Das Meer – Ein faszinierender Lebensraum

Gastbeitrag von Prof. Dr. rer. nat. Jan Schulz, Jade Hochschule Wilhelmshaven

Der Wind und die Wellen der Ostsee haben seit jeher die Küsten der Insel Rügen geprägt. Ob vom Strand aus, vom Hochufer, vom Adlerhorst des Naturerbe Zentrums oder einem anderen Aussichtspunkt, das Meer fasziniert uns und sorgt immer wieder für spektakuläre Ausblicke und atemberaubende Schauspiele der Naturgewalt Wasser.
Auch unter der Wasseroberfläche eröffnet sich ein faszinierender Lebensraum, den man z.B. in der Ausstellung des Deutschen Meeresmuseums sowie im Ozeaneum in Stralsund mit zahlreichen Aquarien entdecken und erleben kann.

Tatsächlich sind weit mehr als 70 Prozent unseres Planeten von Wasser bedeckt. Unter dem größten Teil dieser Fläche findet man Wassertiefen von weit über 200 Metern. Hier dringt man in Regionen vor, in die kein Licht mehr hinabreicht, die Temperaturen auf wenige Grad Celsius abfallen und der Umgebungsdruck bis zum 1000fachen ansteigt. Aus diesem Grund sind von den mehr als 350 Millionen km² Meeresboden bis heute kaum 5% intensiv untersucht. Dennoch stellen diese unbekannten Gebiete mit ihren extremen Bedingungen wichtige Lebensräume für teils unbekannte Arten dar, sind Lagerstätten wichtiger Rohstoffvorkommen und haben Schlüsselfunktionen im weltweiten Klimageschehen.

Meerestechnik – Das Meer braucht Ingenieure

Erster Test eines Tauchroboters zur Erfassung von Umweltparametern Der autonome Unterwasserroboter soll später selbständig Umweltparameter in der Wassersäule aufnehmen Der Test im Tauchbecken ermöglicht eine erste Einschätzung der Stabilität und des Lageverhaltens unter kontrollierten Bedingungen Bild Automatisch generiertes Bild aus einem autonomen Beobachtungssystem Test BumbleBee mit Schwimmer

Um diese Welt zu erschließen, sind Meerestechniker und Meerestechnikerinnen die zentralen Akteure. Definitionsgemäß umfasst die Meerestechnik das gesamte ingenieurstechnische Aufgabenspektrum im marinen Aktionsraum.
Zentrale Themen wie die off-shore Windenergie oder auch Öl- und Gasgewinnung sind hier verortet. Aber auch weniger bekannte Tätigkeitsfelder gehören zu den Aufgaben der Meerestechnik. Dazu zählen so unterschiedliche Bereiche wie die marine Umwelt- und Sicherheitstechnik, Aqua- und Marikultur, Unterwasserplattformen und Robotik, Polartechnik, Hydrographie, Gewinnung mineralischer Rohstoffe oder alle technischen Aspekte der Meeresforschung. Schiffbau und Schiffsbetriebstechnik wird oft als eine eigenständige Disziplingesehen und in vielen Fällen nicht zur klassischen Meerestechnik gezählt.

Mit ihren weit gefächerten Sparten ist die Meerestechnik ein zunehmend wichtiger werdender Baustein der gesamtdeutschen Wirtschaft und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie. Mit einem gesamtökonomischen Effekt von rund 34,2 Mrd. Euro und einer Wertschöpfung von etwa 12,9 Mrd. Euro entspringen diesem Bereich etwa 180.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Durch die breite Aufstellung und hohe Diversifizierung sind diese Zahlen nicht an einzelne Regionen oder Schwerpunktbranchen gebunden, sondern querschnittlich in Wirtschaft und Gesellschaft verankert.

Obgleich viele Messverfahren etabliert und standardisiert sind, gleicht kaum ein Projekt dem anderen und stets muss für neue Herausforderungen ein entsprechendes Design gefunden werden. Gerade in den letzten Jahren entstanden in schneller Folge neue Ideen, um Informationen aus Meerestiefen zu gewinnen, die bisher nahezu unzugänglich erschienen. Innovationen auf dem Gebiet kleiner, leistungsstarker, preisgünstiger und überall verfügbarer Technologien ist dabei eine der treibenden Kräfte. Auch eröffnen Ideen aus den sogenannten Maker-Spaces und Entwicklungen auf dem Feld der Mikrocontroller völlig neue Konzepte.

Jade Hochschule Wilhelmshaven

Bergung eines autonomen Gliders der Teil der weltweiten Flotte zur Messung der globalen Meeresströmungen ist Der hier gefundene Tauchroboter ist nur wenige Meter von seiner geplanten Rendezvous Station vor den Capverdischen Inseln aufgetaucht Er konnte bei moderater See schnell geborgen werden und kam pünktlich zu seinem turnusgemäßen Werfttermin Bild Jan Schulz Glider vor Capo Verde

Um dem Bedarf der nationalen Wirtschafts- und Forschungslandschaft nachzukommen, ist eine fundierte Ausbildung in den klassischen Ingenieurswissenschaften ebenso unabdingbar, wie eine umfangreiche Vermittlung der komplexen Bedingungen, die durch das Meer vorgegeben werden. Die erfolgreiche Umsetzung einer solchen Ausbildung mit begleitender Praxis für Industrie und Forschung erfordert auch den Zugang zu einer entsprechenden Infrastruktur.
Vor diesem Hintergrund bietet die Jade Hochschule am Standort Wilhelmshaven seit 2010 die Möglichkeit des Bachelorstudienganges Meerestechnik. Die mit dem Standort verbundene maritime Charakteristik, die gute Vernetzung in das industrielle Umfeld prägen Forschung und Lehre auf diesem marinen Campus. Hier existiert ein solider Ingenieursstudiengang, welcher Elemente der Mechanik, Elektronik, Informatik und Robotik in den off-shore Bereich überträgt. Diese Elemente bilden die Spezialisierungsgrundlage für komplexe Tätigkeitsfelder im marinen Raum, die ebenso breit aufgestellt sind wie die Meerestechnik selbst.

Die Kooperation mit regional benachbarten Großforschungszentren, wie z.B. dem Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung, bietet Studierenden zudem die Möglichkeit, aktuelle Themen und Bedürfnisse aus der Forschung kennen zu lernen, die dann ingenieurstechnisch umgesetzt werden.
Vorhandene Expertise, unmittelbarer Zugang zum Meer und bezahlbarer Wohnraum machen den Standort Wilhelmshaven zu einem zentralen Ausgangspunkt für eine Karriere in der marinen Technologie und Wissenschaft. Ein anschließender Master „Marine Sensorik“, der zusammen mit der Universität Oldenburg und dem DFKI Oldenburg angeboten wird, erlaubt dabei die weiterführende technische oder wissenschaftliche Qualifikation in der Nord-West-Region, die bis zur Promotion führen kann.

Von Wilhelmshaven in die Welt

Die weltweiten Einsatzgebiete der Absolventen finden sich auf off-shore Plattformen, Forschungsschiffen, in der meerestechnischen Industrie, bei marinen Ingenieurdienstleistern oder Behörden sowie Entwicklungstätigkeiten in heimischen Zulieferbetrieben, die sich von der Küste bis in die Alpen erstrecken.

Ozeaneum und Meeresmuseum Stralsund – abtauchen in die Welt der Meere

Unterwasserwelten im OZEANEUM und MEERESMUSEUM Stralsund

Das OZEANEUM Stralsund lädt mit seinen Ausstellungen, dem „Meer für Kinder“ und 50 Aquarien zu einer einmaligen Unterwasserreise durch die nördlichen Meere ein. Zu den Höhepunkten des Museums zählen Fischschwärme im 2,6 Millionen Liter Wasser fassenden Becken „Offener Atlantik“, die Humboldt-Pinguine auf der Dachterrasse und die Ausstellung „1:1 Riesen der Meere“ mit Nachbildungen von Walen in Originalgröße.


Birte

Birte

Seit mehr als 10 Jahren lebt und arbeitet Birte auf Rügen. Nach ihrem Studium der Geschichtswissenschaften und Station in Bremen hat sie ihren Lebensmittelpunkt auf unserer schönen Insel gefunden. Als echtes Küstenkind, das immer eine steife Brise um die Nase braucht, fiel ihr der Wechsel von der Nordsee an die Ostsee auch nicht schwer, nur die Tiede fehlt ihr ab und zu mal.

Regionen & Orte auf Rügen

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