9 Wildkräuter, die Ihr im Winter entdecken könnt

Wer denkt, Rügen ist in den kalten Jahreszeiten trist und grau, der hat sich geirrt. Viele Wild- und Heilkräuter gedeihen gerade in diesen Monaten. Auf einer großen Wandertour entlang an Feldern, durch Wiesen und Wälder begegnen Euch diese 9 Winterkräuter, die wir Euch hier näher vorstellen wollen.


1. Der Efeu

Winterkraeuter Rene Geyer Efeu inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Jetzt ist die Zeit, da die Bäume des Waldes, die Gebüsche und Gehölze auf den Feldern keine Blätter tragen. Die Natur hat sich in sich selbst zurückgezogen. An manchen Baumriesen aber sieht man dafür jetzt so manchen Arm oder beindicken Stamm bis in die Krone hineinreichen. Es sind die Stämme des Efeus. Efeu gehört zu den Araliengewächsen. Er ist mehrjährig, kletternd und steigt bis in Höhen von 20 Metern in die Baumkronen hinein. Efeu ist keine Schmarotzerpflanze, die dem Kletterbaum die Nahrung oder sonst etwas entzieht. Problematisch wird es nur für den Baum, wenn es einen starken Bewuchs gibt im Kronenbereich und das laubtragende Gehölz durch den Efeu einen Lichtkonkurrenten bekommt. Auch da muss der Mensch nicht eingreifen, es soll dann so sein. Es entschied dann die Natur.

Efeu in der Heilkunde

Efeu hat vom Volksmund viele Namen bekommen wie: Epich, Eppig, Ewigheu, Hühneraugenkraut oder Baumeppichblätter. In der Volksheilkunde ist Efeu seit langem bekannt. Inhaltsstoffe der Blätter sind Saponine, Glykoside, Phenolkarbonsäuren, Mineralien, Jod, Kaffeesäure. Efeu wirkt schleimlösend und krampflösend. Efeublättertee hat eine heilende Wirkung bei Husten, Bronchitis, Asthma und Keuchhusten bei Kindern. Selbst das BGA erkennt die Anwendungen gegen Katarrhe der Luftwege und bei chronisch entzündlichen Bronchialerkrankungen an. Den Tee aus Efeublättern verwendet man unter anderem auch bei Hautunreinheiten, auch zu Waschungen bei Gallebeschwerden, Rheuma, Gicht, sowie auch äußerlich gegen Läuse und Krätze. Was man wissen sollte, die Früchte des Efeu sind giftig und werden nicht verwendet. Die Ernte von Efeublättern können wir das ganze Jahr hinweg durchführen. Aber eigentlich sind die Blätter im Herbste noch vor der Blüte, je nach Standort von Anfang September bis in den November, am heilkräftigsten.

Symbole des Efeus

Efeu ist eine Pflanze, die meist nur auf den zweiten Blick gesehen wird.  Sie galt aber auch als eine Orakelpflanze in Gebieten, in welchen Wein angebaut wurde. Es hieß vom Efeu, wenn er reichlich und schön blühe, gäbe es viel und einen guten Wein. 

Achtet mal im Winter, wenn es weißverschneit ist, auf die mächtigen Bäume im Walde. Ihr werdet bestimmt hier und dort dieses immertreue und -grüne Gewächs an den Bäumen entdecken. Übrigens sollte der Efeu genau deshalb als Symbol der Liebe und Treue in keinem Brautstrauß fehlen.


2. Die Schlehe

Winterkraeuter Rene Geyer Schlehen inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Dieses Gehölz, ein kleiner Strauch oder auch mal ein kleiner Baum, gehört zu der Familie der Rosengewächse. Die Schlehe ist zugleich die europäische Stammform der Pflaume. Schlehen wachsen als sogenanntes Pioniergehölz auf Brachflächen oder Kahlschlägen, aber auch am Waldesrand oder im Unterholz. Auch wird sie zur Pflanzung von Hecken benutzt und bietet dort der heimischen Singvogelwelt reichlich Unterschlupf und Nahrung. Die Blütezeit liegt im April und dann zeigen sich besonders in der noch kahlen Landschaft schneeweiße Bereiche an den Waldesrändern, was um diese Jahreszeit ein besonderes Augenmerk auf sich zieht.

Erntezeit der Schlehe

In den Monaten Oktober, November und bis hinein in den kalten Dezember sind dann, besonders bei erstem Frost, die tief blauschwarzen Früchte erntereif. Jedoch sollte man die Früchte immer ernten, wenn sie sich leicht vom Stiel trennen lassen. Dann kann man sie für 1-2 Tage tiefgefroren im Tiefkühlfach lagern. Unsere Vorfahren mussten immer bis zum ersten Frost in der Natur warten, weil die Früchte nach der Kälteeinwirkung etwas milder sind und nicht mehr so zusammenziehend herb schmecken. Die Früchte werden nur frisch verwendet.

Rezept Schlehenlikör

Gerade für die Vorweihnachtszeit oder für die Festtage ist ein guter Schlehenlikör etwas ganz Besonderes. Die schon aufgetauten, aber vollreifen Früchte werden leicht mit einer Gabel angestochen. Dann füllt man ein Gefäß zu 2/3 mit den Schlehen und kann jetzt mit Doppelkorn auffüllen. Wie süß der Schlehenansatzlikör wird ist jedem selbst überlassen. Man kann mit normalem Haushaltszucker oder aber auch mit Kandiszucker süßen. Es eignet sich natürlich auch Honig. Diesen Ansatz lässt man nun gut 3-5 Wochen an einem warmen Ort stehen. Öfters sollte aber gut geschüttelt werden. Nach dieser Zeit wird die Flüssigkeit abgegossen, aufgehoben und umgefüllt, die Früchte aber im Gefäß noch einmal mit Schnaps aufgegossen. Diesen zweiten Ansatz lässt man dann weitere 4 Wochen stehen. Nach dieser Zeit werden dann beide Ansätze vereint und nach Belieben nachgesüßt. Der Likör kann noch mit Rum oder Obstbrand verfeinert werden. 

Dies ist nur ein Beispiel für die Verwendung der Schlehe um diese Jahreszeit, wenn es draußen kalt ist und die Feiertage vor der Tür stehen. So etwas Selbstgemachtes ist auf alle Fälle für eine gemütliche Runde im Kreis der Familie etwas ganz Besonderes.

Geschichte der Schlehe

Im Volksmund wird der Strauch auch Schwarzbeere, Schwarzdorn, Sauerpflaume oder aber auch Hagedorn genannt. Schlehensträucher dienten in früheren Zeiten als Schutzstrauch vor Blitz und waren somit auch dem germanischen Gott Donar geweiht. Auch vor Feuer, Krankheiten und Dämonen, so glaubten unsere Vorfahren, schützte sie dieser dunkle Strauch. Somit war die Schlehe wie auch der heilige Holunder ein besonderer Strauch in den Siedlungen unsere Vorfahren.


3. Die Mistel

Winterkraeuter Rene Geyer Mistel inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Gerade in der jetzt dunklen aber auch magisch-märchenhaften Vor- und Weihnachtszeit und im Winter galt diese Pflanze als etwas ganz Besonderes im Volksglauben unserer Vorfahren. Man nannte die Mistel auch Mistelstängel, Donnerbesen, Hexenbesen oder Druidenfuß. In der Magie öffnet der Mistelzweig die Pforte zur sogenannten Unterwelt, aber zugleich schützte er vor Zauberei und Krankheit.

Mistel in der Mythologie

In unserer eigenen, alten, germanischen Mythologie brachte sie aber dem Frühlingsgott Baldur den Tod, weil sie das einzige Wesen auf der Welt war, welches nicht schwor Baldur vor dem Tod zu schützen. Und so wurde Freyas Sohn durch einen Mistelpfeil getötet.

Der wissenschaftliche Name der Mistel ist Viscum album und sie gehört zu den Mistelgewächsen. Diese Pflanze ist immergrün und „schmarotzt“ auf Bäumen. Als Halbschmarotzer entzieht sie ihrem Wirt nur Wasser und Salze. Es können sowohl Nadel- als auch Laubbäume sein, auf denen sie sitzt. Sie bildet dort kugelige Büsche von 20 bis 60 cm Durchmesser. Die Stängel sind holzig und gelblichgrün und lederartig derb sind die Blätter. Die Blüten hingegen sind gelbgrün, unscheinbar und erscheinen meistens im März bis in den April hinein. Ab dem Herbst sitzen zwischen den Zeigen die weißen, giftigen, kleinen Beeren.

Inhaltsstoffe der Mistel

Die Inhaltstoffe der Pflanze sind unter anderem Lectine, Saponine, Alkaloide, Harze, Cholin. Die Wirkung der Pflanze liegt im Ausgleichen von zu hohem als auch zu niedrigem Blutdruck, aber auch gegen Arteriosklerose, Krämpfe sowie Blutungen. Mistelpräparate gibt es heute in der Apotheke und diese werden auch nur vom Arzt oder Heilpraktiker verschrieben.

Der Mistelzweig-Brauch

Sehr bekannt ist der Brauch, dass wenn ein im heiratsfähigen Alter befindlicher junger Mann seine Auserwählte unter einen Mistelzweig stellt, er sie küssen und auch heiraten durfte. Auch glaubte man, wenn eine Mistel auf einem Hasel- oder Weißdornstrauch wuchs, dass sich dort unter der Mistel besondere Schätze finden lassen. Zur Weihnachtszeit werden im Hause oder an den Türen Mistelzweige aufgehängt, um die guten Geister im Hause und Unholde aus den Stuben zu bannen.

Und gerade in der dunklen Zeit ist ein immergrüner Strauch an einem Gehölz ein Zeichen für die im Frühling erwachende Natur mit der Farbe der Hoffnung.


4. Der Beifuß

Winterkraeuter Rene Geyer Beifuss inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Wenn wir unserer Wege gehen, ist er uns wohl häufig begegnet: der Beifuß mit seiner doch stattlichen Erscheinung. Beifuß galt früher als eines der magischen Kräuter, dem man in manchen Gegenden Deutschlands auch noch heute viel Aufmerksamkeit in mythologischer Hinsicht schenkt. Beifußzweige wurden unter anderem mit dem Johanniskraut in den Brautstrauß eingeflochten. Oder man trug ihn zur Sonnwendfeier an einem Gürtel und warf ihn dann ins Feuer. In der Glut sollten die bösen Einflüsse verbrennen, damit Gesundheit für ein ganzes Jahr beschieden wäre. Für germanische Stämme galt der Beifuß sogar als die Mächtigste aller Pflanzen. Volksnamen sind ihm viele eigen, wie Besenkraut, Gänsekraut, Mutterkraut oder Sonnwendgürtel. Wandergesellen, deren Füße schmerzten und/oder ermüdet waren, sollen sich Beifußblätter in die Schuhe gelegt haben. Dieses Korbblütengewächs wird zwischen 50 und 150 cm hoch. Es besitzt einen staudenhaften Wuchs sowie einen holzigen, stark verzweigten Stängel.

Aussehen und Inhaltsstoffe vom Beifuß

Wenn man die fiederteiligen Blätter betrachtet, stellt man fest, dass diese auf der Oberseite dunkelgrün sind, wohingegen die Unterseite graufilzig und wesentlich heller ist. Die Blüten sind eher unscheinbarer Natur. Beifuß blüht von Juli bis in den September mit kleinen gelben bis grüngelben Blütenköpfchen. Auf Schuttplätzen, an Wegrändern neben Gebüschen, aber auch auf Wiesen ist er heimisch. Beim Zerreiben der Blätter und Blütenknospen entfaltet Beifuß einen angenehm würzigen Geruch. Sein Geschmack ist aromatisch, aber leicht bitter. Als Inhaltsstoffe seien genannt: ätherisches Öl, Bitterstoffe, Inulin, Vitamin A, B, C, und Gerbstoffe. Diese Kombination aus wertvollen Stoffen macht den Beifuß zu einem wertvollen heimischen Heil– und Würzkraut. Ein Tee aus Blättern und Blütenknospen wurde seit langem bei Verdauungsschwäche, Appetitmangel und Erbrechen gegeben. Die Wirkung ist anregend auf die Verdauungsdrüsen aber auch keim– und pilzhemmend. Einen heißen Aufguss aus getrocknetem Beifußkraut gibt man ins Badewasser, wenn wir im Winter kalte Füße bekommen haben oder falsch angezogen waren!

Wirkung von Beifuß

Da Beifuß mit seinen Inhaltsstoffen für eine bessere Verdauung sorgt, gehört er gerade in der Weihnachtszeit immer an die Füllung von Ente und Gans. Aber auch zu fettem Hammel und Schweinefleisch eignet sich Beifuß hervorragend. Wer seinen eigenen Magenbitter ansetzen möchte, sollte immer ein bis zwei kleine Beifußzweige in den Trunk mischen. Gesammelt werden die Blätter der noch jungen Pflanze im Frühjahr und die Triebspitzen mit den Blütenknospen vor der Blüte bis in den September. Wenn es klirrend kalt ist, setzen sich an den vertrockneten Trieben Eiskristalle an die Blüten und Blattreste und stimmen uns auf das kommende Fest und das nächste Jahr ein.


5. Die Stechpalme

Winterkraeuter Rene Geyer Stechpalme inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Die Stechpalme ist einer jener immergrünen Sträucher oder kleinen Bäume, die nicht nur zur Sommerzeit grün tragen. Die Stechpalme, mancherorts nur Ilex genannt, kann ein bis zu fünf Meter hoher Baum werden und ein Alter von bis zu dreihundert Jahren erreichen! Botanisch gehört sie zu den Stechpalmengewächsen. Der Volksmund gab ihr Namen wie Hülsenstrauch oder Walddistelstrauch und ist vor allem in Parks oder Vorgärten sowie auch – verwildert – im Unterholz in lichten Wäldern zu finden. Stechpalmen sind in freier Natur selten anzutreffen und unbedingt vor jeder Beschädigung zu schützen. Sie steht unter Naturschutz!

Eigenschaften der Stechplame

Stechpalmenblätter oder -zweige mit ihren roten Früchten werden heute wieder gern als Ergänzung zum Schmücken der Kränze in der Weihnachtszeit genutzt. Die Beeren – für den Menschen giftig – stellen für unsere heimischen Vögel ein stärkendes und aufbauendes Futter dar. Was aber die wenigsten wissen ist, dass Stechpalmenblätter auch in der Volksheilkunde Verwendung finden. Sie gilt in der Volksheilkunde als ein vorzügliches Mittel bei Keuchhusten. Doch auch bei anderen Formen von Husten und bei Fiebererkrankungen zeigt die Stechpalme gute Eigenschaften. Daneben wurde sie zudem bei Seitenstechen, Blähungen aber auch bei Durchfall angewandt. Die Inhaltsstoffe der Stechpalme sind Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Coffein, Vanillin, Mineralsstoffe und Pektine. Übrigens nennt man den Stechpalmentee auch „den Mate Tee Europas“. Dieser schmeckt ähnlich wie der Tee aus der Verwandten Südamerikas.

Die Stechpalme im Volksglauben

Im Volksglauben wurde die Stechpalme genutzt, um Haus, Hof und Besitz vor Blitzschlag, Verhexung und Krankheit zu schützen. Mensch und Tier sollen vor bösen Dämonen verschont bleiben, wenn sie von Stechpalmen begleitet sind. Auch heute werden in manchen Gegenden Blätter und Zweige der Stechpalme angezündet, wenn ein Gewitter aufzieht. Der Duft der brennenden Blätter soll den Zorn des altgermanischen Gottes Donar, den Gott des Blitzes und Donners, besänftigen und vor dem wütenden Schlage seines Hammers schützen. So lebt dieser alte heidnische Brauch noch immer weiter.

Blütezeit der Stechpalme

Von Mai bis Juni ist die Blütezeit der kleinen weißen Blüten der Stechpalme, die angenehm duften. Im Herbst sind dann die korallenfarbigen, giftigen (Stein-)Früchte zu sehen. Übrigens gibt es auf Rügen viele schöne große Stechpalmenexemplare. Ein stattliches Exemplar steht zum Beispiel in Groß Zicker auf Mönchgut im Ostteil des Dorfes gleich neben der Straße!


6. Der Haselstrauch und Haselnuss

Winterkraeuter Rene Geyer Haselnuss inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Es geht auf den Winter zu auf der Insel Rügen. Die Stille kehrt ein und ein besonderes Fest steht vor der Tür. Zu dieser Jahreszeit und zum Weihnachtsfest wird gerne die Haselnuss gegessen.

Das Symbol der Haselnuss

Aber der Haselstrauch und die Nuss dazu sind ein uraltes Symbol auch schon bei unseren Vorfahren gewesen. In der heidnischen, germanischen Tradition ist der Hasel ein Symbol für Zeugungskraft und auch dem Donnergott Thor oder auch Donar geweiht. An keinem Haus oder Hof durfte in früheren Zeiten der Haselstrauch fehlen, genauso wenig wie der Holunderstrauch.

Aussehen und Vorkommen des Haselstrauches

Der Haselstrauch gehört zur Familie der Haselnussgewächse und ist eine sogenannte Pionierpflanze. Sie bereitet den Boden für andere Pflanzen vor. Haselsträucher können im Buchenwald das Unterholz bilden. Auch an Waldsäumen oder Waldrändern ist der Haselstrauch zu finden und gibt auch unseren Singvögeln Schutz, die gerne im Geäst ihre Nester bauen. Als Strauch kann er eine Höhe bis 12 Meter erreichen. Die Blütezeit der Kätzchen ist bereits im Februar bis in den März hinein. Die hängenden männlichen Kätzchen blühen in einem gelben fast goldig erscheinenden Farbton, wohingegen die weiblichen Blüten sehr, sehr klein sind und wunderhübsche rote Blüten haben.

Gesunde Wirkstoffe der Haselnuss

Es lohnt sich, im Frühjahr mal eine Lupe mitzunehmen und die Blüten zu betrachten. Volksnamen sind Hagennuss, Lämmerschwanz aber auch Märzennudel. Seit der Jungsteinzeit wird der Haselstrauch genutzt und nicht nur die Nüsse, sondern auch das Holz. In den Nüssen ist besonders viel Fett, Eiweiß, Kalzium, Kalium und Vitamine wie B1, B2, E enthalten. Die Sammelzeit der Nüsse reicht von September bis Oktober. Aber auch die jungen Blätter wurden geerntet und in der Küche verwendet und sind schmackhafte Beigabe bei einer Salatmischung. Die Blätter des Haselstrauches ergeben in einer entsprechenden Beize angesetzt einen lieblichen gelbbraunen Farbton, mit dem früher Wolle, Seide und Stoffe gefärbt wurden. Hasel im Allgemeinen wirkt sehr reinigend und soll den Geist klären und unsere Seele beruhigen. Jetzt in der Vorweihnachtszeit erfreuen uns Nüsse mit ihrem besonderen Geschmack und wichtigen Fetten.

Übrigens, wer einen Haselstock bei sich trägt, der findet immer das, was er gerne findet. Früher wurde die Holzkohle des Haselstrauches zur Herstellung von Holzkohlestiften für die Malerei verwendet.


7. Der Wacholder

Winterkraeuter Rene Geyer Wacholder inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Hier begegnet uns nun eine Pflanze, die zu den ältesten, aber auch zugleich zu den mystischsten und magischsten Heilpflanzen gehört. Dieser immergrüne Nadelbaum, oder besser gesagt dieser zu den Zypressengewächsen gehörende Strauch, kann eine Größe bis zu 10 Metern erreichen. Seine Blätter sind nadelförmig, sehr spitz, aber auch sehr hart. Die Blüten sind 2-häusig, das heißt: Die männlichen sind aus zahlreichen Staubgefäßen zusammengesetzt und Gelb. Die grünlich-weiblichen Blüten bestehen aus drei nebeneinanderstehenden aufrechten Samenknospen.

Wacholderbeeren-Ernte

Es dauert 3 Jahre, ehe man die schwarzblauen Beeren ernten kann. Im ersten Jahr die Blüte, im Jahr darauf sind die Beeren grün, aber erst im dritten Jahr schwarzblau und reif. Wacholder benötigt viel, viel Sonne und gedeiht hervorragend auf Heiden, in lichten Nadelwäldern, sowie auf Magerwiesen und Sandböden. Der wildwachsende Wacholder ist bei uns eine geschützte Pflanze!

Einsatzbereiche vom Wacholder

Wacholderbeeren sind ja bekanntlich sehr gut für die Küche geeignet. Besitzt doch Wacholder besondere Wirkstoffe, wie: Harz, viel ätherisches Öl, Eiweiß, Pektin, Invertzucker, Wachs, sowie reichlich Vitamin C. Diese Wirkstoffe lassen sich nicht nur für die Gaumenfreuden verwenden, sondern auch besonders in der volksheilkundlichen Anwendung. Wacholder wirkt stark harntreibend, besonders keimtötend, blutreinigend, hustenreizmildernd, sowie schleimlösend. Wacholderbäder sind besonders wohltuend bei Erkrankungen der oberen Atemwege. Bei einem Reizhusten könnte man als Abhilfe die Beeren kauen und verzehren, was auch für einen frischen Atem sorgen soll.

Wacholder als Heilpflanze

Ein sehr großer Anhänger von Wacholder war Pfarrer Kneipp, der sogar eine Wacholderbeerenkur erfand, um einen geschwächten Magen zu stärken. Wacholder war unseren Vorfahren sehr heilig und in altgermanischer Zeit war er – wie der Holunder – eine jener Pflanzen, in der die sogenannten „Holden oder guten Geister“ zu Hause waren. Mit Wacholderzweigen und Nadeln wurden Räucherungen im Haus abgehalten, um böse Geister und Dämonen sowie Krankheiten fernzuhalten. Man glaubte früher Krankheiten und Übel käme von Hexen und dem Teufel, jedoch weiß man heute um die antiseptische Wirkung von Wacholderholz-Räucherungen und ihrer keimtötenden Wirkung.

Auf Rügen, so beschreibt es auch unser berühmter Volkskundler Prof. Dr. A. Haas, wurde ein kleiner Wacholderstrauch „Knirk“ genannt und in das Fundament eines neuzubauenden Hauses gelegt. Dieser sollte verhindern, dass böse Geister in das Haus Einzug halten. An hohen Festtagen wurde der Fußboden des Zimmers an den Wänden entlang mit kleinen Wacholderzweigen belegt, auf Rügen „Enken“ genannt. 

In heutiger Zeit ist der Wacholder ein besonderer Strauch, da er nicht nur die schmackhaften Beeren bereithält, sondern auch an sonnigen Plätzen in der Natur einen besonderen Blickpunkt darbietet.


8. Die Hagebutte

Winterkraeuter Rene Geyer Haebutte inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

„… ein Männlein steht im Walde …“ Dieses Lied kennt wohl jedes Kind. Weiß man aber auch, dass dieses Rosengewächs noch andere Namen vom Volksmund bekam, wie Heckenrose, Hundsrose oder gar Hiffe?

Vorkommen und Verwendung der Hagebutte

Bei der Heckenrose handelt es sich um ein Rosengewächs, das als ein 2-3 m hoher Strauch mit überhängenden stacheligen Ästen an Waldrändern, Gebüschen, Hecken und Parkanlagen zu finden ist. Die Blütezeit dieses Strauches ist von Juni bis in den Juli hinein. Die Blüten besitzen einen oft stark süßlichen Duft und sind zart rosa bis weiß. Blütenblättchen der voll entfalteten Blüte lassen sich frisch in Alkohol eingelegt zu einem wohlschmeckenden Likör verarbeiten. Man könnte sie auch frisch als Dekoration zu Eiscremes geben oder in einen Salat mischen.

Aussehen und Inhaltsstoffe

Ab September bis in den Oktober hinein sind dann die reifen Früchte, die eine rote Farbe haben, erntereif. Die Früchte liefern uns einen äußerst gesunden und wohlschmeckenden Tee. Die Früchte kann man frisch aber auch getrocknet verwenden. Beim Trocknen ist Sorgfalt angesagt: Die Früchte sollten gut durchgetrocknet sein, d.h. sie knirschen etwas, wenn man sie zwischen den Fingern hin und her bewegt. Die Hagebutte beinhaltet sehr viel Vitamin C, bis zu 1,7g pro 100 g frische Früchte. Das Vitamin C bleibt auch beim Trocknen noch recht gut erhalten. Weitere Inhaltsstoffe der Hagebutte sind Fruchtzucker, ätherische Öle und Vanillin. Die Hagebutte ist ein wichtiger Vitaminspender, gerade in der kalten Jahreszeit. Sie wirkt anregend auf die Widerstandskräfte bei Erkältungskrankheiten, gegen Frühjahrsmüdigkeit und Vitaminmangelerscheinungen. Außerdem ist sie schwach harntreibend und blutreinigend. Sie ist aber nicht nur für uns von Nutzen, sondern auch für unsere heimische Tierwelt. So lieben vor allem unsere Vögel die Früchte dieses Rosengewächses. Zudem ziehen sich zahlreiche Tiere in den Hecken zurück und es ist interessant zu beobachten, welche Naturschauspiele sich in unseren Hecken und Sträuchern abspielen.

Ursprüngliche Bedeutung der Heilpflanze

Auch in historischer Zeit hatten die Rosenbüsche eine Bedeutung: Die Germanen weihten sie der Göttin Freya, der Göttin der Liebe, deren Heiliger Hain mit Rosenbüschen umwachsen war. Im Mittelalter änderte sich die Glaubenwelt und Elfen und gute Geister wohnten ab jetzt in den Gebüschen und schützten die Menschen vor böser, schwarzer Magie. Bei so viel Gutem, sollten auch wir die Heckenrose wieder mehr als wertvolles Naturgut nutzen.


9. Die Vogelmiere

Winterkraeuter Rene Geyer Vogelmiere inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

So manch einem Zeitgenossen dürfte in seinem Garten ein Kraut aufgefallen sein, das schon öfter dem kompletten Herausreißen oder Weghacken widerstanden hat. Die Rede ist von der Vogelmiere, die als Stubenvogelfutter bekannt ist. Aber dieses Kräutlein als „Unkraut“ oder Vogelfutter hinzustellen, wird diesem besonderen Kräutlein nicht gerecht.

Aussehen und Bedeutung der Vogelmiere

Vogelmiere gehört zu den Nelkengewächsen. Sie kann es mit ihren Verwandten an äußerlichen Schönheiten zwar nicht aufnehmen, ist aber ein wahrer Kraftprotz, auch wenn sie schwach und gebrechlich aussieht. Vogelmiere ist stark verzweigt, blüht mit kleinen weißen Blütchen und wird bis zu 60 cm hoch. Die Blütezeit reicht vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein, sie ist aber auch noch Wintergrün. Sie gedeiht überall: auf Wiesen, Schuttplätzen, Äckern, an Hausmauern. Eigentlich überall dort, wo der Mensch seine Spuren hinterlassen hat. Man muss sich mal vorstellen, dort, wo sie ihre neuen Würzelchen ausbreitet, bildet die Pflanze im Laufe eines Jahres fünf bis sechs Generationen! Und pro Generation erzeugt sie – man hörte und staune – zwischen 10 000 und 20 000 Samen! Die Lebensdauer der Samen beträgt etwa gute 60 Jahre! Und Vogelmiere blüht und gedeiht unentwegt. Sie ist ein kleines biologisches Wunder.

Die Vogelmiere im Volksmund

Vogelmiere hat im Volksmund viele Namen wie: Hühnerdarm, Mäusedarm, Meier, Sternenkraut. Inhaltsstoffe sind Vitamine, Mineralstoffe (vor allem Kalium), Gerbstoffe, ätherisches Öl. In der Kräuterheilkunde wird Vogelmiere angewandt, denn sie ist hustenstillend, harntreibend, heilend, schleimlösend und wirkt antiviral. Äußerlich werden Auflagen angewandt bei Wunden sowie bei Ausschlägen. Ein Tee aus dem frischen Kraut empfiehlt sich bei leichten Erkältungskrankheiten, Husten, Rheuma und Gicht.

Vogelmiere als Küchengewürz

In der Küche hat die Vogelmiere eine große Einsatzbreite. Sie ist und bleibt ein hervorragendes Kraut für Salate und Suppen. Sie passt hervorragend zu Quark, ob mit anderen Kräutern oder alleine. Verrührt ein bisschen kleingeriebenen Meerrettich und kleingehackte Vogelmiere mit guter Sahne und schmeckt diese Mischung mit einem Spritzer Zitronensaft, Salz und Pfeffer ab: Nun habt Ihr eine wohlschmeckende Soße zum Dippen zu Fleisch oder Fisch. Die Verwendungsmöglichkeiten in der Küche oder der Kräuterheilkunde lassen uns dieses unscheinbare, aber immer gedeihende Kräutlein in einem anderen Blickwinkel sehen und so mancher Zeitgenosse wird sich bewusster umschauen nach diesem Kräutlein.

Ihr interessiert Euch auch für gesunde Herbstkräuter? Dann schaut mal hier rein.

Naturfuehrer Rene Geyer inselzeitung | Inselzeitung Rügen
© René Geyer

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit René Geyer.

Der auch als „Kräuter-Geyer“ bekannte Erlebnis- und Naturführer verfasst regelmäßig für das Urlaub à la Rügen – Magazin eine Kolumne über Kräuter- oder Blumenpflanze sowie über Sagen der Insel Rügen.

Seit 2004 können sich Gäste und Einheimische bei seinen abwechslungsreichen Touren mit allerhand Wissenswertem die natürlichen Schönheiten dieser Inselregion erklären lassen. Ob bei archäologischen Führungen zu den bekanntesten Großsteingräbern Rügens bei Lancken-Granitz, bei seinen Kräuterführungen in den Zicker Bergen oder bei seinen legendären Sagenwanderungen, René Geyer lässt Euch die Natur Rügens aktiv erleben.

Alle Termine findet Ihr bei uns im Veranstaltungskalender und unter www.naturgeyer.de.