Der Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen

Der Nationalpark Jasmund auf Rügen erstreckt sich auf der gleichnamigen Halbinsel zwischen der Hafenstadt Sassnitz und dem Ort Lohme und ist mit seiner Gesamtfläche von 3.070 Hektar der kleinste Nationalpark Deutschlands. Das Gebiet wurde 1990 zum geschützten Naturraum erklärt und umfasst den bis auf 161 m über N.N. liegenden Höhenrücken der Stubnitz mit seinem alten Buchenwald, die weithin bekannten Steilufer der Kreideküste mit dem sog. Königsstuhl und einen kleinen Bereich der Ostsee. Insgesamt 493 Hektar der im Nationalpark befindlichen Buchenwälder sind zudem seit 2011 anerkanntes UNESCO-Welterbe.

Natur Natur sein lassen

Foto © TMVPast

Das Konzept Nationalpark, also die Unterschutzstellung eines bestimmten Gebietes, besteht bereits seit 1872 mit der Gründung des Yellowstone Nationalparks in den USA. Ziel eines Nationalparks ist es, der Natur ihren freien Lauf zu lassen und dadurch für Flora und Fauna vom Menschen wenig oder gar nicht gestörte Schutzgebiete zu erhalten. In Deutschland wurde erst 1970 mit dem Bayerischen Wald der erste Nationalpark gegründet.
Aktuell gibt es deutschlandweit 16 Nationalparks, drei davon befinden sich in Mecklenburg-Vorpommern.

Von Eiszeit und Mensch geprägt – der Ursprung des heutigen Nationalparks Jasmund

Jasmund

Das Gebiet des Nationalparks Jasmund ist wie eine Zeitkapsel der Landschafts- sowie Ur- und Frühgeschichte. Zahlreiche Zeugnisse -ob Milliarden Jahre altes Gestein, die Millionen Jahre alte Schreibkreide und die darin enthaltenen Fossilien, verschiedene Bodendenkmäler aus den Zeiten der ersten Besiedlung Rügens oder dendrologische Besonderheiten- sie alle zeugen bis heute von den z.T. tiefgreifenden Veränderungen, die hier stattgefunden haben.

Die Schutzzonen im Nationalpark Jasmund

Der Nationalpark unterteilt sich in drei Zonen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

Schutzzone 1 – Die Kernzone

Die Kernzone umfasst den Hauptteil der Nationalparkfläche, etwa 96 %. Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen der Wildnis freien Lauf gelassen wird, heißt: hier darf der Mensch nicht in die Dynamik eingreifen. Zudem gilt hier ein strenges Wegegebot, die markierten Wege dürfen also nicht verlassen werden.

Schutzzone 2 – Die Pflege- und Entwicklungszonen

Bei der Pflegezone handelt es sich hauptsächlich um kleine, offene Flächen, überwiegend in den ehemaligen Kreidebrüchen. Ziel der dort durchgeführten Pflege -z.B. durch Entbuschung oder Mahd- ist der Schutz seltener Lebensräume oder Arten.

Bei den Flächen in der Entwicklungszone handelt es sich um bewirtschaftete Areale wie Wälder und Grünland oder auch Moore, die durch den Menschen verändert wurden. Ziel der Entwicklungszone ist es, diese Bereiche nach und nach der natürlichen Dynamik zu überlassen.

Schutzzone 3 – Die Erholungszone

Die Erholungszone fasst alle sechs Siedlungsbereiche (teilweise bebaut) im Nationalpark Jasmund zusammen. Maßgeblich für die Art der Erholung sind dabei die Ziele des Nationalparks.

Unterwegs im Nationalpark Jasmund

60 km Wanderwege, 20 km Rad- und Wanderwege und 16 km Reitwege spannen sich wie ein großes Netz durch den Nationalpark Jasmund. Zur Orientierung und Wegeführung findet Ihr große Infotafeln an den Eingängen ins Nationalparkgebiet sowie zahlreiche Hinweise und Beschilderungen im Gelände. Auch Aussichts- und Beobachungspunkte gehören dazu und sind in einer interaktiven Karte auf der Homepage des Nationalpark Jasmund zu finden.

Erlebnispfade „Wald” und „Kreide”

13 Stationen erwarten Euch auf den Hauptwanderrouten zum Nationalparkzentrum Königsstuhl und bieten Euch verschiedene Informationstafeln, Sitzgelegenheiten und Aktivitätsangebote.

Der Erlebnispfad „Kreide“ lotst Euch von der Hafenstadt Sassnitz aus entlang der Kreideküste bis zum Nationalparkzentrum. 8 Stationen könnt Ihr dabei ansteuern, die Euch Infos zu den Themen Lebensraum Kreideküste, Wald und Meer sowie deren Schutzstatus bieten. Unterwegs eröffnen sich Euch immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die Kreideküste, die schon den weltberühmten Maler Caspar David Friedrich (1774 – 1840) seinerzeit zu einem seiner bekanntesten Werke „Kreidefelsen auf Rügen” inspirierten.

In Hagen startet der Erlebnispfad „Wald”. Hier erfahrt Ihr an 5 Stationen viel Wissenswertes rund um die Themen Altes Torfmoor, Buchenhallenwald, Totholz, den Herthasee sowie den Erlenbruch.

Bänke, eine Hängematte und Stelen bieten Euch Verschnaufpausen. Ein besonderes Highlight ist der nahe der Victoriasicht aufgestellte Holzstuhl mit kronenförmiger Rückenlehne, der Euch einen tollen Blick auf den „echten“ Königsstuhl und die Kreidefelsen bietet. Perspektivwechsel bietet an anderer Stelle ein Spiegel und am Herthasee erfreut ein sogenanntes Erzählrohr große und kleine Wanderer.

UNESCO-Welterbeforum

Ein ebenfalls lohnenswertes Wanderziel im Nationalpark ist das UNESCO-Welterbeforum. Die ehemalige „Waldhalle” ist heute Wanderstützpunkt und Info-Stelle und beherbergt zudem die Ausstellung „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderen Regionen Europas”.
Von der Buswendeschleife am Wedding in Sassnitz führt Euch ein ausgewiesener Wanderweg direkt ins Herz des Buchenwaldes und zum Welterbeforum.

In unserem Beitrag Tolle Orte zum Wandern auf Rügen findet Ihr noch weitere inselweite Tipps und Routenvorschläge.

Nationalparkzentrum Königsstuhl und der Skywalk

Nationalpark Zentrum Koenigsstuhl Skywalk

Bei einer Wandertour im Nationalpark darf natürlich ein Besuch im Nationalparkzentrum Königsstuhl nicht fehlen. Die interaktive Erlebnisausstellung nimmt Euch mit auf eine Zeitreise durch die Entwicklungsgeschichte der Kreide sowie der Insel Rügen. Ebenso stehen Euch das Multivisionskino, Führungen und weitere Veranstaltungen zur Auswahl. Ein absolutes Highlight ist die Aussicht vom Skywalk. Die schwebende Aussichtsplattform oberhalb des berühmten Kreidefelsens Königsstuhl eröffnet Euch spektakuläre Perspektiven und eine fantastische Sicht auf die Kreideküste und die Ostsee.

Birte

Birte

Seit mehr als 10 Jahren lebt und arbeitet Birte auf Rügen. Nach ihrem Studium der Geschichtswissenschaften und Station in Bremen hat sie ihren Lebensmittelpunkt auf unserer schönen Insel gefunden. Als echtes Küstenkind, das immer eine steife Brise um die Nase braucht, fiel ihr der Wechsel von der Nordsee an die Ostsee auch nicht schwer, nur die Tiede fehlt ihr ab und zu mal.

Regionen & Orte auf Rügen

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