Die 5 riesigsten Findlinge von Rügen

Gastbeitrag Dr. Katrin Staude

Auf Rügen findet der Besucher neben archäologischen Besonderheiten, wie die vielen Großsteingräber, Burgwälle, Hügelgräber, Schanzen oder Bild- bzw. „Opfersteine“ auch diverse geologische Kostbarkeiten. Lasst Euch von den BIG FIVES beeindrucken!

Was sind eigentlich Findlinge?

Findlinge sind große Blöcke aus Gesteinen, die sich nicht am Entstehungsort befinden, sondern durch Gletscher über weite Distanzen zum Ablagerungsort verfrachtet wurden.


Wo liegen die Findlinge auf Rügen?

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Wir haben Euch diese Karte zusammengestellt, mit der Ihr ganz leicht zu den Findlingen gelangt.


1. Der Buskam bei Göhren

Buskam bei Göhren © Dr. Katrin Staude

Der größte Findling auf Rügen ist der Steingigant „Buskam“ bei Göhren mit einem Gewicht von 1.600 Tonnen und einem Volumen von ca. 600 Kubikmetern. Er gilt auch als der bisher größte gefundene Findling in Norddeutschland.

Er ragt je nach Wasserstand ungefähr 1,50 Meter aus dem ca. 7 Meter tiefen Wasser heraus. Auf der Oberfläche des Hammergranits sind unzählige Schälchen bzw. Näpfchen angebracht, deren Sinn und Zweck, aber auch deren Datierung, bis heute nicht geklärt sind. Kultische Praktiken werden vermutet, können aber nicht belegt werden.


2. Große Stein von Nardevitz

Großer Stein von Nardevitz © Dr. Katrin Staude

Ein weiterer besonderer Findling befindet sich ca. 2,5 km westlich von Lohme bei Nardevitz nur ca. 250 m vom Rugeshus entfernt. Der sogenannte „Große Stein“ von Nardevitz – auch als Rillenstein bezeichnet – weist beeindruckende Maße von 8,60 Meter x 4,60 Meter x 3,10 Meter (L x B x H) auf. Mit seinen 281 Tonnen Gewicht ist dieser mächtige Granit neben dem „Buskam“ bei Göhren der zweitgrößte Findling auf Rügen. Der ehemals dreifach so große Stein diente nachweislich 1854 als Steinbruch für die Gewinnung von Baumaterial zur Herstellung von Denkmälern, wie beispielsweise für die Preußensäulen. Sprengkanten und Rillen lassen den Findling sehr unregelmäßig geformt wirken. Es handelt sich also um ein einmaliges Zeugnis für die Ausbeutung von Findlingen. Doch nicht nur Findlinge in Wald und Flur wurden als Steinbruch verwendet. Auch die mächtigen Hünengräber – aus diversen großen und kleinen Findlingen errichtet – erlitten das gleiche Schicksal.


3. Stein bei Blandow

Nordöstlich der Ortschaft Blandow   bei Lohme liegt der drittgrößte Findling von Rügen. Er misst ein Volumen von 65 Kubikmetern. Mit einem Ausmaß von 8 Meter Länge, 5 Meter Breite und 3,1 Meter Höhe bringt er 175 Tonnen auf die Waage.          
Hier findet Ihr diesen Findling: ein 400 Meter langer Weg führt von der Bushaltestelle Blandow zum steinigen Ostseestrand, dann 400 Meter Fußmarsch Richtung Osten.


4. Der Siebenschneiderstein

Siebenschneiderstein © Dr. Katrin Staude

So befindet sich am Gellort nahe Kap Arkona, der Nordspitze von Rügen, der ca. 165 Tonnen schwere Siebenschneiderstein (plattdeutsch: Söbenschniedersteen). Mit seinen 61 Kubikmetern ist er der viertgrößte Findling von Rügen.

Wie der Stein zu seinem Namen „Siebenschneiderstein“ gekommen ist, kann heute nur erraten werden: Sieben Schneider hätten auf dem großen Stein Platz gefunden.


5. Der Schwanenstein

Schwanenstein © Dr. Katrin Staude

Der berühmte Schwanenstein befindet sich nur ca. 20 m vom Strand entfernt, etwas 100 m östlich von Lohme. Dieser 162 Tonnen schwere, 7 Meter lange und 5 Meter breite Findling aus rötlichem Hammergranit wurde wahrscheinlich von Bornholm aus über Gletschermassen der letzten Eiszeit bis nach Lohme transportiert.

Die Sage um den Schwanenstein

Laut einer Sage zum Findling werden die Babys im Winter vom Schwan und im Sommer vom Adebar gebracht. In der Zwischenzeit sind die Kinder im Stein verborgen. In der Nähe des Steins ist eine Gedenktafel errichtet, die an das Schicksal von drei auf dem Schwanenstein verunglückten Jungen im Winter 1956 erinnert. Sie haben auf dem schönen Stein vor dem brechenden Eis Schutz gesucht. Doch ist ihnen der Findling zum Verhängnis geworden, da sie dort vom tosenden Meer eingeschlossen wurden und auf dem Sagenstein erfroren sind. Die außergewöhnliche Rettungsaktion musste wegen zu hoher Schneewehen, starkem Sturm und heftiger Brandung abgebrochen werden. 


Der Gerichtsstein in Bergen

Gerichtsstein © Dr. Katrin Staude

Er gehört zwar nicht zu den größten Findlingen auf Rügen, aber macht mit seiner Größe in Bergen dennoch was her. Der ca. 35 Tonnen schwere Findling ist im Gegensatz zu den oben genannten Denkmälern in der Nähe vom Bergener Marktplatz leicht zu entdecken. Dieser ca. 8 Kubikmeter große Findling könnte der Gerichtsstein des mittelalterlichen bzw. neuzeitlichen Bergens gewesen sein. Die Lage innerhalb des Stadtbildes lässt diese Hypothese wahrscheinlich werden. Zwischen Markt und Kloster befand sich damals der Gerichtsplatz. Da jedoch 1803 das Landgericht von der Insel auf das Festland verlegt wurde, geriet der Stein in Vergessenheit und wurde überbaut. Bei Bauarbeiten wurde er im Jahr 1996 wiederentdeckt.

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Die nächsten archäologischen Touren

Frau Dr. Staude entführt Euch zu Rügens archäologischen Funden. Die aktuellen Termine für ihre Touren findet Ihr im Veranstaltungskalender, in der Rügen-APP und auf www.archaeo-tour-ruegen.de

Gastautorin

Dr. Katrin Staude

Schon während des Archäologiestudiums entschied sich Dr. Katrin Staude zu einer Ausbildung zur Forschungstaucherin. Nach einigen spannenden Grabungsleitungen an Land und im Wasser gründete sie Archäo Tour Rügen, ein Unternehmen, das archäologisch-naturkundliche Führungen auf Rügen, Vorträge, aber auch Steinzeit-Workshops sowie Schulklassen- und Geburtstagsprogramme anbietet. Die promovierte Archäologin liebt die Natur, die und die Insel Rügen, die in ganz Norddeutschland die größte Dichte an Bodendenkmälern aufweist. Die Expertin vermittelt in ihrer Kolumne im Urlaubermagazin Urlaub à la Rügen Wissenswertes zu Rügens alten Funden.

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Eva-Maria

Eva-Maria

Mit ihrem geschulten Rügen-Kennerblick erkundet Eva-Maria gern mit ihrer Familie die ganze Insel und zeigt Euch ihre Lieblingsplätze. Im Südosten der Insel Rügen verbrachte sie ihre Bullerbü-Kindheit und ging dann zum Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften nach Wien. Vom Land in die Stadt, vom Meer auf den Berg: nach diesem Kontrastprogramm hat sie wieder auf Rügen Fuß gefasst. Was sie mit Rügen verbindet? Heimat, die tägliche Dosis Meer und ein Gespür für die Eigenarten der Rüganer, die trotz kühlem Wesen ein großes Herz für ihre Insel haben.