Sassnitz entfernt. Bedingt durch seine Lage stürzen fast jedes Jahr Reste des „Sattels“ (des Walles) ins Meer. Der Name „Hengst“ stammt angeblich von der Kliffformation, in der wohl phantasiereiche Fischer von See aus einen Pferdkopf erkennen wollten. Vom Wall ist noch ein bogenförmiger ca. 90 m langer Abschnittswall erhalten, der in der Mitte einen Einschnitt, vermutlich einen Zugang zur Innenfläche, aufweist. Geborgen wurden u. a. Tierknochen und Keramikscherben aus der Bronze- und Slawenzeit. Sofern eine frühe Datierung in die Bronzezeit zutrifft, läge hier tatsächlich der älteste Burgwall von Rügen.

Auf einer zum „Hengst“ nahe gelegenen bewaldeten Moränenkuppe am Steinbach liegt der sog. „Schlossberg“, eine annähernd rechteckige noch ca. 2 bis 8 m hohe Wallanlage, die im Südwesten durch Kiesentnahme und eine Kreidegrube gestört ist. Im Norden und Osten des ca. 100 x 180 m großen Walles, der sich in der Nähe des ehemaligen Forsthauses Werder befindet, sind noch ca. 1,5 m tiefe Außengräben, im Süden ähnlich tiefe Innengräben erhalten. Im Norden des Walles sind heute noch drei torähnliche Zugänge erkennbar. Auf der Ostseite des Walles befindet sich zusätzlich noch ein Durchlass. Keramikscherben und Feuersteinartefakte konnten vom „Schlossberg“ geborgen werden. Trotz der Funde bleibt die Datierung des Walles schwierig. Vermutlich ist er der Slawenzeit zuzuordnen. Aufgrund der nahen Lage zum „Hengst“ und anderer Indizien lässt sich jedoch auch annehmen, dass der „Schlossberg“ zur gleichen Zeit wie der „Hengst“ genutzt wurde – möglicherweise schon in der Bronzezeit.


7. Der Große Stein von Nardevitz

Der ca. 250 m vom Rugeshus entfernte „Große Stein“ von Nardevitz weist ebenfalls beeindruckende Maße von 8,60 m x 4,60 m x 3,10 m (L x B x H) auf. Mit seinen 281 Tonnen Gewicht ist dieser mächtige Granit neben dem „Buhskam“ der zweitgrößte Findling auf Rügen. Der ehemals dreifach so große Stein diente nachweislich 1854 als Steinbruch für die Gewinnung von Baumaterial zur Herstellung von Denkmälern, wie beispielsweise für die sog. Preußensäulen. Sprengkanten und Rillen lassen den Findling sehr unregelmäßig geformt wirken, weshalb er gern mit Kulthandlungen in Verbindung gebracht wird.


8. Hügelgräber im Nationalpark Jasmund

Im Nationalpark Jasmund kommen unzählige Hügelgräber vor, die zeitlich meist in die Folgeepoche der Jungsteinzeit – Bronzezeit (Beginn ab ca. 2000 v. Chr.) – einzuordnen sind. Nicht immer lassen sich rein optisch Hügelgräber von jungsteinzeitlichen Megalithgräbern unterscheiden, denn auch die Hünengräber mit ihrer steinernen Grabkammer wurden damals oft überhügelt. Auch in anderen Epochen, z. B. in der Slawenzeit, wurden Hügelgräber gebaut, weshalb die zeitliche Einordnung dieses Grabtyps nie leichtfällt.


9. Der Sühnestein bei Schaprode

Ein weiterer 2,40 m hoher Sühnestein befindet sich an der Hauptstraße am nördlichen Ortsausgang von Schaprode. Der obere Teil der Steinplatte ist kreisförmig ausgearbeitet, an diesem wiederum sind zwei weitere kleine Kreisformen („Ohren“) angebracht. Auf dem Sühnekreuz sind ein beidseitiges Kruzifix, ein Wappen und Buchstaben, die heute nicht mehr zu entziffern sind, zu erkennen. Diverse Sagen ranken sich um dieses alte verwitterte Monument. Sie alle kommen auf die Familie von Platen zurück. Berichtet wird auch von zwei Mönchen, aber auch zwei Studenten aus der Familie von Platen, die hier im Duell gefallen sein sollen. Auch der Tod eines Bischofs wird im Zusammenhang mit der Mordwange immer wieder erwähnt. Lemcke, ein Forscher aus Stettin, weiß wiederum zu berichten, dass hier am 15. Juli 1368 der Ritter Reynwart von Platen und seine Söhne erschlagen worden sind.


10. Der Sühnestein von Gingst

Der Sühnestein in Gingst befindet sich nahe der äußeren Chorwand der Sankt-Jacob-Kirche. Ursprünglich wurde er als Mordwange zum Gedenken an die Ermordung des Pfarrers Laurentius Krintze im Jahr 1554 errichtet. Anfang des 18. Jh. wurde die Stele jedoch zum Grabstein umfunktioniert. Zusammen mit den schon genannten Sühnesteinen von der Insel Rügen ist auch diese Mordwange ein Zeugnis des damals herrschenden Faustrechts, dem viele Menschen zum Opfer gefallen sind.


Archäologische Touren über Rügen

Archäo Tour Rügen, Dr. Katrin Staude, bietet auf Rügen zu diversen Monumenten, wie Hünengräbern, slawischen Burgen, Hügelgräbern, aber auch zu den Sagen-, Sühne- und Opfersteinen professionelle und interaktive Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad an. Im Nationalpark Jasmund, im Biosphärenreservat Südost-Rügen, in den Moorbergen im Forst Prora bei Binz aber auch am Kap Arkona oder im Schlosspark Dwasieden könnt Ihr Geschichte zum Anfassen und „Begreifen“ mit Artefakten und Repliken, die selbst in die Hand genommen werden können, hautnah erleben. Neben der Archäologie und Geschichte spielen auch geologische oder botanische Besonderheiten, wie die Entstehung der Kreide oder des Feuersteins, eine wichtige Rolle.

Auf Anfrage bietet Archäo Tour Rügen auch davon abweichende Extratouren, Gutscheine zum Geburtstag oder anderen Anlässen, Schulklassenprogramme und Kindergeburtstage zu Haus mit dem Feuer machen oder der Herstellung eines Steinzeitmessers an sowie Workshops für Groß und Klein zum „Steinzeit erleben“.

Archäo Tour Rügen
Dr. Katrin Staude
Telefon: 015772731751
www.archaeo-tour-ruegen.de

Wann starten die nächsten Touren?

Die aktuellen Termine für die archäologischen Wanderungen findet Ihr Veranstaltungskalender, in der Rügen-App und auf www.archaeo-tour-ruegen.de

Gastautorin

Dr. Katrin Staude

Schon während des Archäologiestudiums entschied sich Dr. Katrin Staude zu einer Ausbildung zur Forschungstaucherin. Nach einigen spannenden Grabungsleitungen an Land und im Wasser gründete sie Archäo Tour Rügen, ein Unternehmen, das archäologisch-naturkundliche Führungen auf Rügen, Vorträge, aber auch Steinzeit-Workshops sowie Schulklassen- und Geburtstagsprogramme anbietet. Die promovierte Archäologin liebt die Natur, die und die Insel Rügen, die in ganz Norddeutschland die größte Dichte an Bodendenkmälern aufweist. Die Expertin vermittelt in ihrer Kolumne im Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen Wissenswertes zu Rügens alten Funden.

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.